Autor: phantomaz Thema: Tagebuch eines Überlebenden  (Gelesen 6523 mal)

Offline phantomaz

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Tagebuch eines Überlebenden
« am: Donnerstag, 25.Jul 2013 - 09:26 Uhr »
Tagebuch eines Überlebenden
18.July 2012

Mein Name ist Gustavik Tschaladmenkow , ich bin 28 Jahre alt und einer der Überlebenden der Katastrophen die sich in Chernarus zu trugen. Ich habe Gentechnik, spezialisiert auf Virologie, in Chernogorsk studiert und war nach meinem Masterabschluss Teil einer innovativen Forschungsgruppe geworden. Ich zeichne meine Berichte auf, um die Menschheit über die schweren Folgen der Kernschmelze zu warnen, die sich in Chernarus zu getragen hat. Ich hoffe das es mir gelungen sein wird meine Forschungen zu beenden, falls nicht, wird Gott uns gerecht strafen und lehren Gottes gleichen zu imitieren.

Am 18.July, ein Tag wie jeder andere, verabredete ich mich mit Kollegen zur Mittagspause in dem Diner der Tankstelle westlich, außerhalb der Stadt. Es hieße der Lammgulasch sei hervorragend und Kaffee würde immer reichlich nachgeschenkt werden. Wir waren kaum eine viertel Stunde da, als wir über TV die Nachricht einer Katastrophe im größten Kernkraftwerks von Chernarus wurden. Es sei bereits zur Kernschmelze gekommen und man riete der Bevölkerung zu Fluch. An eine Evakuierung sei nicht mehr zu denken. Kurz darauf wurde die Tankstelle schon von den ersten Flüchtigen belagert, die um die letzten Galonen Benzin sich fast die Kopfe einschlugen. Ich sah den Inhaber mit blutüberströmten Kopf zurück in den Diner kommen. Er schnaubte vor Wut, ging hinter den Tresen und holte eine alte Winchester raus, lud durch und blickte in unsere Richtung. Wir waren gebannt zwischen TV Übertragung und der Szenerie draußen vor dem Fenster. Er sagte mehr zu sich selbst als zu uns: "Ab jetzt wird abgerechnet!", ging vor die Tür und schoss einem Mann, der gerade eine Frau aus ihrem Pickup ziehen wollte, in den Rücken.
"Wir müssen abhauen! So weit weg wie nur möglich!" meinte einer meiner Kollegen und das taten wir auch. Draußen stellten wir fest, dass unser Wagen gestohlen wurde und es wohl nur eine Frage der Zeit wäre bis die aufgehetzte Meute sich an uns vergehen würde. Auch aus der Stadt konnte man jetzt vereinzelt Schüsse hören. "Lasst uns aufs Meer fliehen!"meinte mein Kollege also nichts wie hin, wir rannten übers Feld zur Mutnaya Bay und erspähten einen Fischer der gerade dabei war am Peer abzulegen. Nichts wie rauf da! Wir sprinteten den Peer entlang, das Boot legte schon ab und ein mit einem Knüppel bewaffneter, grimmiger Mann drohnte uns, wir sollten es ja nicht wagen... Susan, die zuerst sprang, wurde direkt am Kopf getroffen und viel rücklings ins Wasser. Georg sprang als zweiter und ich gleich hinterher. Wir schafften es ihn zu überwältigen und entwaffneten ihn. Ein beherzter Schlag mit seinem eigenem Prügel beförderte ihn ins süße Land der Träume, wo man mit einem Schädel aufwacht der durch keine Tür mehr zu passen scheint. Wir halfen Susan an Bord, die nun keuchend und mit einer klaffenden Kopfwunde an Deck lag. Ich schwang mich ans Steuer des Boots und fuhr so schnell es nur ging auf die offene See hinaus.
Eine blutverschmierte Hand, legte sich auf meine Schulter und sagte:"Guck was sie getan haben..." Ich drehte mich um und sah am Horrizont den gleißenden Pilz einer Explosion, das konnte unmöglich  aus dem Kernkraftwerk stammen. Bei einer Kernschmelze kommt es nicht zu einer nuklearen Explosion, das wusste ich. Und außerdem war das Kernkraftwerk nicht direkt im Norden, wo die Explosion herkam. Der Pilz der Explosion ähnelte auch in keinster Weise den Nukleardetonationen die ich aus den Discovery Berichten kannte.

Kurz danach donnerten mehrere Kampfjets über Cherno hinweg. Zwei drehten über dem Meer ab und flogen Richtung Osten, zwei andere kamen wieder zurück. Ich konnte erkennen, wie von jedem Flugzeug eine Rakete abgeschossen wurde, die direkt aufs Stadtzentrum zuflog. Die beiden Explosionen waren extrem laut und wir schauten gebannt zu, wie unsere Heimatstadt unter der Druckwelle der Explosion in Schutt und Asche gelegt wurde. Dann  sahen wir wie die Druckwelle die Altstadt erreichte und wie mehrere Teile davon in Flammen aufgingen. Wir sahen wie die Boote im Hafen zerborsten und Benzintanks explodierten. Wir sahen wie sich das Wasser kreuselte und dann kam der Sturm... Ich sah noch wie Susan an mir vorbei durch die Kabine geschleudert wurde und wie Georg sich versuchte an einem Fischernetz festzuhalten. Danach sah ich noch für einen Bruchteil eines Wimpernschlags den blutbefleckten Prügel des Fischers vor meinem Gesicht. Ab da umgab mich tiefste Nacht.

Als ich wieder aufwachte, war meine Kleidung durchnässt und ich zitterte am ganzen Körper. Vor mir lag meine Stadt in Trümmern. Noch immer brannten vereinzelte Häuser und hier und da schrien Menschen um ihr Leben... Was sollte ich nur tun? Was wenn die Forschungsstation auch verstört wurde? Was wenn der Impfstoff. Oh Nein!

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #1 am: Freitag, 26.Jul 2013 - 09:50 Uhr »
Rückblick 3 Monate vor dem Tag X

Die Forschungsabteilung in der Susan, Georg und ich gearbeitet hatten, befasste sich mit experimental Gentechnik. Es war uns gelungen einen Impfstoff zu entwickeln, der die Menschheit vor den Großteil aller Krebserreger und so ziemlich jedem Grippevirus schützen konnte. Wir waren schon lange aus der Alphaphase heraus, denn bis auf ein paar Ungereimtheiten bei vereinzelten Tierversuchen, wirkte es. Wir wollten den Impfstoff sogar nochmal in seiner Struktur verändern, sodass man ihn als simple Schluckimpfung einnehmen könnte. Dabei zeigte sich allerdings, dass unsere chemische Formel einen massiven Schwachpunkt hatte. Der Impfstoff reagierte ziemlich aggressiv mit der Luft und es war uns unmöglich seine Struktur aufrecht zu erhalten. Er Antikörper die wir mit Virgenomen gekoppelt hatten mutierten. Und all unsere Tests waren vergeblich. Die Tiere wurden wahnsinnig bevor sie unter entsetzlichen Schmerzen schließlich starben. Also stellten wir diese Reihe doch ein. Aber der Durchbruch war uns gelungen, zumindest glaubten wir das damals. Wir hatte in jeder größeren Stadt und sogar in vielen Dörfern in Chernarus Testpersonen gefunden, die sich bereit erklärten unsere Forschung zu unterstützen. Das ganze Forschungsteam war sogar so überzeugt von unserem Erfolg, dass wir zur Durchbruchsparty selbst diese Immunbooster einschmissen. Vielleicht wurde auch die ein oder andere Substanz am Abend verabreicht, denn die Party war so berauschend dass mir am Abend danach noch der Schädel dröhnte. Susan die in meiner Badewanne aufwacht, ging es nicht anders.


Jetzt
                              
Sollte diese ganze Arbeit nun zu Nichte gemacht sein? Und was war mit dem Fallout? Würden uns die Strahlung nicht binnen kürzester Zeit dahin raffen? Alles lang in Scherben, alles war zerstört. Die Welt in der ich gerade noch gelebt hatte, wurde mir binnen Sekunden genommen. Und meine Freunde? Was war eigentlich mit Susan und Georg? Zu tiefst verwirrt und durcheinander rappelte ich mich auf und schrie ihre Namen in die letzten Sonnenstrahlen des Tages hinaus. Ich wandere eine Weile am Strand umher und fand einige angespühlte Leichen. Männer, Frauen, Kinder, die beiden waren jedoch nicht darunter. Nach einer Weile bemerkte ich erst das ich ganz alleine war, ich hatte seit ich angespült worden war nicht einen einzigen Menschen gesehen.
Ich kam auf die Höhe der Tankstelle mit dem Diner und sah schon aus der Ferne das die Treibstofftanks wohl zum Teil explodiert waren. Das Hauptgebäude stand aber noch. Da mich wohl mein Magen mehr oder weniger in diese Richtung getrieben hatte, beschloss ich kurzer Hand ein paar Vorräte zu ergaunern. Auf dem Parkplatz und bei den Tanksäulen standen überall ausgebrannte Autowracks und eine paar Menschen lagen verstreut herum. Alles samt tot. Ich hatte bis zu diesem Tag noch nie Kontakt mit dem Tod gehabt. Weder auf Beerdigungen, noch mit Gräueltaten wie Mord. Aber auch der Mann dem kurz vor unserer Flucht in den Rücken geschossen wurde lad da. Eine riesige klaffende Austrittswunde zierte seine Brust. Neben ihm lag ein kleiner Rucksack. Dieser Sack wird den wohl kaum noch brauchen, dachte ich und erschrak mich gleich darauf über diesen Gedanken. Aber an mich nehmen tat ich ihn trotzdem. Allerdings war er so gut wie leer. Ein altes, in Leder gebundenes Notizbuch, ich wollte schon immer für die Nachwelt meine Memoiren aufschreiben, nun sollten sie diese bekommen. Eine Packung Kopfschmerztabletten, ein paar angekaute Stifte, eine ziemlich billig aussehende Taschenlampe und ein Erstehilfeset. Das war alles, tja für den Start nicht schlecht, allerdings plagte mich immer noch mein immenser Durst und dieses flaue Hungergefühl.
Im Diner selbst sah es nicht nur so aus als ob eine Bombe eingeschlagen sei, so ähnlich war es ja auch gewesen. Ich suchte mir ein noch relativ intaktes Glas und hielt es unter die Zapfanlage. War ja klar, Bier ist auch schon alle. Der ganze Laden schien geplündert worden zu sein. Bis auf leere Dosen, einen fast wie neu wirkenden Ventilator auf dem Boden und eine Dose Sardinen, die ich unter einem zertrümmerten Stuhl fand, war der Laden wie leer gefegt. Ich wollte gerade gehen, als ich ein stöhnen hinter einer Tür vernahm. Privat, Do Not Enter! Tja Alter, der Laden ist wohl kaum noch in irgendeinem Besitz.
Ich rüttelte an der Tür, nichts... Ich stemmte mich dagegen, nichts... Ich nahm ein wenig Anlauf und rammte meine Schulter und mein gesamtes Gewicht in den einen Stoß. Der Türrahmen brach und ich fiel der Länge nach auf den Boden. Ich blieb aber nicht einfach liegen, ich rutschte durch eine dunkle, übel riechende Flüssigkeit, fast zwei Meter in den Raum hinein.
"Wer zum Teufel bist du?" raunte es aus einer dunkle Ecke des Zimmer. Die Sonne war schon fast verschwunden und das wenige Licht was durch die schräg hängende Jalousie fiel, gab auch nicht viel Preis. Die Stimme war schroff und klang bedrohlich, aber irgendwo hatte ich sie schon mal gehört. "Bist du auch hier um dich an meinem Hab und Gut zu vergreifen?" er hustete und spuckte viel Flüssiges in meine Richtung. "Ab heute wird abgerechnet!" Da war es! Ich wusste woher ich ihn kannte, es war der verfluchte Inhaber des Diners, der Kerl mit der... Klick Klack! Dieses metallische Nachladen und gleichzeitige entsichern kannte ich nur zu gut. Ich hatte früher meinen Vater auf der Jagd begleitet und er hatte auch so eine Winchester gehabt, ich durfte sogar selbst damit schießen als ich älter wurde. Auf diese Entfernung brauchte er gar nicht großartig zu zielen, er brauchte mich nur streifen und mir würde der halbe Arm abgerissen werden... "NEIN, STOPP, Warten sie doch, ich kann ihnen helfen, ich habe Medizin studiert und sie brauchen sicherlich ärztlich Hilfe." Das war zwar gelogen, aber einen Verband anlegen konnte ich sicherlich und schließlich hatte ich sogar das Erstehilfeset dabei. "Ärzte? Pah! Die können auch nicht mehr helfen...Wenn schon das verdammte Militär nicht hilft, dann bestimmt nicht so ein verlauste kleiner Pisser der Arzt sein will!" Er spuckte wieder aus und im abendlichen Lichtschein erkannte die feine Zerstäubung seines Speichels. Es war Blut, der Mann musste schwere innere Blutungen haben und kurz vorm ableben sein. Aber dennoch hatte etwas ganz anders meine Aufmerksamkeit erregt. Er hatte gesagt Militär. Welches Militär? Meinte er die Jets? Mein Magen meldete sich mit einem kurzen lauten knurren zu Wort. So einen Hunger hatte ich schon lange nicht mehr gehabt. Wie konnte das sein? Es waren doch nur ein paar Stunden vergangen, oder? " Welchen Tag haben wir heute? Und was haben sie gemeint als sie sagten das Militär hätte auch nicht helfen können? Helfen wobei, der Evakuation? "
Ich beobachtete meinen Gegenüber und winkte geistesabwesend mit der Hand ein paar Fliegen vor meinem Gesicht weg. "Hahahaha, welchen Tag? Es ist der vierte beschissene Tag nachdem die Stadt ausgehört hat zu existieren. Der vierte beschissene Tag nachdem sie im Fernsehn sagten; es sei alles im Arsch! Ich habs gesehn Junge, es ist alles im Arsch! Die ganze Stadt ist tot und wer nicht tot ist, ist einer von Denen!" "Von Denen?" "Ja Junge von Denen!" Er machte dabei eine kleine Taschenlampe an und leuchtete direkt neben mir in die rechte Ecke des Zimmers. Der Anblick war grotesk und erschreckend zugleich. Ich würgte und übergab mich.
Vor mir lagen nicht weniger als vier, leicht aufgequollene  Leichen. Alle erschossen, dem Einen hingen ein paar aufgeschwemmte Gedärme aus dem Leib. Zwei andere hatte Kopfschüsse und die letzte Leiche. Ich würgte noch einmal, diesmal blieb aber der Rest unten. War  das nicht die Frau die der Inhaber zuvor vor dem Kerl auf dem Parkplatz gerettet hatte. Sie hatte mehrere Schusswunden im Brustkorb, ihre rechte Brust war komplett weggepustet worden und zwischen Schulter und Kopf klaffte eine mit dunklen Linien umrandete Wunde.
"Was zum Teufel ist hier eigentlich los? Wer hat all diese Menschen umgebracht, was hat das Militär..." "Menschen? Das sind keine Menschen mehr Junge. Was immer die sind, aber Mensch sind das bestimmt nicht mehr. Es hat fast jeden erwischt, und dann haben sie die Leute angegriffen, grundlos. Sie schlugen ihnen die Köpfe ein, aßen ihre Gedärme und bissen jeden den sie in die Finger bekamen tot. Und glaub mir Junge, haben sie dich erst einmal gesehen, dann kriegen sie dich auch. Die lassen nicht mehr locker. Als ich gestern versucht habe zum Supermarkt zu gelangen um endlich wieder was zwischen den Zähnen zu haben, haben mich diese Biester entdeckt und sind mir bis hier drin gefolgt. Die Kleine da, hat´s leider auch nicht geschafft. Da siehst du das da, da haben sie sie gebissen." Er leuchtet wieder auf die Stelle an ihrem Hals... "Aber sie sind doch auch verletzt, oder? Wieso leben sie dann noch?" "Tja Junge ich bin ja auch Immun! Hahaha... Was dich allerdings am Leben hält weiß ich nicht meine Junge und es wird auch höchste Zeit für dich zu gehen... puhapuha argh... " Er spuckte wieder eine Menge Blut aus und sah mich an. "Oder vielleicht ist es wohl doch eher meine Zeit...!" Er legte sich die Lampe in seinen Schoss, sodass der Lichtstrahl sein schmerzerfülltes Gesicht zeigte. Sein ganzes Hemd war voller Blut und irgendwie sah der Typ aus als ob er völlig geistesgestört wäre. Er drehte seine Winchester um und... "Nein nicht..." BÄM!
Der Schuss war so verdammt laut in dem kleinen Raum, das mir noch Minuten danach die Ohren klingelten. Der Kopf des Inhabers flatschte in kleineren Stücken an die Wand hinter ihm und an ihr herab und rundete die Szene dieses Schlachtfeldes endgültig ab. Erst als ich wieder meinen eigenen, schnell hechelnden Atem hörte, wusste ich das meine Trommelfelle nicht geplatzt waren. Und noch etwas hörte ich. Ein leises Schlurfen, wie das Schlurfen eines Betrunkenen der die Beine nicht mehr heben kann. Ich fackelte nicht lange und nahm dem Kerl seine Wumme ab. Lud durch und öffnete die Ladekammer an der Seite, die Patrone im Lauf sah ich, zwei weite darunter auch, was danach kam wäre reine Spekulation gewesen. Ich durchstöberte noch schnell den Raum, fand aber nichts als eine alte zerbeulte Trinkflasche, dessen Mundstück über und über mit Blut befleckt war. Angewidert steckte ich sie dann doch in den Rucksack. "Jetzt nichts wie raus hier!", sagte ich zu mir selbst und schlich leise zur Tür zurück.

Ich war nervös, sehr nervös. So nervös das ich kaum atmen wollte, was allerdings das Gegenteil davon bewirkte was ich vor hatte. Ich wollte leise sein, statt dessen atmete ich wie ein schwergewichtiger Boxer in der 12-ten Runde. Und es war auch nur zu verständlich genug. Ich hatte Todesangst. Das Schlurfen draußen vor der Tür war nicht leiser geworden. Irgendwer war im Inneren des Diners und sucht etwas. Suchte mich! Ich legte eine Hand auf den zersplitterten Türrahmen und lugte um die Ecke. Ein Mann stand da im Diner, ziemlich weit hinten. Er stand ziemlich genau da wo Susan, Georg und ich noch vor ein paar Tagen gesessen hatten. Ich ging in die Hocke, hielt aber immer noch soweit den Kopf oben, dass ich ihn weiterhin beobachten konnte. Ich arbeitete mir meinen Weg zur Eingangstür des Diners. Ganz vorsichtig, Stück für Stück. Ich sah immer wieder zu Boden, um den Dosen und herumliegenden Glasscherben auszuweichen. An der Tür angelangt, setzte ich meinen Weg rückwärts fort. Immer den Typen fest im Blick und die Winchester im Anschlag. Ich bemerkte etwas hinter mir, aber es war längst zu spät. Ich verlor das Gleichgewicht und stolperte rücklings über eine der Leichen die vor der Tür des Diners auf dem Tankstellengelände lagen. Ich fiel aber nicht nur auf den harten Asphalt. Was viel schlimmer war, war meine Aufregung. Ich war die ganze Zeit so angespannt gewesen, dass ich die Waffe viel zu fest in meinen Händen hielt und jetzt klammerte ich mich noch kräftiger daran! Ich merkte noch wie der kleine Widerstand des Abzugs nachgab und im selben Moment löste sich ein Schuss. Eine volle Ladung Schrot riss ein Loch über die Tür des Diners und dann sah ich den Sternenhimmel über Kimme und Korn der Flinte.
Einen Augenblick lang lag ich einfach nur so da. Ich verharrte wie zu Eis gefroren mitten auf dem Gelände der Tankstelle. Ein grunzend, schmatzendes Geräusch holte mich auf den Boden dieser surrealen Welt zurück. Und dann sah ich ihn. Ein hagerer Mann, mit eingefallenen Wangen und blutunterlaufenen Augen, die so tief in ihren Höhlen lagen, dass sie fast schwarz wirkten. Er war zerzaust um die Haare und seine Lippen waren aufgeplatzt. Sie sahen irgendwie ausgetrocknet und blutig zugleich aus. Sein Jackett war an den Schultern dreckig und die eine Seite vollkommen aufgerissen, sodass man das weiße Schulterpolster sehen konnte. Das alles nahm ich wie in Zeitlupe war, was ich nicht war nahm war der lange Arm der von links auf mein Gesicht zu schoss. Er riss mit seinen Fingernägel einen Teil meiner linken Wange und meiner Nase auf. Schon als ich ihn erblickt hatte war mir klar gewesen, du musst ihn töten! Egal was du übers Töten denkst, aber ihn MUSST du töten! Mit diesem Gedanken drückte ich im selben Moment ab, als er mir mein Gesicht aufriss. Der Schuss verfehlte seinen Kopf. Dafür zerbarst das raushängende Schulterpolster in viele kleine Schaumstoffteile, die uns in einer Art Wolke einhüllten.
Ich sah seine Arme wild über mir herumfuchteln, wohl aber keinen gezielten Schlag ausführen wollen. Ich überlegt nicht lange, riss die Flinte erneut hoch, lud durch und drückte ab. Einen Moment später kippte der Körper des Typen auf mich drauf. Ich lag noch immer da. Hatte jetzt ein blutüberströmtes Gesicht und ein lebloser Körper lag auf meiner Hüfte. Ich atmete noch lauter als zuvor und konnte es noch immer nicht fassen was ich soeben getan hatte. Ich hatte jemanden umgebracht. "Hör auf zu spinnen, der Typ wollte dich zernagen, sowie die Anderen Dinger da in dem Diner." meldete sich eine Stimme in meinem Kopf zu Wort. "Ich an deiner Stelle, würde zusehen das ich Land gewinne, sonst kommen noch mehr von Denen. Zwei so laute Schüsse hört man doch bis in die Altstadt!" Sie hatte recht. Die Stimme in meinem Kopf hatte recht. Ich musste verschwinden. Untertauchen, mich verstecken. Überleben! Ganz gleich wie, ich musste überleben. Und dazu musste ich hier raus! In der Stadt würde es nur so wimmeln von den Dingern. Da war ich mir sicher. Aber ich würde mich auch vorbereiten müssen, ich brauchte Proviant. Eine Waffe oder zumindest Munition für diese hier.

All diese Gedanken durchströmten meinen Kopf und bereiteten ihm gehörig zu schaffen, sodass ich erst gar nicht merkte das ich längst gebückt zwischen ein paar Büschen ein Haus am Peer beobachtet, von dem wir ein paar Tage zuvor noch fliehen wollten. Wie war ich hier her gekommen? "Scheiß egal wie du hier her gekommen bist, da drin brennt Licht! Und das bedeutet ja wohl das da jemand drin ist oder?!" Ich hatte die vage Vermutung das ich nicht nur eine Stimme in meinem Kopf hatte, sondern dass diese auch die Kontrolle über meinen Körper haben musste, denn mir war völlig unklar wann ich die Tankstelle verlassen hatte. Aber sie hatte recht. Im Inneren des Hauses leuchtete etwas, es brannte zwar kein Licht. Aber da drin leuchtete etwas. Etwas Blaues...

Offline phantomaz

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #2 am: Sonntag, 28.Jul 2013 - 20:58 Uhr »
Ich guckte mich um und sah niemanden auf den Wiesen drum rum, das einzige was ich im blassen Mondschein erkennen konnte waren die Silhouetten der in Trümmern liegenden Stadt... Ich schlich mich näher an das Haus heran und spähte durch eines der Fenster, wo das blaue Licht glomm. Ich erkannte nicht viel im Raum, aber ich sah die Lichtquelle. Ein auf einem Sideboard stehender kleiner Leuchtturm mit den typischen rot weißen Streifen. Und ganz oben glomm ein blaues Licht. Sonst erkannte ich nur Umrisse eines Tisches mit vier Stühlen, einen Schrank und so etwas wie einen Ofen der in der hinteren Ecke des Zimmers stand. Ich schlich zur Tür und presste mein Ohr dagegen. Nichts... warum auch es war mitten in der Nacht... Wie spät war es eigentlich, meine Casio digital Uhr leuchte zwar noch als ich den Knopf an der Seite drückte, aber auf dem kleinen Display ließen sich nur 9en erkennen. "Ja klar ist die Wasserdicht!", hörte ich noch den Verkäufer in meiner Erinnerung sagen. Tolles Teil! Ich lauschte noch eine Weile dann klopfte ich an. <knock> <knock> <knock> Nichts. Ich versuchte den Türknauf zu drehen, er bewegte sich nicht. Ich untersuchte die Tür genauer und stellte fest das ich mit Aufstoßen wenig Erfolg haben würde, da sie scheinbar nach außen aufging. Aber dabei sah ich ein paar kleine Blumentöpfe mit verdorrten Kräutern, gleich neben den Treppenabsatz stehen. Beim dritten Topf wurde ich fündig. Der Schlüssel! Warum die Leute nur immer den Schlüssel an diese Stellen legten war mir schon immer unklar gewesen, aber jetzt dankte ich ihnen dafür. Ich schoss auf und trat in den kleinen Vorraum des Hausen. ganz offensichtlich wohnte hier einer der verbliebenen Fischer von Chernogorsk. Es standen ein paar Angeln in der Ecke und Reusen zierten die Decke. Da ich ziemlich sicher war, das niemand daheim war, warum sonst sollte abgeschlossen sein? Betätigte ich den Lichtschalter, das Licht blieb dennoch aus. Na gut dann eben die Taschenlampe. Ich kramte in meinem Rucksack und fand sie nicht gleich, ich sollte sie mir wohl lieber in die Tasche stecken dachte und knipste das Licht an. Tatsächlich, ein Fischer, an der Wand hingen Fotos von einem älteren Mann auf einem Kahn auf dem er mit einem Schwertfisch posierte. Am Kleiderhacken hing eine alter wettergegerbte Teerjacke und ein typischer Wollpulli. Ansonsten standen da recht ordentlich schwere Stiefel und ein Schirmständer mit zwei Schirmen, einem Brecheisen und einer Axt darin. Ich öffnente die Tür zum nächsten Raum und fand mich in einem großen Raum von dem nur noch eine weite Tür abging. Der Raum war Küche und Wohnzimmer zugleich. Hier glomm auch das kleine blaue Licht. Im Schein meiner Taschenlampe erkannte ich ein paar Kerzen auf dem Tisch steh und eine alte, angerostete Oillampe hing an der Wand. Ich ging rüber zum Ofen, der wohl auch gleichzeitig Kochstelle war und wurde fündig. Ein dickes Packet Strecihhölzer stand genau da wo ich es vermutete. Ich entzündete die Kerzen und die Oillampe und schaltet meine Lampe aus. Wer weiß wo ich die nächsten Batterien finden würde. Jetzt wo der Raum heller erleuchtet war, schaute ich mich genauer um. Da hing eine große Seemannskarte mit einem großen Teil von Chernogorsks Umgebung an der Wand und daneben hingen Fernglas und Kompass. Ich zog die kleinen Pinnnadeln vorsichtig aus der Wand und faletet die Karte ordungsgemäß zusammen. Wie oft hatte mich mein Vater ausgeschimpft, weil ich seine Karte nicht richtig zusammen gelegt hatte... Anscheind hatte ich das jetzt raus... Auch Fernglas und Kompass nahm ich von der Wand. Das Fernglas hängte ich mir schräg über die Schultern und den Kompass steckte ich in meine Hosentasche. Im Kleiderschrank fand ich nur weitere Kleider und alter Fischerhemden, Socken und Wechselwäsche. Ich entfaltet eines der Hemden und hing es mir vor die Brust, naja etwas zu klein aber besser als nichts. ich stopfte ein paar Sachen die besser in Schuss waren in meinen Rucksack und suchte weiter im Schrank. ganz unten entdeckte ich einen alten Wanderrucksack, der schon wirklich besser Tage gesehen hatte, allerdings viel größer war als meine kleiner Stadtrucksack. Ich bepackte diesen mit meinen bisherigen Fundstücken und legte noch eine dicke Wolldecke oben drauf. In der Kochniesche wechselte eine Gusseisernepfanne seinen Besitzer und auch ein handelsübliches Jagdmesser mit einem Hirschhorngriff konnte ich jetzt mein eigen nennen. Die Streichhölzer steckte ich auch noch ein. Die Oillampe gefiel mit irgendwie, allerdings fand ich nirgends Oil zum nachfüllen und das wenige was noch darin war schien nicht gerade lange zu halten. Hinter der Tür zu dem anderen Raum versteckte sich das Schlafzimmer. Es war recht spartanisch eingerichtet, aber wie auch zuvor sehr ordentlich. Ein großes, alters Bett ein kleiner Nachttisch und eine Komode mit Waschschüssel und Spiegel standen da. In der Waschschüssel stand sogar noch klares Wasser. Ich formte meine Hände und trank! Gott wie gut das tat!

Offline phantomaz

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #3 am: Dienstag, 30.Jul 2013 - 08:56 Uhr »
Ich trank und trank, als gäbe es kein morgen. Erst als mir das kalte Wasser die Speiseröhre zuschnürrte und es beim Schlucken zu schmerzen begann, hörte ich auf. Ich sah auf und betrachtete mein nasses Gesicht in dem alten Spiegel der Kommode. Ich sah in das Gesicht eines Mannes, eines Mannes der ein Mörder war. Das Gesicht eines Mannes der nicht ich selbst zu sein schien. "Du bist kein Mörder. Du hast getan was nötig gewesen war um zu überleben!" Wie recht die Stimme doch hatte, sie beruhigte mich ein wenig, jedoch beunruhigten mich die Blutflecken auf meinem T-Shirt und die Blutspritzer in meinem Gesicht. Ich zog es aus und wusch mit dem Rest an Wasser mein Gesicht rein, zumindest äußerlich. Ich zog die Schublade der Kommode auf und war nicht überrascht das zu entdecken was ich sah. Einen Rasierpinsel, ein altes Klapprasiermesser und Rasierseife. Daneben lag ein Magazin mit einem verblichenem Pin Up auf dem Cover. Ich steckte das Rasierzeug in den den Rucksack und schloss die Schublade. In der darunter fand ich T-Shirts in weiß und schwarz, ich entschied mich für die schwarzen und zog auch gleich eins an. In der ganz untersten waren alter Zeitungsarkitel, Fotoalben und Briefe in einem Schuhkarton. Ich ging noch mal nach nebenan, schloss die Haustür von innen ab, löschte das Licht im Wohnzimmer und schloss die Vorhänge an allen Fenstern. Dann machte ich es mir mit meinem Erbeutetem auf dem Bett gemütlich. Ich legte alles nebeneinander und überprüfte meine bisherige Habe.
- eine Taschenlampe
- eine Kompass
- eine Stücklandkarte ( sie zeigte im Westen Zelenogorsk und im Osten Solnichniy)
- eine große Dose mit Streichhölzern und eine raue Metallreibe
- eine Jagdmesser
- ein Erstehilfeset mit zwei Bandagen und ein paar Pflastern, Schere und Pinzette
- 2 schwarze T-Shirts, einen Wollpulli, eine Teerjacke, Wechselunterwäsche und Socken
- eine dicke Wolldecke
- ein paar Wanderstiefel, die ein bisschen zu groß waren
- eine zerbeuelte Wasserflasche (die nach einer kleinen Wäsche wieder zu benutzten war)
- eine kleine Dosesardinen
- eine kaputte Uhr
- ein paar Kopfschmerztablette (mittlerweile waren es nur noch 12 Stück, ich hatte immer mal wieder eine eingeworfen da mir mein Schädel immer noch beschwerden machte, vielleicht war es die Strahlung)
- eine Bratpfanne
- eine recht scharfe Axt die gut an der Seite des Rucksacks befestigt werden konnte
- ein paar einfache Hauskerzen
- ein Fernglas
- und dann war da noch das Gewehr, ich öffnete erneut die Ladekammer und stellt mit erschrecken fest das tatsächlich nur noch eine Patrone übrig war.

Was sollte ich jetzt bloß machen. Recht erschöpft von all den Ereignissen machte ich mich auf dem Bett lang und schnappte mit das Pin Up Magazin. Naja über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten und über das Jahrhundert aus dem das Magazin stammt auch, aber große Titten bleiben immer große Titten ... hmm nicht schlecht, aber irgendwie machte mich die Lage in der ich und der Rest der Welt steckt überhaupt nicht an. Und so wechselte ich zu den Zeitungsartikeln. Lauter alte Auszüge über Fischerei, Wettbewerbe im Angeln und andere langweilige Dinge. Dann waren ja noch die Briefe. Die meisten kamen von einer Familie Strakovski und dabei handelte es sich anscheinend um die Tochter die ihrem Vater das Besuchsrecht seiner Enkel verweigerte und ein familäres Drama schilderte wie in einer Soapopera. In Gedanken an meine eigene Familie und meine Freunde schlummerte ich schließlich ein.

Ich schlief verhältnismäßig gut, wachte gelegentlich auf und ging zum Fenster um hinter dem Vorhang hervorzuspähen. Es blieb allerdings alles ruhig. Am morgen wachte ich plötzlich von einem lautem Poltern auf. Ich saß vor Schreck im Bett und griff nach meinem Gewehr. Was? Wo ist es? Ich hatte es doch neben mich ins Bett gelegt? Ich sah auf die Seite des Bettes und entdeckte es auf den Holzdielen, wahrscheinlich war es auch das Poltern gewesen was mich wach gemacht hatte.
Durch die Vorhänge schienen schon die ersten Sonnenstrahlen und ließen den Staub in der Luft des Zimmers glätzen. Ich gähnte und streckte mich, packte meine sieben Sachen und hinterließ noch eine Nachricht auf dem Küchentisch, in der ich mich für die mitgenommenen Sachen bedankte und dem Besitzer alles Gute wünschte. Bevor ich vor die Tür trat, sah ich druch alle Fenster um mich zuversichern das niemand in der Gegend sei. Aber es war alles ruhig. Draußen im Garten fand ich noch einen kleinen Schuppen und einen Donnerbalkenverschlag, sowie ein Beet mit diversen Pflanzen. Der Schuppen machte nicht viel her, lauter altes Angelzeug und Netze, Reusen und anderem zeug für die See. Aber auch einen kleinen Schleifstein und ein paar Werzeuge. Ich packte den Stein, einen Leatherman und eine Rohrzange, sowie einen Hammer ein. Auch ein Benzinkanister sowie ein altes, klappriges Rad standen ganz hinten im Schuppen und waren über und über mit Spinnenweben und Staub verdreckt. Ich ließ alles an seinem Platz und inspizierte den Donnerbalken, noch mehr Pin Up Magazine, Klopapier und Taschentücher, wovon auch ein paar in den Ruckssack wanderten. Ansonsten nahm ich nur den Geruch mit, der sich wohl in meiner Kleidung fest zu setzten schien und mir noch lange in der Nase lag. Am meisten freute ich mich über das kleine Gemüsebeet, ich erntete zwei Hände voll Kartoffeln, 8 Möhren und zwei Kopfsalate. Zwei Möhren aß ich auf der Stelle und fühlte mich gleich viel besser. Glücklich oder göttliche Vorsicht, dass ich gestern nicht gleich die Sardinen gegessen habe. Mit neuer Kraft und klaren Gedanken überlegte ich nun was ich weiter machen sollte. Sollte ich versuchen übers Meer in ein anderes Land zu kommen? Sollte ich landeinwärts zu unsere Hauptzentrale in Stary Sabor wandern um zu sehen was vom Labor übrig war und um vielleicht weiter Forschung anzustellen. Und was war eigentlich mit den anderen Überlebenden bzw. mit Ihnen? Ich beschloss mir eine gute Übersicht über die Stadt zu machen und kletterte mit einer Leiter auf das Dach des Fischerhauses.
Das Bild der Stadt war schlimmer als ich es mir erträumt hatte. Alle Scheiben von jedem Haus waren zersprungen, im Norden brannte noch immer etwas und ließ schwazen Rauch aufsteigen. Es könnte das Umspannwerk oder aber die Automobilfabrik sein, ließ aber auf die Entfernung nicht genau sagen. Was sich allerdings recht gut erkennen ließ war das Institut und das Krankenhaus gegenüber. Davor standen mehrere HMMVS und Straßensperren. Zerstört, zerschossen oder ausgebrannt, rund um die Straßensperren lagen Körper in Militäranzügen. Im Park vor dem Krankenhaus waren mehrere Militärzelte aufgestellt worden und ein Tarnnetz gespannt. Aber keine Menschenseele war zu erblicken. Etwas näher zu mir entdeckte ich den Kirchturm der alten katholisch orthodoxen Kirche, nahe des Hafens. Eine Menge Müll sammelte sich vor dem Eingang der Kirche und hinter dem Schiff der Kapelle sah man eine feine Rauchsäule aufsteigen. Ich erinnerte mich, dass ich als Junge nach dem Sonntagsgottesdienst immer ein Eis gegenüber bei der kleinen Kaufhalle bekommen hatte, wo ein Softeisautomat davor stand. Ich konnte den Supermarkt allerdings aus diesem Winkel nicht sehen. Er musste hinter einer Straße mit Altbauten stehen. Wenn es noch irgendwo Vorräte geben würde dann wohl sicher dort. Ich suchte noch ein wenig weiter die leeren, verwüsteten Straßen ab, aber nirgends Überlebende, nirgends bewegte sich etwas. Aber immer wieder blieb mein Blick an der ein oder anderen Leiche hängen und brannte sich durch die Gläser für immer auf meine Netzhaut ein. Weiter nördlich entdeckte ich noch den Glockenturm der Feuerwehrstation, die großen, schweren Metalltüren hatten mich schon als kleinen Jungen beeindruckt. Vielleicht hatten es ja ein paar Leute geschafft sich dort zu verschanzen bevor die Druckwelle die Stadt überrollt hatte.

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #4 am: Mittwoch, 31.Jul 2013 - 19:06 Uhr »
Ich kletterte vom Dach und beschloss den Supermarkt einen Besuch abzustatten und dann in Richtung Norden, vorbei an der Feuerwehrstation die Stadt zu verlassen. Ich schulterte meinen Rucksack und bemerkte die Last auf meinen Schultern, so etwas war ich gar nicht mehr gewöhnt, denn meine letzten Trainingseinheiten hatte ich während des Studiums gehabt. Das Fernglas ging an meiner Seite, das Gewehr in beiden Händen, den Kompass in der Hosentasche und die Axt hing am Rucksack an der Seite in einer Schlaufe. Zur Not könnte ich sie schnell greifen. "Um was zu tun mein Junge? Du willst damit doch wohl nicht jemanden den Schädel damit einschlagen? Du? Du sicher nicht mein Junge!" Da war sie wieder diese Stimme, die Stimme in meinem Kopf, die Stimme die die Kontrolle über mich gestern Nacht übernommen hatte und mich handeln lassen hatte. Doch es war nicht meine Stimme, ich merke es an der Schroffheit in ihr, ich merkte es an den Worten. Ich merke es an "mein Junge..." es war die Stimme des Dinerinhabers. Sollte sie nur reden und wenn ich das nicht schaffen würde jemanden die Axt in den Schädel zu rammen, dann wohl doch dieser verrückte Kerl aus dem Diner. Ich zog los und folgte einem kleinen Hügelkamm nahe des Hafens um mich der Stadt zu nähern. Ich war beunruhigt und hatte das Gefühl tausend Augenpaare würden jeden Schritt von mir genauestens mit verfolgen. Als ich an der Mauer der Kirche in die Hocke ging um zu verschnaufen und um die Lage zu überblicken sah ich Ihn. Er stand fast regungslos auf einer Wiese des Hinterhofs vom Haus gegenüber der Kirche. Er blickte in einer verdrehtenweise zum Himmel in die Sonne und sah aus als ob er leicht wanken würde. Irgendwie beunruhigend... Ich wollte etwas rufen, ihn irgendwie dazu bewegen sich umzudrehen, aber die Worte des Wirts hallten in meinem Kopf wieder. " Glaub mir Junge wenn sie dich erst einmal gesehen haben, dann kriegen sie dich auch!" Ich versuchte den Gedanke zu verdrängen und schlich auf den Innenhof der Kirche. Schockiert blieb ich stehen. Jetzt sah ich wo die kleine Rauchsäule herkam. Dort lagen, aufeinander geworfen, dutzende verkohlte Leichen. Noch immer glimmte die Glut zwischen ihnen und eine Menge Fliegen schwirrte über dem Haufen. Ich schloss die Augen und versuchte auch dieses Bild nicht in meinen Kopf zu lassen. Die Kirchtore standen weit offen und es herrschte das reinste Choas im Inneren. Überall klebten und scheckten Zettel und Fotos, Vermisstenanzeigen und Todesanzeigen, Hilfeaufrufe und Schreckensmeldungen. Auch ein kleines Notlager war dort im Inneren eingerichtet worden, allerdings war weit und breit niemand zu sehen. Ich fand ein paar Konserven und eine Cola. Auch leichte Militärschlafsäcke waren hier in Hülle und Fülle. Ich tauschte meine dicke, viel zu schwere Decke gegen einen und schnürrte ihn oben auf den Rucksack. Auch lagen überall Knicklichter in allen Farben des Regenbogens, ich steckte ein paar in die Tasche und ging zur Predigerkanzel, wo ein großes Plakat hing. Es zeigte eine Landkarte Nordwestlich von Cheranus auf dem der Flughafen zu erkennen war. Ihn zierte ein großer roter Kreis. Links oben in an der Karte steckte eine Foto und ein Zettel. Das Foto zeigte eine fröhliche Truppe von 8 jungen SASZ Soldaten vor einem Helicopter. Alle schwer bewaffnet, aber im Grunde vertrauensseelig. Auf dem Zettel stand in etwas kragliger Schrift:

Survivers!
Kommt zum Nordwestlichen Airfield. Wenn ihr nicht infiziert seid bringen wir euch auf die medizinische Station und versorgen euch.
Sobald wir Waffen sehen oder ihr äußerliche Wunden habt, werden wir das Feuer eröffnen.
Nehmt das als Warnung, aber helft euch gegenseitig die Stadt zu verlassen und um zu überleben!
Stay alive, keep your head down and stay together! Wir verlassen diese Stadt, hier ist es nicht mehr sicher!
Hochachtungsvoll
Brothers in Arms / siebtes SAZS Regiment oder was davon noch übrig ist...

Offline phantomaz

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #5 am: Donnerstag, 01.Aug 2013 - 19:27 Uhr »
Da stand ich nun, hatte keine Ahnung wie es weiter gehen sollte und in meine Hand hielt ich diesen Zettel der Armee Truppe. Ich entschied mich dafür die Karte von der Wand zu reißen und mich zu den Leuten im Norden durch zu schlagen. Wenn diese Stadt eh schon verloren sei, dann brauchte auch niemand diese Karte. Aber ich musste mir Proviant einpacken, oder notfalls auch irgendwas anders essbares auftreiben. Der Weg zum Flughafen war verdammt weit. Ich schätze ihn auf mehr als drei Tagesmärsche, ich weiß nur dass ich mit dem Bus mehr als 4 Stunden unterwegs gewesen war. Und für so einen Gewaltmarsch war ich nicht gerüstet. Also ab zum Supermarkt, vielleicht war da ja noch was zu bekommen. Ich schlich mich also näher zum Supermarkt heran und sah als ich um eine Häuserecke spähte das reinste Chaos vor dem kleine Markt. Hier lagen nicht nur Leichen von den Walkern, so nannte sie die Stimme in meinem Kopf mittlerweile, sondern auch dutzende Menschen die entweder erschossen oder auf andere martzialische Weise den Tod gefunden hatten. Die Türer des kleinen Supermarkts hingen nur noch lose in ihren Angelen und auch sonst sah der Laden von außen ziemlich rampuniert aus. Die Scheiben waren eingeschlagen und ganze Regale auf die Straße gezerrt worden.
Im Inneren änderte sich dieses Bild kaum. Überall lagen geöffnete Dosen, leere Flasche, zerrissene Chipstüten und ein Mix aus Früchten und Gemüse lag vertrampelt vor der Frischeabteilung auf dem Boden. Aber dennoch ließ ich mich von diesem Bild nicht abschrecken und stellte den ganzen Laden nochmal auf den Kopf. Ich fand ein paar Tüten Studentenfutter und drei Dosen Chilliebohnenmix, eine verbeuelte Dose Pfirsiche und mehrer Flaschen Wasser, von welchen ich drei mitnahm. An der Kasse, lag haufen weise Geld am Boden verteilt. Ich nahm mir die größeren Scheine und knüllte sie in meine Hosentasche. Auch eine gespiegelte Fliegebrille hing noch fein säuberlich auf dem Drehständer. Auch ein paar Packungen BigRed Kaugummi wanderten in die Tasche und fast eine ganze Stange Fluppen. Wenigsten musste ich nicht meine übelen Gewohnheiten ablegen, um aus dieser elenden Welt zu entkommen. Vor dem Supermarkt entdeckte ich den Softeisstand, der immer noch in Betrieb zu seinen schien. Ich kramte nach einem Quater und zog mir eine herrlich kühles Schokovanillieeis aus dem Automaten. Gerade als ich meine Zunge daran erfrischen wollte, peitschte ein Gewehrschuss durch die östliche Altstadt. Vor Schreck ließ ich das Eis fallen und rannte blindlings los. Ich rannte und rannte, warum wusste ich zwar nicht genau, aber die Stimme in meinem Kopf hatte sicherlich schon eine Erklärung dafür. An einer Kreuzung mit einem umgekippten Feuerwehrwagen blieb ich stehen. Wollte ich nicht noch zur Feuerwehr um irgendwas zu besorgen? "Keine Zeit!Du wusst hier verschwinden, wer weiß was die anderen Übelebenden mit so einem Milchgesicht wie dir anstellen?!" Da hatte sie irgendwie recht, ich hatte immerhin auch nur noch eine Kugel um Lauf, also würde ein Schusswechsel recht einseitig ausgehen. Aber dennoch war mein Drang etwas zu finden oder noch mehr Hinweise zu finden größer.
Der Schauplatz vor der Feuerwehr sah nicht gerade viel anders aus als vor dem Supermarkt. Allerdings hatte irgendwer die großen Tore mit Stacheldraht verschlossen. Durch den wollte ich erst gar nicht probieren durch zu kommen. ich schaute auf der Rückseite des Hauses nach und entdeckte eine weite Tür. Diese war zwar verschlossen, aber ich schaffte es irgendwie mit meinem Schraubenschlüssel und dem Hammer die Tür aufzuhebeln und luggte vorsichtig um die Ecke ins Innere. Hier standen ganze Paletten von Kisten, die alle mit Tarnnetzen überzogen waren. In einer Kiste die als Tisch umfunktioniert worden war entdeckte ich eine kleine Taschenlampe mit mehreren Optionen. Rotes Licht, blaues und sogar ein besonders helles weißes. Daneben lagen Magnesiumfakeln. Von denen ich auch drei in meine Jackentasche stecke, vielleicht würden die sich noch als nützlich erweisen. Ich war gerade dabei die oberen Räumlichkeiten zu inspizieren, als weitere Schüsse, jetzt viel näher, durch die Stadt knallten. Auch waren diese nicht vereinzelt, sondern schienen eher aus automatischen Waffen zu kommen. Ich kauerte mich in eine Ecke und wartete Dabei viel mein Blick auf einen kleinen Klappspaten der an einm Spint lehnte. Ich schnürrte ihn auf die andere Seite des Rucksacks. So leise wie möglich schlich ich durch alle Quatiere und entdecke allerlei persönliche Habe. In einer Kiste vor einem Bett fand ich lauter Krimskrams, aber darunter ertasten meine Finger etwas metallisches. Ich griff zu und hielt auf einmal eine .45 Magnum in der Hand. Ich konnte kaum glauben wie schwer die Waffe in meiner Hand lag. Behutsam legte ich ihn auf Bett, denn der Hahn war schon gespannt. Ich durchwühlte die Kiste nach Munition und nachdem ich fast den gesamten Inhalt auf dem Boden verstreut hatte, hielt ich endlich die Schachtel mit Ersatzpatronen in der Hand. Es waren 12 Stück darin und wenn dieser Waffennarr von einem Feuerwehrmann nicht schon welche verschossen hatte, dann würde ich jetzt 18 kleine, sehr tödliche Freunde haben. Ich kippte die Patronen in meine Jackentasche und schloss den Reisverschluss, die Babys wollte ich um keinen Preis der Welt verlieren. Gerade als ich den Colt wieder sichern wollte , hallten zwei Schüsse aus Norden einher. Sie waren so laut, das ich vor Schreck fast den Hahn abrutschen ließ, schaffte es aber noch mit letzter Kraft ihn zu halten und dann behutsam niederzulassen. "Na? Genug gehört? DU SOLLST VERSCHWINDEN!" ich prostetierte, ich wollte zum Krankenhaus in meine Forschungsstation und Impfstoffe holen. "Dafür bleibt keine Zeit mehr, wer immer da draußen zu Gange ist, schießt auf Menschen! Ganz sicher Junge, keiner schießt aus sicherer Entfernung auf die Walker, das wäre reinster Selbstmord. Sie sehen vielleicht nicht besonders, aber hören tun sie dafür sehr gut! Und wenn sie dich erst einmal gefunden haben, naja du kannst dir sicher vorstellen was dann passiert, oder Junge?!" Wie immer hatte sie recht, ich konnte mir zwar nicht eingestehen, dass da draußen sich die Leute wirklich gegenseitig umbrachten, aber das Bild vor dem Supermarkt und hier zeigte etwas anderes. Ich sollte wirklich die Stadt verlassen.

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #6 am: Samstag, 03.Aug 2013 - 11:31 Uhr »
Mehr oder weniger überstützt verließ ich nun die Feuerwehrstation. Ich trat durch die Tür durch ich gekommen war. Ein Zischen donnerte direkt neben mir in die Steinmauer und zerborst scharfe Steinsplitter in aller Richtungen. Einer schlug direkt auf meine verspiegelte Sonnenbrille, weitere verkratzen mir das Gesicht. Kurz danach hörte ich auch den Schuss. Das ich dabei aus Reflex in die Hocke gegangen war und aufgeschrien haben musste wie ein Mädchen merkte ich erst als ich meine eigene Stimme hörte. Ich spürte die Druckwelle einer weiteren Kugel auf meinen Haaren und hörte wie das Projektil an die metallische Tür der Feuerwehrstation einschlug. Dann rannte ich los. Auf die Idee, dass ich wahrscheinlich im Inneren sicherer gewesen war, kam ich erst gar nicht. Ich rannte, nicht nur dass ich in der Schule eigentlich schon immer ein guter Sprinter gewesen war, aber jetzt flog ich fast über die kleinen Wiesen und Gärten. Noch immer zischte ab und an eine Kugel nahe an meinem Körper vorbei, aber anscheinend war der Schütze eh kein besonders Versierter, sonst hätte ich nicht zwei Nahtoderlebnisse gehabt. Ich bekam hinter einem kleinem Holzschuppen eine Verschnaufpause. Ich lehnte mich an die Bretterwand und keuchte. Meine Lunge brannte so dermaßen, und dennoch sog ich die Luft in viel zu schnellen Atemzügen in meine Lunge ein. Sie füllte sich mit der lauwarmen Luft des Spätsommers und für einen Bruchteil einer Sekunde genoss ich den Geruch der Kräuter und der Kamillenblüten die irgendwo in der Gegend ihre letzten Blätter verloren. Mit auf gestützten Armen, leicht in die Knie gesunken, hockte ich da hinter diesem Bretterverschlag und rang um Atem. Meine Haare hingen mir verschwitzt ins Gesicht und mein Rücken schmerzte von der Last des Rucksacks. Als ich endlich fast wieder zu keuchen aufhörte, bemerkte ich vor mir einen Schatten. Der Schweiß der mir ohnehin die ganze Zeit in Strömen den Rücken und an der Innenseite meiner Schenkel runter floss, wurde augenblicklich eiskalt. "Ich habs dir ja gesagt, Junge, sie kriegen dich früher oder später eh..."
Ich wollte gar nicht erst aufschauen, aber ganz langsam hob ich nun doch widerwillig meinen Kopf. Da standen sie, kaum 5 Meter von mir entfernt, zwei Walker! Einer war ein stämmiger untersetzter Mann. Er blickte mich durch seine milchigen, leblosen Augen an und schien doch durch mich hindurch zu schauen. Aber sein Blut umschmierter Mund sprach eine ganz deutliche Sprache. Sein Kollege brachte dem wortlosem Grauen die Stimme, als er seinen Mund aufriss und mich gleichzeitig angrunzte und anschrie. Aber vielleicht brauchte ich genau diese Sekunde um zu begreifen, welcher Situation ich jetzt ins Auge blickte. Sie sprangen im selben Moment auf mich zu in dem ich die Flinte anlegte um zu zielen. Ich hatte sie kaum an die Schulter gepresst und den Lauf gehoben, als der Kleine einen Satz auf mich zu machte. Ich drückte ab und sah wie in Zeitlupe sich das Schrot aus der Mündung des Laufs entfaltete. Die konische Wolke ergoss sich über die linke Schädelhälfte und riss in die Selbige ein großes Loch. Die Wucht des Schusses schleuderte ihn zu Boden und gab den Blick auf den anderen Kerl frei. An die Wand der Bretterlaube gepresst versuchte ich ungeschickt den Colt aus meiner Jackentasche zu fummeln, hielt dabei aber immer noch den Kolben der Winchester fest in meiner rechten Hand. Der lange Kerl schlurfte auf mich zu und nahm sich dabei gemächlich Zeit. Zeit die mir fehlte! Er packte meinen linkem Arm und drückt mich mit einem festen Stoß noch enger an die Wand des Schuppens. Er zerrte und riss an meinem Arm. Er schüttelte mich regelrecht durch. Und sein Griff, fest wie eine Schraubzwinge, lockerte sich kein bisschen. Im Gegenteil ich hatte eher das Gefühl er würd, wenn er noch fester zu griff, mir den Arm brechen. Dennoch versuchte ich mich los zu reißen. Ich ließ vom Revolver ab und schubste und schlug viel zu zaghaft auf ihn ein, als ein weiterer Schuss ihm den halben Arm durchtrennte und ich mit seinem Unterarm da stand. Dennoch ließ er nicht von mir ab. Packte jetzt meine Schulter und zog mich gefährlich nah an seinen bissigen Mund heran. Eine zweite Salve zerfetzte ihm seine rechte Schulter und ich sah wie eine Wolke aus dunklem Blut aus der Linken austrat und ihn zu Boden warf. Wer immer da m Drücker gewesen war, saß nicht nur in einer anderen Position als der erste Schütze, er hatte es auch nicht auf mich abgesehen, sondern mir das Leben gerettet! Ich suchte den linken Hügelkamm nach irgendjemand ab. Ich nahm etwas weiter hinten am Waldrand eine Reflexion einer Linse wahr. Im selben Moment sah ich eine kleine Flamme direkt unterhalb und spürte gleichzeitig wie eine Kugel dich an meinem Gesicht vorbeizischte. Ich drehte meinen Kopf in Richtung Zieldestination und bekam eine volle Packung Blut, Gehirnstückchen und Knochensplitter ins Gesicht, denn ich blickte direkt in die Augen eines Walkers der seinen Mund nahezu an meiner Schulter gehabt haben musste. Ich wischte mit dem Ärmel über alles und verschmierte so alles gleichmäßig über meinem Gesicht. Geschockt und zittrig sank ich auf die Knie fing an vor lauter schottern an zu wimmern.
"Steh auf du Wurm! Beweg deinen jämmerlichen Arsch, jemand hat dich gerade von der Abschussliste gestrichen und du liegst hier rum und weinst Junge? Steh auf und lauf, lauf um dein Leben! Dreh dich nicht um und flieh, flieh in den Wald! Vielleicht schaffst du es durchzuhalten...!" Die Stimme beflügelte mich, schenkte mir neue Kraft die ich so nötig hatte und ließ mich vor all Dingen eines; hoffen. Jemand hatte mir mein Leben geschenkt und ich sollte es ihm verdammt nochmal nicht sinnlos vergelten.
...

Offline phantomaz

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #7 am: Sonntag, 11.Aug 2013 - 21:59 Uhr »
Ich raffte mich also auf und blickte zu aller erst um die Ecke des Schuppens und erblickte nur ein großes Feld mit vielen kleinen Büschen und ein paar Strohballen die über das gesamte Feld verteilt waren. Aber nirgends auch nur die geringste Spur eines Heckenstützen. Aber dafür eine Menge Walker die unruhig übers Feld taumelten. Einige krochen auch durchs hohe Gras. Eine kleine Gruppe taumelte weiter nördlich am Hang, nahe des Waldrandes. Es sah aus als ob sie um irgendwas herum kauerten. Ich nahm das Fernglas ab und schaute mir die Gruppe genauer an. Tatsächlich weideten vier Walker einen leblosen Torso aus und labten sich am Fleisch des Toten. Ich ließ meinen Blick abschweifen, denn dieses Grauen wollte ich erst gar nicht genauer mit anschauen. Aber durch das Fernglas ließ sich das Feld gut überschauen und ich suchte systematisch jedes mögliche Versteck ab. Und dann sah ich sie, zwei Typen hockten da in einem Busch. Der eine mit einem Jagdgewehr im Anschlag und auf der Suche nach möglichen Zielen. Beide hatten Militärjacken an und hoben sich kaum von der Umgebung ab. Der andere, ein grimmiger Alter mit einer großen Narbe quer über die linke Wange, erzählte ihm irgendetwas und lachte dazwischen immer wieder, was ihn nur noch bösartiger machte. Jetzt hob er seinerseits ein Fernglas an die Augen und blickte genau in meine Richtung. Augenblicklich schoss sein Finger hoch und der andere drehte den Lauf in meine Richtung. Ich nahm wieder Deckung hinterm Schuppen und hörte auch schon den Schuss in das Holz einschlagen. Und dann folgten einige Salven aus einem Maschinengewehr kurz und trocken hintereinander. Sie ließen das Holz hinter, neben und um mich herum bersten und viele kleine Holzsplitter flogen durch die Luft. Ich saß hier fest, sie hatten mich festgenagelt und jetzt war ich zwischen Walkern und irgendwelchen schießwütigen Parkrangern gefangen. Ich hoffte auf meinen Retter der mich auch aus dieser Lage befreien könnte, doch insgeheim wusste ich jetzt war ich am Drücker. Das Sperrfeuer hatte aufgehört und so nahm ich meinen Rest an geschwundenen Mut zusammen und spähte um die zerschossene Ecke. Die Walker auf dem Feld waren völlig außer sich und tollten verrückt auf dem Feld umher, scheinbar konnten sie mit dem vielen Krach doch nicht so sehr viel anfangen. Sie liefen wild umher und rannten immer wieder um diverse Heuballen herum, in der Annahme dahinter sei ein Leckerli versteckt. Und da kam mir eine Idee, sie sollten ihr Leckerli bekommen! Ich nahm zwei Magnesiumfackeln aus meiner Tasche und entzündete sie. Die Helligkeit blendete mich so sehr, dass ich kaum noch irgendetwas sehen konnte. Alles war gleißend rot erhellt vor meinen Augen, die ich so fest zusammenkniff wie ich nur konnte. Kurz bevor ich wieder meine Lider öffnete, knallten erneut Schüsse vom Hang auf den Schuppen herunter. Ich legte beide Fackeln an die Holzscheune, die auch ziemlich schnell zu schwelen anfing, legte meinen Rucksack ab und nahm dann eine der beiden Fackeln auf. Ein paar Schritte Anlauf sollten genügen, schließlich wog sie an die 150 Gramm und weit werfen konnte ich eh schon immer gut. Ich schleuderte die Fackel so weit wie möglich in die Richtung, aus der die Schüsse zu mir rüber zischten. Die zweite hatte inzwischen einen richtig ordentlichen Brand gelegt und es würd nicht lange dauern bis der gesamte Schuppen in Flammen stand. "Ja verdammt, es wird überhaupt hier alles bald in Flammen stehen. Die Felder sind Furz trocken und der Rest auch. Aber der Junge spielt wohl gern mit dem Feuer... hahaha, es wird schneller vorbei sein als du denkst... " Was? Warum? Was meinte die Stimme da? Hatte ich einen Fehler gemacht? Irgendwie musste ich ja schließlich raus aus dieser Lage. Ich schnappte mir meinen Rucksack und kauerte mich dicht an die schon brennende Wand, diesmal wollte ich es über die andere Seite probieren. Als ich um die Ecke sah, erkannte ich was ich angerichtet hatte. Das halbe Feld stand mittlerweile in Flammen, einige von den Walkern rannten aufgeregt zu den Brandherden und fingen selbst Feuer. Aber das trockene Gras auf dem Feld qualmte zusätzlich ordentlich und es bildeten sich mehrere Rauchfelder. Das war meine Chance, und ich hatte womöglich nur diese eine. Ich schmiss noch die zweite Fackel direkt zu einem großen Heuballen und wartet bis sich dieser ebenfalls in Rauch und Flammen auflöste. Dann rannte ich los! Ich lief quer übers Feld und achtete gar nicht wirklich darauf, ob mir Walker folgten oder nicht. Die könnte ich notfalls abhängen oder umnieten, aber zumindest vielen keine Schüsse. Ich war ca. 25 Meter vor dem Ende des Feldes angelangt, hier versperrt mir ein kleiner Weidezaun meine ungehinderte Flucht und ich musste umständlich hinüber klettern. Kaum hatte ich ein Bein darüber geschwungen, merkte ich wie sich meine Hose irgendwo verfangen haben musste. Aber zu spät, die Hose riss unterhalb des Schritts auf und dadurch verlor ich nun endgültig das Gleichgewicht. Ich kippte vorn über und landete schmerzhaft auf dem Colt, der Gott sei Dank gesichert in meiner Tasche war. Ich rappelte mich auf und schaute mich um, mir war tatsächlich kein einziger Walker gefolgt und von den beiden Heckenschützen war auch keine Spur zu sehen. Ich hatte mir zwar bei dem Fall den Knöcheln verstaucht, was ich schmerzlich beim ersten Auftreten und auch bei jedem Folgenden Schritt zu spüren bekam, aber wenigstens war ich in Sicherheit. Durch die Büsche schlug ich mich ins dichtere Unterholz der Waldes durch und nachdem ich wirklich sicher war, dass mir niemand folgen würde und sich auch mein Herzschlag beruhig hatte, wanderte ich eine ganze Weile durch den lichten Wald. Erst als mir die Sonne direkt aufs Gesicht schien, schoss es mir wie ein glühendes Eisen durch den Kopf. Wo war ich eigentlich? Verdammt, während des Beschusses in der Feuerwehrstation und der anschließenden überstürzten Flucht, hatte ich völlig vergessen wohin ich gelaufen war und jetzt wanderte ich schon eine ganze Weile hier im Wald herum. Verdammt wo war ich? "Na Junge? Haste dich jetzt verirrt ? Hahaha !"

Offline phantomaz

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #8 am: Montag, 12.Aug 2013 - 21:05 Uhr »
Dieser blöde Pisser! Dieser Scheißkerl aus dem Diner ging mir gehörig auf die Nerven. Er hatte zwar meistens recht, aber dennoch meldete er sich erst zu Wort, wenn es meist schon zu spät war. Und jetzt war es so weit, es war zu spät. Zu spät um den Kompass auf seine richtige Eichung zu überprüfen, zu spät um die Himmelsrichtung anhand des Sonnenstandes zu ermitteln und erst recht zu spät um all das nachzuholen was die kleinen hässlichen Pfadfinderscouts damals in der Wildnis gelernt hatten. Gott wie ich diese kleinen Bengel damals schon in der Primarschule gehasst hatte. "Kannst du denn auch einen sicheren Unterschlupf bauen? Kannst du Feuer machen was nicht qualmt, sodass man dich über Kilometer weit sieht? Kannst du ein Tier ausnehmen und sein Fleisch so räuchern, dass man es länger als nur 4 Tage genießen kann? Na kannst du das Junge?" fragte mich der Kerl aus dem Diner in einer piepsig hochgepitchten Knabenstimme. Nein man kann ich nicht! Aber ich reiß dir und mir den Arsch auf, wenn ich nicht spätestens heute Abend weiß wo ich bin und wo lang ich muss! Die Antwort darauf blieb aus, was mir die Situation allerdings nicht gerade schöner zu machen schien. Ich schulterte ab und ließ den schweren Rucksack an einem Baumstamm gelehnt stehen. Ich war völlig durchnässt von mehreren heftigen Adrenalinstößen des Tages und der schier meilenweiten Wanderung. Ich kramte die zwei Karten die ich besaß hervor und überprüfte die Himmelsrichtung mit dem Kompass. Mal ganz ehrlich der konnte nicht stimmen. Die Richtung aus der ich gekommen war, wurde mir als Norden ausgepriesen, was unmöglich war. Süd, Südwest, meinetwegen Südost, aber niemals, niemals Norden! Gefrustet feuerte ich ihn gegen einen Baum worauf hin er in mehrere Teile zersprang, ich machte mir erst gar nicht die Mühe sie zu suchen, sollten sie doch einen anderen armen Tropf in die Irre führen, aber mich nicht mehr! Auf der Umgebungskarte von Chernogrosk erkannte ich mehrere Wanderrouten nach Norden, eine davon führte nach Zub, einer alten Ruine, auf der ich irgendwann als Kinder schon einmal mit meinem Vater gewesen war. Ich weiß noch, dass man von dort oben sehr weit das umliegende Land überblicken konnte. Auch hatte sie mehrere begehbare Türme gehabt, die mir vielleicht einen Unterschlupf vor der Nacht geben könnten. Ich versuchte mit Fingermaß und Kartenlegende die geschätzte Entfernung zu bestimmten. Erst nach ein paar Minuten ging mir auf, dass das mir alles gar nichts brachte, wenn ich nicht genau wusste wo ich war. Ich musste mir einen höheren Standpunkt suchen und anhand der Höhenmeter auf der Karte erraten wo in etwa ich sein sollte. Eigentlich war es ziemlich egal auf welchen Hügelkamm ich erklettern sollte, da man eigentlich, zumindest schien das auf der Karte so, erst einmal ein langgezogenes Tal vor sich haben müsste. Doch bevor ich mich einem Anstieg stellen würde, wollte ich etwas essen und trinken. Ich war sparsam und aß die Frischkost zuerst, wer weiß wann ich hier draußen etwas essbares finden sollte. Die Mohrrüben waren hiermit offiziell alle und eine halbe Flasche Wasser war auch letztendlich in meinen Magen gewandert. Ok los geht's! Berg auf! Oh man, dabei hatte ich das doch die ganze Zeit vermieden. Aber der Kraftaufwand und die vielen Male des Ausrutschens lohnten letztlich doch. Ich stand auf einer Lichtung mitten auf einem kleineren Berg, meiner Schätzung nach sollte ich am Aussichtsturm des Little Hills sein, aber dass ließ sich leider nicht genau sagen da die Inschrift auf der Tafel vollkommen verblasst war. Leider war der Aussichtsturm selbst auch mit einem Zaun abgesichert. "Komm schon Junge, von da oben siehst du wesentlich mehr! Mach schon, rüber da!" Wie immer hatte sie recht und zudem weckte sie in mir die Neugier, ich stellte also den Rucksack am Zaun ab und in dem Moment wo ich mit dem Fernglas an einer Masche im Zaun hängen blieb, wurde mir eines schlagartig klar. Ich hatte die Winchester vergessen, ich hatte sie doch tatsächlich an dem Schuppen stehen lassen, oder? Doch! Da hatte ich sie das letzte Mal in der Hand gehalten. Ich hatte zwar keine einzige Patrone für dieses Ding übrig, aber dennoch hatte sie mir zweimal den Arsch gerettet. So dankt man das nun ja auch nicht. Egal, abhaken und rauf auf den Turm. Ich kletterte über den Zaun und erklomm die Leiter außen am Turm. Da wurde mir nicht zu viel versprochen, die Aussicht war atemberaubend. Zu meiner rechten lag nicht weit entfernt ein kleines Dorf, der Karte nach musste das Mogilevka sein. Und gen Norden saß ich die Umrisse einer Burg. Ich hob das Fernglas an die Augen und war voller Vorfreude. Doch ich sah die Burg nur als winzig kleines Dings im Objektiv. Ich drehte an der Einstellung, doch es änderte rein gar nichts. Ich nahm es ab und stellte fest, dass vorne keine Gläser mehr drin waren. Wann um Himmels Willen war denn das jetzt passiert. "FUUUUCCCCCKKKKKKK!" FUCk,FUck,Fuck, fuck hallte es aus dem Tal wieder. Ein wenig erschrocken über die Lautstärke meines eigenen Echos, ließ ich das kaputte Fernglas aus der Hand rutschen und es zerschellt gänzlich, als es auf den Betonboden aufschlug. Tolle Statistik! Gewehr, vergessen, Kompass verstellt und Fernglas kaputt! Dennoch hatte ich den Funken Hoffnung, der beim Anblick der Ruine aufgeglommen war behalten und beschlossen schnurrgerade in diese Richtung aufzubrechen. Wenn ich richtig stramm marschieren würde, sollte ich es auch vor Einbruch der Dunkelheit schaffen. Beim Herunterklettern schnitt ich mich zum Wohl allen Übels auch noch in die Hand. Irgendein kleiner scharfer Draht ragte aus der Metallleiter hinaus den ich nicht gesehen hatte und als ich darüber fuhr war es schon zu spät. Gut das mein Verbandszeug im Rucksack war... Gefrustet kletterte ich wieder über den Zaun, mittlerweile blutete die Wunde auf der Innenseite der linken Hand doch recht stark und ich wickelte vorsichthalber eine weiter Bandage darum. Als ich damit fertig war, sah ich zu meiner Verwunderung wie tief die Sonne schon stand. Es musste gegen 17 Uhr sein, wenn nicht schon später.
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Offline phantomaz

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #9 am: Dienstag, 13.Aug 2013 - 23:00 Uhr »
Ich beschloss dennoch mich auf den Weg zu machen. Ich würde einfach an Tempo zulegen müssen und keine Rast machen. Ich würde es sicherlich vor Einbruch der Dunkelheit schaffen und falls nicht, hätte ich ja immer noch meine Taschenlampe. "Wirklich, Junge? Dieses kleine Spielzeug mit den lustigen Farben? Willst du dich wirklich in der Dunkelheit im Wald verlaufen?" Nein, das wollte ich auf keinen Fall, aber ich wollte noch viel weniger im Dunkeln im kalten Wald, draußen, völlig ungeschützt übernachten.
Ich marschierte strammen Schrittes und auch gefährlichere Passagen legte ich spielerisch zurück, wenn auch recht halsbrecherisch. Aber das Glück war mir hold und ich machte einiges an Strecke gut. Allerdings kam die Dunkelheit doch schneller als gedacht über die Täler und Bergkämme. Wenn ich in einem Tal wanderte, war es schon ziemlich düster zwischen den Tannen und all die Geräusche um mich herum trieben mich zur Eile an. Sobald ich einen Hügelkamm erklomm wurde es auch heller und auf einer kleinen Lichtung, sah ich jetzt schon sehr nahe die Ruine vor mir auf dem Berg thronen. Ich würde es rechtzeitig schaffen, dessen war ich mir jetzt sicher.
Als ich mich zum Anstieg des Gipfels machte, versank die Sonne hinter einer Hügelkette westlich von mir und das Licht war nicht mehr mal ausreichend um es eine leichte Abenddämmerung zu nennen. Ich hatte vorsichtshalber meine Taschenlampe schon griffbereit in die Jackentasche gesteckt. Ich überprüfte gerade die Lichteinstellungen als ich mich auf einem Wanderpfad direkt hinauf zur Burgruine wiederfand. Mit dem gleißend weißem Licht konnte ich alles sehr gut erkennen, doch schien mit der Lichtwurf doch etwas gewagt und nach meinem Erlebnis heute Morgen wollte keinesfalls wieder von Wegelagerern entdeckt werden. Ich entschied mich für die rote Blende und war jetzt der Burg schon sehr nahe als ich sie sah. Es waren zwei Mädchen mit Wanderrucksäcken. Sie schlurften direkt im Torbogen der Ruine herum. Ihre Schultern hingen schlaff herab und ihre Köpfe waren angespannt zur Seite verdreht. Diese Invasion von Walkern hatte also doch auch das Umland erreicht. Wie verdammt sollte ich jetzt ins Innere der Ruine gelangen ohne unnötig krach zu machen. Mir hallte noch immer das Echo meines Wutausbruchs in den Ohren, da wollte ich nun nicht gerade herausfinden wie laut und weit man einen Schuss aus einem .45 Colt hören würde. "Du hast immer noch die Axt, Junge... Here is Jonny! hahahaahaha" Wie ich Shining geliebt hatte, aber bei der Vorstellung mit einer Axt auf die zarten Mädchenkörper einzuschlagen, bekam ich doch schlotternde Knie. Es würde sicherlich noch einen anderen Weg in die Burg geben. Ich erkundete also die Burgmauer und tatsächlich, wurde ich nach gar nicht allzu langer Zeit fündig. Die Mauer war an einer Stelle völlig zerstört und bot mir ausreichend Platz um auf den Innenhof zu gelangen. Ich entdeckte noch drei weitere Walker, die auf ihm, völlig orientierungslos herum taumelten. Scheinbar handelte es sich dabei um eine Familie und mich hätte es nicht verwundert, wenn die zwei Mädchen beim Eingang mit dazu gehörten. Aber ich wollte den Familienseegen keinesfalls stören und schlich mich zum Hauptturm in der Mitte des Burghofes. Komisch in meiner Erinnerung, waren eigentlich drei weitere intakte Türme in die Burgmauer eingeschlossen gewesen, sie formten mit der Mauer ein stabiles Dreieck , was besonders gut zu verteidigen war. " Tja vielleicht hast du dich ja doch verlaufen, mein Junge! Aber jetzt sieh zu, dass du in die Burg kommst und den Riegel fest verschließt. Die Dinger sehen zwar so aus, als ob sie fast einschlafen, doch glaub mir Junge, die Nacht ist ihre Tageszeit!"
Ich wollte erst gar nicht herausfinden warum die Nacht "Ihre Tageszeit" war und öffnete die große schwere Eichentür, die ins Innere des Turms führte. Wie ein Wunder ließ sich die Tür ganz leicht bewegen und quietschte auch kein Bisschen. Ich trat ein und hätte es eigentlich wissen müssen, wenn hier schon eine ganze Familie herum wanderte, dann musste hier auch noch irgendwo der Burgführer sein. Er stand dort in einer Ecke. Sein Kopf nickte fortwährend nach vorne und schlug immer leicht an die Steinwand an. Ok den Kerl musste ich wirklich ausschalten. Ich dachte kurz nach und beschloss zu aller erst die Tür wieder zu verriegeln, um sicher vor den anderen Walker da draußen zu sein. Beim Schließen der Tür war mir das Glück nicht mehr so hold, sie ließ sich erst kaum bewegen und ich fing an, an ihr zu zerren und mit einem Ruck löste sie sich plötzlich wobei sie unter lautem Gepolter ins Schloss fiel. Es war jetzt mehr als stockfinster hier drin und im Schein meiner Taschenlampe die ich immer noch auf den Burgführer gerichtet hatte, sah ich wie er seinen Hals verdrehte und mich seine leblosen Augen direkt anstarrten. Der Schein meiner Funzel reflektierte sich in ihnen und die absurde Körperhaltung ließ mich frösteln. Allerdings schien er mich nicht wahr zu nehmen. Er gab keinen Laut von sich und bewegte sich auch sonst nicht viel. Er stand einfach nur so da und lauschte, schnüffelte und war grässlich mit anzusehen. Seine Haut löste sich bereits von den Wagenknochen und überall zierten blutige Risse sein Gesicht. Ich beschloss diesem Grauen ein Ende zu setzen und holte den Colt raus. Um den Hahn zu spannen musste ich allerdings die andere Hand mit der Taschenlampe zu Hilfe nehmen. Ich hatte es vorher schon mit der Schusshand probiert, aber der Hahn stand unter zu viel Spannung und meine Hand war auch irgendwie zu klein für diese mächtige Wumme. Bei der Aktion ließ ich zu allem Überfluss die Taschenlampe fallen, ihr Schein fiel jetzt nicht mehr auf den Walker sondern auf die Wand daneben. Der Hahn klickte und im selben Moment huschte ein Schatten auf mich zu. Das Schmatzen und Stöhnen klang mir nah an meinen Ohren. "Jetzt hat er Dich Junge! Jetzt hat er Dich!" Nein hatte er noch nicht, ich ließ mich fallen oder war es eher die Wucht des Aufpralls, als der Walker mich umstieß? Und drückte ab, ich drückte nicht nur einmal ab, ich schoss dreimal. ...

Offline c4k3bomb

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #10 am: Montag, 04.Nov 2013 - 21:09 Uhr »
Wow echt gut :)
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Offline phantomaz

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sorry für das lange warten! but i am back!!!
« Antwort #11 am: Mittwoch, 01.Jan 2014 - 11:09 Uhr »
Auf diese Entfernung konnte ich ihn eigentlich gar nicht verfehlt haben. " Ja Junge, den hast du ordentlich durchsiebt." Der schwer auf mir ruhende Körper des Walkers bestätigte das. Ich entspannte mich und fing an wieder flacher zu atmen. Gerade wollte ich mich aufrappeln, als sich der leblose Körper wieder anfing zu bewegen. Ich schrie auf und rutschte noch näher an die Steinmauer heran. Wie ein Häufchen Elend hatte ich die Knie angezogen und war völlig geschockt. Wie konnte man drei Treffer solch eines Kalibers überleben? "Wer sagt denn, dass du ihn überhaupt so oft getroffen hast?" Aber ich hatte ja noch drei metallische Freunde in der Kammer, die die Aufgabe beenden würden. Aber ich wollte auf Nummer sicher gehen und dazu würde ich Licht brauchen. Ich sah den Schein der Taschenlampe an der Wand, folgte ihr zu ihrem Ursprung und war überrascht wie weit sie weg war. Und auf einmal war sie vollkommen weg. Was? Wie ist das möglich, ich sah doch noch das Licht. Bevor mir klar wurde wie das von statten gehen konnte, hörte ich ihn. Er kroch über den kalten Steinboden, kratzte mit seinen Nägel daran und seine Gürtelschnalle schabte darüber. Er ächzte und stöhnte und kroch immer näher zu mir. Ich wollte den Revolver heben und in seine Richtung zielen, doch ich zittere so am ganzen Körper, dass mir fast die Waffe aus den Händen glitt. Gerade als ich mir immer wieder innerlich gut zu sprach und ich fast bereit gewesen wäre für einen gezielten Schuss, gezielt mehr oder weniger, zumindest in die Richtung der Umrisse des Walkers, fing es draußen an der Tür an zu wummern und zu rütteln. Ich erschrak und schoss ausversehen. Die Kugel endete deutlich als Querschläger zu hören und zischte zweimal durch den Raum.
"Oh Fuck da drin ist jemand!", das war nicht die Stimme in meinem Kopf, sie kam von draußen. Dann hörte ich drei schnell auf einander folgende Schüsse, nicht laut sondern dunkel und irgendwie plastisch. "Du hältst diese Dinger auf und ich kümmer mich um die Tür, verstanden Sara? HEY! DU DA DRIN, WIR KOMMEN JETZT REIN! NICHT SCHIESSEN!" Ich war völlig verwirrt und die gesamte Situation kostete mich wertvolle Sekunden.
Der Walker hatte es geschafft noch näher an mich ran zu kriechen und packte einen Fuß von mir. Er riss so stark daran, dass er mich vom Hosenboden runter holte und mein Bein lang zog. Auch mein Oberkörper hielt dieser Kraft nicht stand und jetzt lag ich der Länge nach auf dem Boden. Bei der ganzen Aktion hatte ich mir den Kopf an der Mauer angeschlagen und ich merkte wie warmes Blut mir den Hinterkopf hinab rann. Ich legte meinen Arm auf den Oberkörper und zielte Bein abwärts. Nachdem ich abdrückte hörte ich wie das Projektil dumpf in den Körper einschlug. Dennoch hielt der eisige feste Griff an und zerrte mich weiter zu ihm hinan. "VERDAMMT NOCHMAL NICHT SCHIESSEN! WAS ZUM TEUFEL IST DENN DA DRIN LOS?!" Ich hörte wie sich ein mächtiger Mann mit vollem Gewicht in die Tür stemmte und den Riegel aus der alten, bröckligen Wand riss.
Einen Wimpernschlag später leuchtete mir eine helle Taschenlampe direkt ins Gesicht. Sie blendete mich und ich konnte nur einen Umriss von der Gestalt im Türrahmen wahrnehmen. Ich musste zu Tode verängstigt aussehen, wie ich da am Boden lag und mit dem Walker kämpfte. "Oh Shit man, pass auf!", ich hörte wie er seine Waffe entsicherte und wahrscheinlich anlegte, aber der Schein seiner Taschenlampe zeigte mir endlich was ich sehen wollte. Eine Fresse, vollkommen entstellt, ein Teil des Unterkiefers abgeschossen, der Hals völlig übersät mit Blut, da wo seine eine Schulter war, war jetzt ein großes Loch und sein Arm hing nur noch an kleinen weißen Riemen daran. Ich zögerte keinen Augenblick, denn die weit aufgerissenen Augen vollkommener Verrücktheit und ein Maul was in Begriff war seine verbleibenden Zähne in meine Wade zu bohren, gaben mir keinen Anlass dazu zu zögern. Ich drückte ab und sein Schädel wurde pulverisiert. Eine Matschwolke aus Blut, Gehirn und Schädelstückchen spritze gegen die Wand. "IIhhrrrr... eklig! Das machst du aber selber weg, wir wollten hier nämlich nicht im Schlachthaus übernachten!", die Stimme war dunkel und verraucht, aber gehörte eindeutig einer Frau.
Ich drehte meine Kopf zur Seite und sah nun beide im Inneren des Turmes stehen. Einen recht großen Mann, ca. 1,95 Meter und sehr kräftig gebaut und eine Amazone. Auch sie war nicht viel kleiner als der Mann und ihre Figur wurde durch ihre Kleidung sehr betont, sodass man selbst in dem wenigen Licht der Taschenlampen eine ziemlich genaue Vorstellung davon bekam was sie zu bieten hätte. Eine Kriegerin, kräftige, muskulöse Oberarme, eine ausgeprägte Oberweite, dazu eine schmale Taille und ein kräftiges Becken mit langen kräftigen  Beinen. Sie sah aus wie eine Aktionfigur und eigentlich hätte sie noch eine dicke Zigarre im Mund haben müssen, damit das Bild perfekt gewesen wäre. "Draußen is save, und wenn uns der Kleine nichts antut wird das wohl endlich mal ne entspannte Nacht werden. Mein Name ist im übrigen Sara. Willkommen bei den Überlebenden."
Nachdem eine kurze Vorstellungsrunde abgeschlossen war und wir uns gegenseitig davon überzeugt hatten uns nicht bei der erst besten Gelegenheit abzuschlachten, inspizierten wir gemeinsam den Turm. Lauter altes, wertloses Zeug und auch kaum Fenster. Nur ein paar Schießscharten, die uns Blick in die düstere Nacht gewährten. Dafür fanden wir auf der zweiten Ebene einen Kamin  mit ausreichend Holz für mehrere Monate. Nachdem wir das Eingangstor verriegelt hatten, machten wir es uns gemütlich. Sara und Cooper waren Elitesoldaten des Corps gewesen bevor sie desertierten. Nach dem  Fallout hatte das Militär von der Regierung den Auftrag erhalten, alle Überlebend  zu eliminieren, egal ob sie infiziert waren oder nicht. Jetzt waren sie selbst auf der Fluch vor der Miliz und den Söldnern die das Land "säubern" sollten. Tatsächlich hatten die beiden selbst kaum einen Menschen seitdem zu Gesicht bekommen und die Wenigen die sie gesehen hatten waren Plünderer oder feindliches Militär. Ich berichtet von dem Rettungsaufruf der SASZ Truppe, hielt mich aber vorerst bedeckt was den Virus oder die Mutation oder was auch immer es war, was die Menschen verwandelt hatte, anbelangte.
"Tja dieser Rettungsaufruf ist eine groß angelegte Falle, die der Säuberung dient. Mich wundert es, dass du überhaupt aus Cherno rausgekommen bist. Die Hügel sind voller Scharfschützen die Jagd auf alles machen was sich da noch bewegt. Allerdings kommen sie kaum wirklich gegen die Infizierten an. Es fehlt an Munition und Truppen. Selbst unser Helikopter haben es nicht geschafft, dem Einhalt zu gebieten. Sie sind übers ganze Land verstreut, ich hab sogar gehört manche sind abgestürzt oder gestohlen worden."  Was Cooper mir da erzählte beunruhigte mich zu tiefst und ich zweifelte dran überhaupt lebend aus der Gesichte rauszukommen. "Was verschlägt euch denn überhaupt in diese Gegend? Ihr müsst doch irgendeinen Plan verfolgen?".  "Wir wollen einfach nur überleben und diesen Typen Medic Madball finden. Über Funk haben wir gehört er habe ein Flüchtlingslager im Norden errichtet und schleuse täglich Überlebende ins Ausland. Die Regierung verleugnet den Fallout und die Infizierung, die ausländische Presse wird an den Flughäfen festgehalten und es dringen nur spärlich Informationen nach außen. Es muss irgendeinen Weg geben die Menschheit zu warnen, denn es verbreitet sich rasend schnell, auch nicht Infizierte sind nicht sicher und wenn das Virus die Grenze erreicht ist die Welt dem Untergang geweiht!" Sara hatte recht, man musste die Infektion aufhalten und es sollte meine Aufgabe werden einen Großteil zur Rettung beizusteuern. Wir redeten noch lange bis in die Nacht hinein, aßen frisch geschossenen Hirsch, den wir im Feuer brieten und Cooper teilte mit uns seinen letzten Whiskey. Es gab zwar eigentlich keinen Grund zum Feiern, aber einen Menschen zu treffen dem man vertrauen konnte schien ihm Grund genug zu sein. Meine Fluch aus Cherno beeindruckte die beiden und sie sahen in mir mehr als einen gewöhnlichen Überlebenden und im Grunde war ich auch viel mehr als das.


Ich erwachte mit einem dermaßen Druck auf der Blase, dass ich mich sofort auf den Weg nach unten machte. Ich hatte gestern bei meiner Ankunft eine Dixie Toilette auf dem Burghof gesehen, der ich einen Besuch abstatten wollte. Sara und Cooper traf ich unten im Burghof an, wo sie schon dabei waren die Leichen in einer Senke zu verscharren. Wir besprachen kurz den Plan des Tages, es sollte nach Berenzino gehen, im Hospital der Stadt sollten sich mehrere Flüchtlinge verschanzt haben und Medic Madball wollte diese befreien. Wir wollten uns seinem Trupp anschließen und selbst außer Landes flüchten. Aber es sollte bald alles ganz anderes kommen.

Offline phantomaz

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #12 am: Montag, 06.Jan 2014 - 10:45 Uhr »
"Du geh mal erst mal schiffen und wir clearen hier, Sara du gehst auf den Turm und checkst das Umland. Vielleicht finden wir ja hier irgendwo einen fahrbaren Untersatz." Noch immer recht verschlafen sinnierte ich auf dem Klo und dämmerte fast wieder ein. Als mich ein lauter Knall wieder in die Realität schickt. "Verdammt, wo kam das denn her? Sara bist du ok? SARA?!" hörte ich Cooper draußen schreien und ich lauschte voller Spannung einer Antwort. Sie blieb aus. Stattdessen hörte ich wie Cooper überstürzt den Turm hinauf eilte und immer wieder nach Sara rief. Ich war gerade fertig mir die Hosen anzuziehen und wollte eben die Tür öffnen als ich Schritte dicht neben der Toilette an mir vorbei eilen hörte. Ich lugte durch ein kleines Loch und sah noch eben den Rücken eines Manns im Turm verschwinden, er trug ein Jagdgewehr auf dem Rücken und der Kolben einer Maschinenpistole verschwand mit dem Mann im Inneren des Turms. Scheiße Cooper... Ich musste ihn warnen, ihn retten und mit Erschrecken stellte ich fest das ich meinen Colt wohl noch sicher bei meinen Schlafsachen gebunkert hatte. Ich öffnete die Tür und nachdem ich mich sicher war, dass kein anderer hier war, schlich in zum Turm und die Treppen hinauf. Ich hörte wie Cooper die Aussichtsplattform erreicht haben musste. "Sara? SARA NEIN! DIESE SCHWEINE!!!" Ich ging langsam und vorsichtig weiter und erreichte unser Nachtlager, griff meinen Colt und wühlte im Rucksack nach der Munition, natürlich hatte ich gestern vergessen nachzuladen. Verdammt wo war die Munition? Ich hatte keine Zeit mehr, der Typ würde gleich auf Cooper... Schüsse! Es war die Pistole von Sara, die trocken von da oben zu mir nach unten drang. "Gibs auf! Du kannst da oben nicht fliehn, ich will auch nur deine Sachen und die bekomm ich so oder so... Also komm runter und lass uns reden!" Das musste der Typ gewesen sein der jetzt Cooper in Schach hielt und er hatte recht. Es gab keine Möglichkeit für Cooper zu fliehen oder dieses Feuergefecht für ihn zu entscheiden. "Ich komm jetzt rauf! Und dann hol ich mir dein Zeug, verstanden?! Wirf die Waffe runter!" Wieder Schüsse aus der Pistole, die Querschläger flogen durch die oberste Etage des Turmes und hallten bis hier unten nach. Dann das Knattern der Maschinenpistole! "HAST DU DAS GEHÖRT?! DU BIST ERLEDIGT! ICH HAB DEN GANZEN TAG ZEIT UND AUCH AUSREICHEND MUNI FÜS SOLCHE SPIELCHEN...!" Wieder schoss er eine Salve nach oben und ich suchte hier verzweifelt nach Munition. Ich blickte mich um und sah eine Pumpgun neben der Schlafstelle von Sara liegen, ich prüfte die Kammer, sie war vollgeladen.  Die Waffe im Anschlag stieg ich die Treppen hinauf, zuerst sah ich nur die Schuhe des Typen, er musste einen Treppenabsatz vor der Plattform Stellung bezogen haben und es gäbe keine Möglichkeit für Cooper hin zu überraschen, er würde ihn vorher sehen und ihn eiskalt abknallen. Ich drückte mich eng an die Wand und schlich weiter hinauf.  Und dann sah ich ihn, er lehnte an der Wand und hielt eine AK in der linken Hand. In der anderen hielt er eine Dose. Ein Bügel sprang von ihr ab und es kamen Funken aus ihr heraus gesprüht, dann schoss dichter weißer Rauch aus ihr. Er warf sie nach oben und entsicherte die AK. Dann setzte er zum Sturmangriff an und lief die Treppen empor. Zwei Schüsse fielen als er den Treppenabsatz hinauf rannte, danach hörte ich es mehrfach klicken...

"Kein Zeit mehr Junge, der Typ wird ihn gleich durchlöchern wie nen Schweizerkäse. Du musst dich beeilen!" Tatsächlich rannte ich schon während die Stimme des Dinerbesitzers mich zur Eile antrieb,  die Treppen hinauf. Halt durch Cooper ich bin gleich da... Eine Salve aus der AK knatterte dicht über mir und ich hörte Cooper stöhnen. Ich erreichte die Plattform und sah nichts als weißen Rauch. Ein Schatten, den ich mehr erahnte, als wirklich sah, stand da. Der Typ zielte mit der AK auf Cooper, dessen war ich mir sicher. "Ich hab dir doch gesagt, ich bekomm deine Sachen, so oder so... " Er legte gerade an und BÄM! Das Schrot der Pumpgun riss ein riesiges Loch in seinen Rücken, er drehte sich auf den Absätzen um und schoss dabei in die Luft. Ich ging auf den Typen zu und durch den sich lichtenden Rauch blickte mich ein entsetztes Gesicht an, eines, welches ich nur zu gut kannte. Es war das Narbengesicht aus Cherno, was mich selbst fast mein Leben gekostet hätte. Anscheint hatte er seinen Partner auf dem Gewissen, denn das Jagdgewehr hatte schließlich gestern noch in den Händen eines anderen auf mich geschossen. Ich schoss noch einmal und beförderte diesen Drecksack aus dieser unwirklichen Welt. Es verwunderte mich, mit welcher Selbstverständlichkeit ich diesen Typen erschoss, es bereitete mir weder Probleme, noch verschwendete ich einen Augenblick des Zögerns an daran. Die zweite Ladung Schrot, holte ihn von den Beinen und ließ ihn hart auf den Boden aufschlagen. "Cooper!" Ich kniete mich nieder und sah was der Typ ihm angetan hatte. Sein linkes Bein, war durchsiebt worden und er blutet sehr stark. Ich zog meinen Gürtel aus den Laschen und schnürte so fest ich konnte sein Bein ab. "Die Arterie, hat er die Arterie erwischt? Du musst.... " Dann umgab Cooper dunkle Nacht und er wurde ohnmächtig.


Ich riss sein Hosenbein auf und versuchte Herr der Lage zu werden. Immer wieder wischte ich die Massen an Blut weg, um einen Blick auf die Eintrittsstellen zu bekommen. Insgesamt hatten drei Kugeln die Außenseite seines linken Beines durchschlagen und eine weitere den Innenschenkel gestreiften.  Ich zog mein Hemd aus und riss es in drei etwa gleich große Teile und wickelte sie um die Wunden. Als ich den ersten Streifen festzurren wollte, erwachte Cooper unter starken Schmerzen und verzog das Gesicht zu einer entstellenden Grimasse. Er richtete sich auf und schaute mich direkt an. Seine große starke Hand packte mich am Nacken und zog mich zu ihm hinunter. "Ich schulde dir was Kleiner, aber jetzt musst du etwas für mich tun was dir nicht gefallen wird. Du musst die Schusswunden veröden, nimm etwas Schießpulver aus den Patronen und streu sie in die Wunden. Dann entzündest du alles. Aber beeil dich... sonst werd ich wohl nie wieder laufen können, glaube ich. Nimm keine Rucksicht auf mich, du musst es einfach tun!" er flehte mich nicht an, er gab mir viel mehr einen Befehl den ich zu befolgen hatte. Ich hatte ja keine Ahnung, aber ich wollte auch nicht das er stirbt oder nie mehr laufen könnte. Das Schießpulver aus den Patronen zu bekommen war schwerer als gedacht, und ich verschwendete eine Menge Zeit, Zeit die Cooper nicht hatte. Ich dachte Cooper wäre wieder ohnmächtig geworden, aber als ich die erste Briese in die offene Wunde streute, schoss er nach oben und langte mit voller Kraft und geschlossener Faust zu. Er traf mich hart unterm linken Auge. Ein dumpfer Schmerz breitet sich über mein gesamtes Gesicht aus und fing wie wild an zu pochen. Mir wurde schwindlig und ich hätte um ein Haar selbst das Bewusstsein verloren. Als ich mich langsam wieder fing,  sah ich das Cooper wieder bewusstlos geworden war und jetzt ganz ruhig und langsam atmend am Boden lag. "Gut so, bleib bloß still liegen du großer Bursche." Bei den nächsten beiden Löchern, zuckte nicht einmal der Körper zusammen, als ich sie mit dem Pulver füllte. Jetzt wo ich damit fertig war, fiel mir auf das ich ja gar kein Feuerzeug hatte, meine Streichhölzer lagen neben meinem Rucksack, die hatte ich vorhin achtlos rausgeschmissen, auf meiner Suche nach der Munition für den Colt. Ich tastet Coopers Taschen ab und wurde fündig, ein kleines silbern glänzendes Zippo dürfte hervorragend geeignet sein. Ich brauchte noch etwas zum löschen, bzw. etwas womit ich den Brandherd abdecken könnte. Ich knöpfte ihm kurzerhand den Parker auf und musste einiges an Kraft aufbringen um den großen Kerl die Jacke auszuziehen. "OK Kleiner es geht los, ich hab sowas schon mal gesehn. Du MUSST SOFORT LÖSCHEN! Also beeil dich lieber dabei und Vorsicht Schießpulver hat es echt in sich!" Damit hatte er verdammt recht, denn als ich die Flamme des Zippos entzündete und an das oberste Loch hielt explodierte die Wunde förmlich. Aber dessen nicht genug Schaden angerichtet entzündeten sich auch gleich die andern beiden Wunden. Unter regelrechter Panik schlug ich wie besessen mit der Jacke auf die Wunden ein. Mir wurde erst klar, dass ich sie wohl lieber hätte abdecken sollen, als es bereits aufgehörte zu brennen. Aber im großen und ganzen waren alle drei Löcher gut verschlossen. In der Luft hielt sich allerdings der Schmauchgeruch gemischt mit gegrilltem Fleisch. Bei den hinteren Austrittslöchern sollte wohl besser überlegter rangehen. Ich wuchtet Cooper auf den Bauch und riss ihm das restliche Hosenbein nun gänzlich ab. Damit konnte ich auch gleich die Wunden vom Gröbsten reinigen. Die drei Schüsse waren wirklich komplett durchgeschlagen, was eigentlich ganz gut war. Zumindest glaubte ich das. Ich streute weniger Schießpulver in die Wunde und brannte sie einer nach der anderen aus. Der Geruch war abscheulich, und wieder drang mir der Geruch aus gebratenem, verkohkeltem Fleisch und Silvesterböllern. Aber es funktionierte, und das war die Hauptsache. Nachdem alle Wunden versorgt waren, rannte ich nach unten zum Tor und verbarrikadierte  es mehrfach, sodass niemand, es ohne dabei gewaltig Lärm machen zu müssen, es aufbekam. Danach suchte ich mein Erstehilfeset raus und durchwühlte schnell die beiden großen Rucksäcke von Cooper und Sara. Sara, was war eigentlich mit ihr? War sie wirklich tot? Ich hatte in all meinen überstürzten Handlungen überhaupt keinen Gedanken an sie verschwendet. In ihrem Rucksack wurde ich fündig, sie hatte eine richtige Notfalltasche dabei, mit Desinfektionsmittel, Bandagen, Wundpflastern, mehreren kleinen Spritzen. Drei gegen Tetanus, zwei Mal Morphium und sogar eine mit einer Inschrift die ich nur allzu gut kannte, denn ich hatte sie selbst schon mehrfach verabreicht. Ok beeil dich, vielleicht besteht für Sara ja noch Hoffnung. Ich packte alles zusammen und raste nach oben. Als ich näher an Saras leblosen Körper herantrat beschlich mich schon ein eigenartiges Gefühl.

Offline phantomaz

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #13 am: Montag, 06.Jan 2014 - 10:45 Uhr »
Irgendwas stimmte hier nicht, vielleicht war es ihre Körperhaltung, vielleicht war es das große Loch was auf der Rückseite ihrer Jacke, die eine große zerfetzte Austrittswunde zeigte. Aber vor allem war es der Platz an dem sie lag. Hatte sie nicht nahe der Burgzinnen gelegen? Jetzt lag sie kaum mehr als 2 Meter von Cooper entfernt und ihr rechter Arm streckte sich zu ihm hin. Es war also noch nicht zu spät, sie lebte, sie hatte sich bewegt, sie wollte zu ihrem Partner. "Wirklich Junge? Schau dir das Loch da mal genauer an, wie soll jemand mit einem Loch von der Größe eines Tennisballs das überlebt haben?", die dunklen Auswürfe dieses Gestörten formten sich in meinem Kopf zu einem äußerst beunruhigend Gedanken. War sie eine von denen... "Sara? Sara, sagt doch was..." nichts, "SARA!" rief ich und mit einem mal verdrehte sich ihr Kopf und zwei milchige Augen schauten mich lustlos und äußerst angewidert an. "Fuck, Sara... ich ... ich wollte nicht, dass... " stammelte ich vor mich hin. "Scheiß drauf Junge, die Braut ist hinüber und wenn du nicht bald was unternimmst endest du auch noch so!" Ich taumelte rückwärts und trat mit der Hacke auf die Pumpgun, mein Blick fiel darauf und mir lief kalter Schweiß die Stirn runter. Ich kann das nicht tun, ich kann sie nicht umbringen. "Wen umbringen? Du hast gerade eben das Narbengesicht nach Walhalla geblasen, aber vor so einer Gedärme zerbeißenden Bestie bekommste Schiss? Oh man Junge, du bist doch schon so weit gekommen, jetzt beende diese Sache hier und jetzt oder ich tue es..." Geistesabwesend griff ich nach der Pumpgun und  hielt sie in einer Hand am Schlitten fest. "Jetzt wird abgerechnet!" die Stimme schien aus meinen Kopf nach außen gedrungen zu sein, aber es war dennoch nicht meine. "HALT! WAS TUST DU?!" Cooper war aus seiner Ohnmacht erwacht und schien die Szenerie nicht ganz zu begreifen. "Ich tue was getan werden muss, Kleiner. Du bleibst schön da unten." Mit diesen Worten glitt der Schlitten nach unten und eine leere Patrone wurde aus der Ladekammer geschleudert. Der Junge der da auf der Aussichtsplattform stand, hielt mit einer Hand die Pumpgun und zielte aus kaum 3 Metern Entfernung auf Saras Kopf, der Bruchteile von Sekunden später über den Steinboden verteilt wurde. Bei dem Anblick rollten sich Coopers Augen nach hinten, sodass man nur das Weiße der Augäpfel sehen konnte und so blieben sie auch erst mal stehen, bis die Ohnmacht seine Muskeln entspannen ließ und sich seine Lider schlossen. Ich konnte nicht glauben was ich getan hatte. "Du hast das nicht getan, Junge, das war ich und es ist gut das du es nicht tun musstest." in der Stimme klang ein wehmütiger Unterton mit und ich war mir sicher das auch dieser harte Kerle eine innere Grenze überwinden musste damit er dies tun konnte.
Ich aber wollte nicht tatenlos bleiben und zerrte Coopers schweren Körper, unter den Achseln gepackt, zurück ins Innere des Turms. Nachdem ich dort mit lauwarmen Wasser seine Wunden vom geronnen Blut und den Brandflecken an der Haut drum herum gereinigt hatte, machte ich mich nun dran seine Wunden richtig zu desinfizieren und zu verbinden. Die Oberseite seines Schenkels hatte ich entstellt. Zusätzlich zu den Eintrittswunden war die Haut rund herum verbrannt und es lösten sich die ersten Hautschichten ab. Ich beschloss alles unter einen großen Verband zu verschließen, den ich zusätzlich an den Rändern mit Panzerband festklebte. Die Ruckseite sah schon wesentlich professioneller aus. Alle drei Löcher waren sauber ausgebrannt und verschlossen. Ich legte kleinere Bandagen an und versiegelte sie auch. Der Streifschuss auf der Innenseite war nicht der Rede wert und wurde nur desinfiziert und mit einem normalen Pflaster  bedeckt.
Nachdem ich Cooper gebettet hatte, machte ich ein Feuer und briet mir die Reste des gestrigen Mahls. Auch wenn mir der Appetit beim Gedanken an Sara da oben auf der Plattform gründlich vergangen war, aß ich alles restlos auf. Mein Körper verschlag die große Portion, die locker für zwei gereicht hätte, und mir wurde klar, dass er in den letzten paar Tagen auf Reserve gelaufen sein musste.
Ich musste etwas wegen den zwei Leichen dort oben unternehmen, ich konnte sie nicht einfach da liegen lassen. Und wenn es tatsächlich stimmen sollte, dass die Walker sehr gut riechen konnten, würde die Sonne schon bald dafür sorgen das die Burg zu meiner letzten Bastion werden könnte. Ich ging hoch und nahm erst mal alle Waffen an mich, untersuchte die Taschen von Sara und dem Scheißkerl der für ihren Tod verantwortlich war. Die Ausbeute brachte mir ein militärisches Fernglas mit integriertem Entfernungsmesser, ein Jagdgewehr der Marke CZ 50 mit einer Handvoll Patronen die wohl einzeln eingelegt werden mussten, eine Pumpgun mit 5 verbleibenden Schuss, eine kleine Pistole mit Arretierungsvorrichtung für Laser oder Taschenlampe unterhalb der Mündung und die AK 47. Mit dem angebrochenem Magazin und zwei Ersatz Magazinen war das wohl meine tödlichste Waffe.  Allerdings wollte ich mit so einer Automatik erst gar nicht in näheren Kontakt kommen. Mich wunderte es das der Typ überhaupt keinen Rucksack oder gar Proviant für einen Tagesmarsch oder sonstiges bei sich hatte. Das konnte nur bedeuten, dass er irgendwo in der Nähe sein Lager oder zumindest ein Versteck für sein Zeug haben musste.
Doch bevor ich aus meiner sichern Festung kommen würde, würde ich mich vorbereiten und dieses Schlachthaus aufräumen müssen. Auch unser Nachtlager, sah mittlerweile aus wie ein Lazarett. Also fing ich an mit den Resten der zerrissenen Klamotten und Coopers Hose den Boden zu wischen. Eigentlich verschmierte ich nur das Blut von einer in die andere Ecke, aber das wollte ich mir lange nicht eingestehen. Was ich mir allerdings eingestehen musste, war die Tatsache das mir wirklich kalt wurde. Die Temperatur musste in den letzten Stunden extrem gefallen sein, da half auch der Kamin, indem nur noch eine kleine Flamme an den letzten Scheiten züngelte, recht wenig. Ich zog mir ein frisches T-Shirt an und auch den dicken Wollpulli, hängte mir den Rangefinder um und auch noch ein langes Kletterseil, was ich im Rucksack von Sara gefunden hatte, und machte mich wieder nach oben auf die Aussichtsplattform. Dort angekommen verscheuchte ich ein paar Krähen die sich bereits am Fleisch der Toten labten. Das Schaubild des Todes gehörte nun mehr zum alltäglichen Bild der Welt und der Anblick widerte mich nicht mehr so stark an wie am Anfang. War das der Anfang innerlich abzustumpfen, oder wurde ich nur härter?
Ich band zuerst Sara in eine Schlaufe des Seils ein und ließ sie behutsam an der Burgmauer hinab. Das Gewicht ihres Körpers zerrte an meinen Händen und immer, wenn ich das Seil weiter nach unten gleiten ließ, spürte ich wie es meine weichen Hände aufscheuerte. Ich war für eine so raue Welt einfach nicht geschaffen, aber ich hatte es zumindest bis hierher geschafft. Als Sara am Boden ankam,  fiel mir auf, dass ich ja das Seil unmöglich wieder nach oben bekommen würde, ohne selbst nach unten gehen zu müssen. "Wirf den anderen Penner einfach über die Burgzinnen. Ich wette das ist nicht das erste Mal das hier einer nen  Abgang macht." die Brutalität der Gedanken erschreckte mich zwar, aber Zweifels ohne war das eine wesentlich einfachere Variante. Ich schleifte das Narbengesicht an den Rand der Burgzinnen und überlegte. Der Körper würde sicherlich in mehrere Stücke gerissen werden, wenn er unten aufschlug. Ich schaute über die Brüstung und entdeckte ein paar kleine Tannen etwas nördlich von meinem Standpunkt. Sie sollten zumindest den Aufprall etwas abschwächen. Ich hob ihn hoch, der kleine drahtige Mann war um einiges Leichter als Sara, und dann stieß ich ihn hinab. Meine Augen verfolgten gebannt die Flugbahn des Körpers. Wie ein gefallener Engel, mit ausgebreiteten Armen, steuerte er direkt auf die Tannen zu, schlug in eine ein und brach und knickte viele Äste unter seinem Gewicht ab. Seine Beine verfingen sich in den dichteren unteren Ästen und so blieb er nun dort ca. 2 Meter über den Boden hängen. Naja auch egal, ich wollte ihn eh nicht bestatten. Ich wendete mich ab von diesem Bild und erblickte zum ersten mal in Ruhe das weite umliegende Land. Es erstreckten sich dichte Nadelwälder nach Norden und mehrere weite Felder die bereit für die Ernte waren im Osten. Auch konnte ich um mich herum viele kleinere Städte erkennen, zwei im Norden, eine im Osten und eine im Südwesten. Eine weitere befand sich ziemlich genau südlich von hier und in der Ferne sah ich die Türme einer großen Stadt, allerdings zweifelte ich daran, dass es Chernogorsk war, denn ihr Stadtbild war mir vertraut und die Stadt die ich erblickte sah ihr keineswegs ähnlich. Ich suchte noch etwas weiter die Umgebung mit dem Rangefinder ab, dieses Spielzeug war echtes Gold wert. Es wurde einem immer exakt die Entfernung zum angepeiltem Punkt angezeigt. Und so war der Bauernhof mit einem langen Stall, einer  Scheune und dem Gutshaus, der nur 783 Meter entfernt war ein klarer Bestimmungsort. Dort erspähte ich auch mehrere Fahrzeuge und einen Traktor. Perfekt, mit einem dieser Dinger würden wir sicherlich schneller nach Norden gelangen.
Die Sicht wurde allmählich schlechter, was daran lag, dass dicke schwarze Quellwolken aufzogen. Ich wusste zwar nicht viel über Wettervorhersage, aber ich wusste zumindest eines, es würde demnächst ordentlich knallen. Ich ging wieder hinunter und schürte das Feuer wieder zu voller Glut an, legte neue Scheite auf und holte die Umgebungskarten raus. Ich konnte nicht wirklich bestimmen wo ich war, aber mit Sicherheit konnte ich sagen, das ich nicht in der Ruine Zub war. Die umliegenden Dörfer und Städte passten einfach nicht dazu. Leider war der Kartenausschnitt einfach zu klein um näheres zu erfahren. Mal schauen, vielleicht hatten Sara und Cooper ja besser Karten. Doch auch hier Fehlanzeige. Ich fand nur ein GPS Gerät was leider keinen Saft mehr hatte. Aber den Plan, einen fahrbaren Untersatz zu beschaffen und Cooper einzuladen war doch immer hin ein Anfang. Ich würde früher oder später auf einen Wegweiser stoßen und Berenzino war ja jetzt kein Nest, sondern einer der größten Städte des Landes, es würde sicherlich ausgeschildert sein.

Offline phantomaz

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Re: Tagebuch eines Überlebenden
« Antwort #14 am: Montag, 06.Jan 2014 - 10:46 Uhr »
Cooper schlief noch immer, und während ich mir ein Abendessen aus Dosen warm machte, lauschte ich dem heraufziehenden Sturm. Der Wind hatte schon arg zugenommen und es blies eiskalt durch die Schießscharten ins Innere der Burg hinein. Ich packte Cooper in seinen Schlafsack und verkroch mich selbst in meinen. Er sah ziemlich blass aus und auch die dicken Schweißperlen auf seiner Stirn bereiteten mir Sorge. Hoffentlich hatte sich nicht eine der Wunden entzündet. Ich hatte von Wundbrand gehört und wusste nur zu gut, dass nur ein starkes Breitbandantibiotika helfen würde, damit keine Blutvergiftung entsteht. Mir schauderte vor den bevorstehenden Strapazen und zuversichtlich war ich auch nicht gerade zeitnah welches zu finden. War ich solchen Aufgaben überhaupt gewachsen? Und warum war das eigentlich alles passiert? Der Fallout konnte doch unmöglich unser Virus derart mutieren lassen. Auch schien mir eine Explosion in einem Kernkraftwerk äußerst fragwürdig. Ich grübelte noch lange vor mich hin und schaute immer wieder zwischendurch nach Coopers Befinden und seinen Wunden. Er war immer noch bewusstlos, oder schlief sehr tief, selbst das starke Unwetter ließ ihn nicht erwachen, mich dafür aber nicht einschlafen.
Aus Coopers Schlafecke vernahm ich ein zunehmendes Stöhnen. Cooper musste starke Schmerzen haben. Seine Körpertemperatur war deutlich gestiegen, das konnte man selbst ohne Thermometer feststellen. Die Menge an Schweiß die er von sich gab war beachtlich und seit er angefangen hatte vor Schmerz zu stöhnen war ich mir auch sicher er war nicht bewusstlos, sondern vielmehr im Fieberdelirium. Es war auch kein Wunder, die Wunden auf der Vorderseite des Oberschenkels hatten sich entzündet und eiterten zudem stark. Ich musste etwas unternehmen. Ich wechselte zuerst die Verbände und verabreichte ihm eine halbe Ampulle Morphium, was ihn erst mal ruhigstellte. Dann leerte ich meinen Rucksack und packte nur die Knicklichter, die letzte Magnesiumfackel, Taschenlampe, sowie das Werkzeug ein. Ich durchstöberte erneut die Wertsachen von Sara und Cooper und fand Ersatzmunition für die Pistole, eine G17 an die ich auch meine Taschenlampe stecken konnte und insgesamt 16 weitere Patronen für die Pumpgun. Ich würde Cooper hier wegbringen und in Berenzino die passenden Medikamente finden und bestimmt auch weitere Verbände. Aber zunächst galt es eines der Fahrzeuge zu ergattern. Ich schlüpfte durch einen Spalt im Tor und zog es von außen so dicht ich konnte wieder zu. Ich hatte mir den Weg relativ gut eingeprägt. Ich musste an der Burgmauer entlang, vorbei an den Leichen von Sara und auch dem von Narbengesicht. Ich könnte bei dieser Gelegenheit gleich das Seil mitnehmen. Draußen wütete kein Sturm mehr, vielmehr war es jetzt ein Orkan. Der eisige Wind peitschte mir um die Ohren und ich dankte erneut dem Fischer für seine Teerjacke. Dennoch war ich binnen Sekunden durchnässt, untenrum. Und jetzt lief mir das Wasser an den Hosenbeinen in die Stiefel hinab und erzeugte bei jedem Schritt ein Geräusch als ob man in einem Moor spazieren gehen würde. Ich fand Sara dort vor wo ich sie heruntergelassen hatte. Ihr lebloser, kopfloser Körper lag wie ein nasser Sack dort an der Burgwand gelehnt. Ich nahm ihr das Seil ab und hängte es mir quer über die Schulter.
Im Schein meiner Taschenlampe erkannte ich eine Gestalt die sich allen Anschein nach gerade durchs Dickicht vor mir zu kämpfen schien. Ich suchte mir eine kleine Deckung hinter einem Mauervorsprung und leuchtete direkt und mit dem gleißend hellem Licht auf den Typen im Gebüsch. Zu meiner Verwunderung war es das Narbengesicht das sich da aus seiner verzwickten Lage befreien wollte. Als ich ihn direkt ins Gesicht leuchtete hielt er inne und gab mir Gelegenheit seine Augen genau zu erkennen. Er hatte sich verwandelt, er war wie Sara zuvor, nach seinem Tod einer von denen geworden. Wie war das möglich? Wurden nicht alle direkt nach der Katastrophe im Kernkraftwerk infiziert? Hatte der Dinerinhaber nicht gesagt die Frau hatte sich nach einem Biss infiziert? Und Sara? Sie hatte sich nach ihrem Tod auch verwandelt, genau wie der Typ der gerade etwas hilflos im Geäst festhing. Ich ließ ihn hängen, einen Schuss wollte ich nicht riskieren. Obwohl ihn sicherlich niemand bei so starkem Gewitter gehört hätte. Ich suchte mir einen Abstieg der nicht völlig ausgespült vom Regen war und zu einer einzigen Rutschpartie geworden wäre. Mein Knöchel war noch immer angeschlagen  und sicheren Halt verspürte ich eigentlich nie so ganz. Nach einer kurzen, steilen Passage erreichte ich den dichten Wald indem auch der Regen nicht mehr ganz so stark war. Dennoch hatte ich die Befürchtung mich könnte gleich ein herabfallender Ast erschlagen, denn überall um mich herum krachte und knarrte es in den Ästen. Ich kam mir reichlich dämlich vor wie ich da so mit einer Knarre in der Hand durch den Wald huschte. Immer geduckt, immer auf eine Deckung aus, um bloß nicht gesehen zu werden. Ich musste jetzt der kleinen Farm sehr nahe sein und tatsächlich als ich mich zwischen zwei dichten Sträuchern hindurch zwang stand ich direkt vor einem Zaun und konnte auch den gesamten Hof überblicken. Er bestand aus drei Häusern. Einem großem weißen Steinhaus, einem länglichem Stall und einer einstöckigen Scheune. Zu meiner großen Verwunderung brannte Licht, und zwar nicht im Steinhaus, wo ich es vielleicht noch vermutet hätte, sondern in der Scheune. Es war ein stätiges Flackern mit einem gelb rotem Schein. Irgendwer hatte es sich dort drinnen gemütlich gemacht. Ich schlich mich im Schutze der Dunkelheit und des lauten Regens näher heran. Dennoch war ich bemüht den Kopf unten zu halten. Die Taschenlampe hatte ich längst abgeschaltet. Ich wollte nicht unnötig Aufmerksamkeit erregen. Bevor ich mir die Scheune genauer anschauen wollte, untersuchte ich die auf dem Gehöft stehenden Wagen. Zwei alte Ladas und ein ziemlich ramponierter Jeep, alle waren abgeschlossen, sahen aber zumindest von außen fahrtüchtig aus. Der Traktor stand an dem langen Gebäude, was als ich näher kam sehr nach Kuhstall roch. Dieser war nicht abgeschlossen und es steckten sogar die Schlüssel. Ich könnte niemals unbemerkt mit diesem Monstrum das Gehöft verlassen, wenn er auch nur halb so viel Krach macht wie ich annahm, dann würden sofort alle Mann aus der Scheune stürmen. Dabei wusste ich immer noch nicht wie viel eigentlich da drin waren.
Ich schlich mich dennoch erst zum Haupthaus und hatte Glück, auf der Rückseite war ein Fenster offengelassen worden, durch welches ich mich hin durchquetschte. Es roch wie bei meiner Großmutter auf dem Land. Irgendwie muffig, modrig feucht und nach Jahrzehnte langer Hausmannskost. Das Rote Licht meiner Taschenlampe erleuchtete die Räume ausreichend und ich hoffte es würde von draußen nicht gesehen werden. Wie ein Cop in einem schlechten amerikanischen Film arbeitete ich mich Raum für Raum durch das Haus, die Pistole immer im Anschlag. Ich durchsuchte die Räume nur flüchtig, weil sie eh nicht besonders viel hergaben. Die Küche nahm ich dann aber doch genauer in Augenschein. Ich schmiss unachtsam ein paar Gewürze, Pfeffer und Salz in den Rucksack und als ich eine kleine Tür eines Wandschrankes öffnete, würde mir ganz warm ums Herz.
Ich fühlte mich fast wie zu Weihnachten. Da standen sie, ca. 20 unterschiedliche Konservendosen. Angefangen von Baked Beans über Dosenravioli bis hin zu deftigen Eintöpfen und natürlich Chili con Carne. Ich packte insgesamt 10 Stück in den Rucksack und achtet dabei auf die kulinarische Vielfalt. Ansonsten war in dem Haus nicht viel zu holen, im Schlafzimmer fand ich noch eine alte doppelläufige Flinte auf dem Schrank und eine Kiste mit Schrotpatronen. Ich verglich das Kaliber mit den Patronen in der Pumpgun, sie stimmten überein nur auf diesen hier stand Pellets und nicht Slugs. Keine Ahnung was das bedeuten sollte, aber ich steckte sie dennoch ein.
Aus dem Schlafzimmerfenster hatte ich auch eine recht gute Sicht auf die Scheune. Die beiden großen Türen waren geschlossen und das spärliche Licht was aus dem Türen vom Heustober viel erhellte den Innenhof kaum und dennoch sah ich ihn. Ein Typ stand da breitbeinig am Wagen, er hatte ein Gewehr geschultert und sah aus als ob er… ja der Kerl pisste da gerade gemütlich an die Karre. Und ich sah noch etwas, man konnte es kaum sehen, eher erahnen. Auf der Wiese dahinter torkelte eine Gestalt auf den Innenhof zu. Ich nahm den Rangefinder an die Augen und stellte die Sicht scharf. Es war ein Walker, es war der Walker! Der Typ mit der Hackfresse musste sich aus dem Geäst befreit haben und mir bis hierher gefolgt sein. Oh man diese Viecher hatten echte Killerinstinkte. Ich bezweifelte, dass der Typ der da seelenruhig sein Geschäft verrichtetet ihn bemerkt hatte. Für einen Augenblick drehte er sich um und ich konnte ihn durch den Sucher ganz klar erkennen. Es war der Partner von dem Narbengesicht, welches auf mich in Cherno geschossen hatte. Der Typ hatte wohl doch nicht seinen Partner auf dem Gewissen. Die Frage war jetzt  vielmehr hatte der narbengesichtige Walker ihn schon auf dem Speiseplan? Falls nicht würde sich das bald ändern. Ich holte ein Knicklicht aus der Tasche und wartete bis es die volle Helligkeit erreicht hatte. Es glomm Giftgrün und erhellte den gesamten Raum, nur gut das der Kerl mit dem Rücken zu mir stand und der Walker noch ausreichend entfernt war. Ich öffnete ganz behutsam die Fenster und warf das Knicklicht soweit ich konnte in Richtung des Typen am Wagen. Es sah fast so aus als ob eine grüne Sternschnuppe über den Hof rauschte.