Autor: carla van carlos Thema: ...vergangenheit, Nein, noch nicht. - Der Wanderer  (Gelesen 295 mal)

Offline carla van carlos

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...vergangenheit, Nein, noch nicht. - Der Wanderer
« am: Dienstag, 01.Nov 2016 - 12:09 Uhr »

Ich wuchs in einem kleinen Dorf in Kasachstan auf.
Wir hatten nicht viel und so zog es mich schnell in eine Stadt, um besser zu leben.
In der Schule war ich nicht schlecht aber ich fand nur allgemeine organisationstechnische Job's.
Da ich gut organisieren konnte und sehr kleinlich und pingelig war.
Nach ein paar unsagbaren Bekanntschaften, lernte ich schliesslich einen wunderbaren, lieben Menschen kennen. Meine zukünftige Ehefrau.



Ich festigte meinen Beruf, ging regelmässig zur Arbeit und meine Frau kümmerte sich um unser kleines, altes Häuschen.
Wir waren zufrieden. Mussten zufrieden sein, mit dem was wir hatten und bekamen.
Wir lebten ein einfaches, unspektakuläres Leben.
Zu unserem friedlichen Leben, wünschten wir uns schliesslich ein Kind.
Wir bekamen eine Tochter und nannten sie Shimai.
Oh ja… Shimai…

Wenn ich heute so zurückblicke, muss ich zugeben, dass wir trotz allem, ich oft unzufrieden war, ein schönes Leben hatten. Einfach, bescheiden aber glücklich.

Bis es zu uns durchdrang, dass schon lange etwas nicht mehr stimmte, war es schon zu spät.
Wir wurden angehalten, nur noch wenn es unbedingt sein müsste, in die Stadt zu kommen. Es gab immer weniger Waren. Die Leute waren nervös und aggressiv. Jeder wollte das letzte noch für sich verbuchen.
In der Firma, gab es immer mehr Ausfälle. Immer mehr wurden krank geschrieben und erschienen nicht mehr zu Arbeit.

Als ich abends nach Hause kam, ich weiss nicht mehr welcher Tag es war. Ich weiss selbst das Datum nicht mehr. Alles andere, kann ich nicht vergessen...

Sonst kam mir meine Tochter immer entgegen und meine liebe Frau, wartete unter der Türschwelle.
Doch dieses Mal, blieb alles ruhig.
Zuerst viel es mir gar nicht auf. Erst im Haus erkannte ich, dass etwa nicht in Ordnung war.
Geschirr lag zerbrochen auf dem Boden. Trinken war verschüttet. Ich rief nach meiner Frau, nach meiner Tochter.
"Papa…"?
Aus einem der Zimmer, hörte ich den Ruf meiner Shimai. Sie lugte aus einem Holzschrank. Wir vielen uns in die Arme. Sie weinte bitterlich.



Jetzt hatte ich richtig Angst, was ich noch zu Gesicht bekommen sollte.
Ich fragte ganze Zeit meine Tochter was los sei, was passiert ist, wo Mami ist. Doch sie weinte nur und zitterte am ganzen Körper.
Dann sah ich meine liebe Frau oder das was von ihr noch übrig war. Ich vergas meine Tochter, liess sie langsam von meinen Armen runter und kroch zu meiner allerliebsten, wunderbaren Ehefrau.



Dass ich meiner Tochter hätte den Anblick ersparen sollen, an das dachte ich gar nicht. Ich sah nur diesen ausgeweideten Körper. Der über und über besudelt war mit Körperinnereien und alles voller Blut. Alles war herausgerissen. Als hätte man sie, einem Löwen zum Frass hingeschmissen. Doch selbst bei Löwen, sah ich nicht so einen schrecklich zugerichteten Fleischfetzen.

Ich weiss nicht wie lange ich so über ihr gebeugt war, bis ich zu mir kam und zu meiner armen, kleiner Shimai aufsah.

Ich weiss nicht mehr, was dann war.

Später stellte sich heraus, dass es ein Mensch gewesen sein muss und kein Tier.
Da sich solche Vorfälle häuften und man der Sache nicht grossartig nachgehen konnte. Es gab einfach zu viele dieser Tötungsdelikte.

Ich war froh, dass ich vor langer Zeit eine Waffe mir zugelegt hatte. Es war so'n kleines Nebenhobby von mir. Ich liebte Pistolen und Revolver. Konnte mir aber nur eine alte Waffe leisten und hegte und pflegte sie. Manchmal übte ich auch ein wenig, wenn es der Kauf von Patronen zuliess. Aber ich war nicht gerade gut, als Schütze.



Meine Liebste sah das gar nicht gern aber sie duldete es. Ich müsste nur penibel dafür sorgen, dass unsere Tochter nicht mit der Waffe in Berührung kam.

Ha! Ich habe mir eine Waffe zum Schutz zugelegt aber gebracht hatte es uns auch nichts. Na wenigstens jetzt. Der alte Revolver wird ab jetzt unser Schutz sein. Vor allem für meine Tochter.

Mit den Monaten fand meine Tochter wieder ins Leben zurück und könnte sogar manchmal wenn auch nur selten, mir ein Lächeln schenken, das war wunderschön und ich habe es auch erwidern können.

Das Leben hatte sich verändert. Ich ging nicht mehr zur Arbeit. Die Firma war geschlossen. Die Einkaufsläden waren auch zu. Alle und alles hatten sich verbarrikadiert. Es gab auch immer mehr Überfälle und Diebstähle.

Meine Arbeit bestand nun darin, uns Essen und Trinken zu besorgen. Ich hatte schon einen kleinen Vorrat, der für die nächsten Wochen reichen müsste.
Irgendwann müsste dieses Chaos ja bald vorbei sein.

Unsere Nachbarn waren fort. Die einen seien krank geworden, die anderen waren plötzlich verschwunden. Wir wurden immer weniger in unseren Strassen.

Ich machte mich auf in den hiesigen Waffenladen. Auch wenn es jetzt noch viel teurer war, so wollte ich doch noch etwas Munition für meine Waffe kaufen. Da ich mir doch schon Sorgen machte und noch immer keine Verbesserung in Sicht war. Selbst im TV und Radio kam nichts mehr.

Das erinnerte mich schon so an die alten Horror Filme.

Der Laden war kaum wiederzuerkennen. Er war komplett ausgeräumt. Als wäre eine Horde Verrückter hineingestürmt, um schnellstmöglich noch alles an sich zu reissen. Vermutlich war's wohl auch so.
Ich glaubte sogar Blut auf dem Boden zu sehen.

Wie sollte das nur weitergehen. Ich spielte meiner Kleinen immer den fröhlichen, unbesorgten Papa vor. Der zuversichtlich war und es doch alles wieder gut wird.

Wieder zu Hause überlegte ich mir, was wir in Zukunft tun sollten. Wies weiter geht. Ob wir vielleicht auch fortziehen sollten in eine grössere Stadt. Wie sollte ich das nur meiner kleinen klarmachen?

Doch meine Gedanken, wurden abrupt unterbrochen, untergraben.
Als ich ins kleine Wohnzimmer eintrat, sah ich die kleine Blutspur, die sich quer durch den Raum zog.
Oh mein Gott, NEIN!

Ich wollte es nicht war haben, ich wollte nicht weiterlaufen. Ich wollte nur noch für immer im Boden versinken.
Jeder Schritt den ich der feinen, dünnen Blutspur nachging, viel mir schwerer.

Da lag sie … meine kleine Shimai…
Meine Beine und Hände zitterten. Tränen liefen mir übers Gesicht.
Ich stammelte nur irgendwelche stumpfe Wortfetzen. Das einzige was ich selbst verstand, war Shimai, Shimai… Shimai …

Nackt lag sie vor mir. Die Beine weit gespreizt. Eine feine Blutspur lief zwischen Ihren Beinen heraus und ein grosses, schwarzverkrustetes Loch war in ihrer Stirn.

Dieses Mal, war es kein Zombie. Viel schlimmer. Ein Schwein, das unsere Vorräte genommen und sich an meiner Kleinen vergangen hat und sie dann einfach abknallte. Dieser Hund! Diese *Prostituierte*nsöhne!
Wer nur?



Nach einigen Tagen, als ich so langsam zu mir kam, nahm ich meine Waffe, hielt sie mir an den Kopf und drücke ab.
Wollte es beenden, wollte abdrücken. Für was das noch?
Für was?

Nein, ich habe noch EINE Aufgabe.
Meine Letzte.Der oder die, die meiner kleinen Shimai das angetan hatten, die…
Also liess ich meine Waffe sinken. Begann sie auseinander zu nehmen und zu reinigen. Langsam und genau. Danach schmierte ich jedes Teil leicht ein und setzte sie wieder sorgsam zusammen. Füllte die sechs Patronen in die Trommel und steckte sie in den eingefetteten Halfter.

Ich zog mir feste Kleidung an und gutes Schuhwerk.
Packte noch die restlichen drei Konserven in einen Sack und schloss hinter mir die Tür, dass einst unser Zuhause war.

Dann lies ich das Feuerzeug, dass mir meine geliebte Frau einst zum Geburtstag geschenkt hatte, mit offener Flamme auf den Boden fallen.



Das Benzin, dass ich verschüttet hatte, entzündete sofort.Eine Stunde stand ich vor dem Haus, dass in sich herunter brannte. Mit ihm, meine Vergangenheit, mein Leben, meine Zukunft.



Seit dem, hatte ich nichts mehr. Keinen Namen, keine Hoffnung, keine Freude.
Nur eins. Ein Ziel!
Ein Ziel. Eine, nur noch eine Aufgabe. Den oder die Mörder zu finden.

Seit dem, ziehe ich von Dorf zu Dorf. Stadt zu Stadt. Husche durch die Wälder, über Äcker und Ruinen.
Und jeden Toten, ob Mensch oder Zombie, sah ich mir genau an und jedem noch lebenden Menschen die ich mehr hasste als die Zombies, blickte ich auf den Hals.
Denn er trägt die Halskette meiner kleinen Shimai. Die war an diesem Tag verschwunden.

Das ist das einzige was mein Tun und Leben jetzt noch rechtfertigt.
Die Suche.
So bin ich selten lange an einem Ort. Erkunde, Frage und ziehe weiter.

Ich musste mit ansehen, wie viele noch Lebenden einfach überfallen, ausgeraubt und um alles gebracht wurden, selbst auch um ihr Leben.
Teils nur wegen einer Büchse Essen. So tief ist die Menschheit gesunken. So tief.

Also blieb es bei mir nicht nur bei alten, rostigen Büchsen und dreckigem Wasser, nein, ich musste auch zusehen, dass ich Patronen hatte und ich wollte auch noch ein Gewehr finden. Da ich allein mit dem Revolver mich nur gegen die Zombies wären konnte. Nicht aber gegen das schlimmste, die Menschen.

Auch ich wurde nicht verschont von gefährlichen Situationen.
Auch einige die mein Leben hätten kosten können. Doch der Wille, der Wille meine Tochter zu Rächen, gab mir immer wieder Kraft.

Selbst als man mich unter Metallplatten schmiss und eine Tonne mit Flüssigkeit über mich ergoss. Blieb ich am Leben.
Zwar nahm mir das, die Hälfte meines Gesichtes und meine Stimmbänder wurden fast zerstört, doch das, wird mich nicht hindern, weiter zu Suchen.



Und wenn ich meine Tochter gerecht habe, dann erst, dann würde ich das Festverzurrte Lederhalsband abnehmen und die sorgfältig befestigte Patrone abnehmen und diese für mich berufen.

Und ein letztes Mal, würde mein sehr alte Revolver mit den eingravierten ".357" weiter war es nicht mehr lesbar, seinen Dienst tun.

Meine kleine Shimai.
Meine liebste Ehefrau.