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Autor: Bastet Thema: Verlassen...  (Gelesen 6663 mal)

Offline Bastet

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Verlassen...
« am: Montag, 15.Okt 2012 - 21:02 Uhr »



Einsamkeit

Es ist sehr warm und ruhig. Seichte Winde fegen durch die Straßen und nur ganz leise prasselt der Nieselregen auf mein Dachfenster. So stelle ich mir die perfekte Herbstnacht vor. Mit einem Tee in der Hand, meinem Lieblingsfilm und hochgelegten Füßen lasse ich meinen harten Arbeitstag ausklingen. Es ist sehr lange her, dass ich mich so verausgabt habe, dass ich mich nicht mehr daran erinnern konnte, was ich noch erledigen musste. Nun, wenn es wirklich so wichtig war, dann würde ich es wohl noch wissen, außerdem ist es nun sowieso zu spät und davon mal ganz abgesehen werde ich langsam müde. Vielleicht sollte ich langsam ins Bett gehen, immerhin ist es schon nach 22 Uhr und ich muss um 6 wieder fit sein.
Ein lauter Knall ertönt und reißt mich aus dem Schlaf. Dann höre ich eine Frau rufen: "Beeilt euch! Wir haben nicht viel Zeit! Je früher wir hier weg sind, desto besser."
Gestört von einem immer wieder in den Raum blitzenden, gelben Licht stehe ich auf und gehe zum Fenster. Wollen meine Nachbarn in den Urlaub fahren?
"Los, los! Uns bleibt keine Zeit mehr!", ruft die Frau erneut.
Ich werfe mir meinen Wollmantel über und will gerade die Treppe runter gehen, als es plötzlich an der Tür klingelt.
"Bitte öffnen sie die Tür!", dringt eine dunkle, männliche Stimme durch. "Dies ist ein absoluter Notfall."
Ich laufe die Treppe hinunter zu meiner Tasche und suche meine Schlüssel.
"Es ist wirklich wichtig, dass sie kooperieren", ergänzt er und klingelt erneut.
"Ja, bitte einen Moment ich muss die Tür noch aufschließen"
Kaum habe ich den Schlüssel gefunden und die Türe geöffnet, sehe ich einen Soldaten mit schwerer Bewaffnung, der auf einen Bus deutet. Er schaut mich kurz an und beginnt mir etwas zu erzählen, doch ich höre ihm nicht zu. Ich bin gebannt von dem Szenario, dass sich hinter seinem Rücken abspielt. Die Menschen laufen wie verrückt durch das Dorf, die Türen stehen auf, Koffer werden verladen und Eltern tragen ihre Kinder zu den Autos und Bussen. Eine alte Frau mit Gehstock scheint nach Hilfe zu fragen, doch wird von Allen ignoriert. Ein Mann rennt an ihr vorbei und stößt gegen sie, woraufhin sie mit dem Gehstock wegrutscht und hinfällt. Ich drücke mich an dem Soldaten vorbei und laufe zu ihr.
"Hey! Haben sie mich verstanden?! Wenn sie nicht mit uns kooperieren, dann... wir haben sonst keine... ohne sie... weg...", ruft er mir noch hinterher, doch seine Stimme geht in dem Lärm der verängstigten Menschen und weinenden Kinder unter.
Ich helfe der alten Frau hoch und begleite sie zu ihrem Haus. Drinnen angekommen schließe ich die Tür und frage sie, was hier gerade passiert.
"Die Soldaten haben gesagt, dass alle Dörfer, die von Chernogorsk im Umkreis von 20 km liegen evakuiert werden müssen. Warum genau haben sie nicht gesagt. Der Notstand wurde ausgerufen. Man soll sich schnell das Wichtigste zusammensuchen und gehen, doch ich bin zu alt. Alleine schaffe ich das nicht. Meine Beine haben mich 68 Jahre getragen, bis meine Knie versagten. Ich bin zu langsam und nur eine Last", antwortet sie und setzt sich in ihren Sessel. "Ich möchte meinen Sohn gerne nochmal sehen, aber ich weiß nicht wo er ist. An sein Telefon geht er nicht."
Die alte Dame scheint wirklich verzweifelt zu sein, vielleicht sollte ich ihr helfen. Ich bitte sie zu warten und gehe vor die Tür. Es wird immer schlimmer, die Menschen hier immer hektischer, man kann schon fast von einer Massenpanik reden. Ich schaue mich um. Etwa 20 Meter links von mir steht ein Mann, mit dem Abzeichen eines Unteroffiziers. Er muss das Sagen haben hier, also ist er auch die Person, die Hilfe anordnet, wenn sie gebraucht wird.
Ich gehe zu ihm, lese sein Namensschild und frage: "Herr Unteroffizier Below, Sir. Darf ich sie um Hilfe bitten? Meine Oma und ich, wir schaffen es nicht in dem ganzen Getümmel. Sie ist zu alt und zu langsam." Er sieht mich an, nickt und winkt zwei Männer herbei.
"Jawohl Herr Unteroffizier Below?"
"Dies sind die Gefreiten Oleg Kusmin und Nikita Gussew. Sie werden ihnen helfen ihre Oma zum Bus zu bringen. Kusmin, Gussew, folgt der jungen Dame zu ihrem Haus und helft ihnen, egal um was es sich handelt."
"Jawohl", entgegnen beide im Einklang.

"Dankeschön. Ich hätte es wirklich nicht ohne Hilfe geschafft. Ich hoffe ich kann mich irgendwann dafür erkenntlich zeigen", lächelt mich Maria , die alte Frau, deren Namen ich nun nach der Hilfeaktion erfahren habe, an. Nachdem mir Nikita versichert hat, dass sie auch beim Umstieg vom Bus ins Flugzeug Hilfe von ihm erhält, kann ich ruhigen Gewissens meine Sachen packen gehen. Warum genau alles evakuiert werden soll konnte er mir jedoch nicht sagen und auch Unteroffizier Below wurde nicht unterrichtet.
Plötzlich ertönt eine laute Durchsage.
"Bus eins ist nun mit der maximalen Kapazität an Passagieren und Gepäck beladen. Wir haben einen weiteren Bus angefordert, müssen sie jedoch auf Grund der aktuellen Situation bitten, nach Möglichkeit mit eigenem Auto zum Nord-West Militärlandeplatz zu fahren. Die Route ist bereits ausgeschildert.   
Ich wiederhole.
Bus eins ist voll, bitte fahren sie nach Möglichkeit mit eigenem Auto zum Nord-West Militärlandeplatz. Die Route ist ausgeschildert.
"
Ich schaue aus dem Fenster und sehe wie der Bus langsam vom Feld auf die Straße rollt. Ich hatte sowieso nicht vor mit dem Bus zu fahren, also kann es mir egal sein. Ich suche mir ein paar Dinge zusammen. Etwas zu essen und zu trinken, meine Ausweise und ein paar Ersatzklamotten. Man weiß ja nie, was einen erwartet, vor allem dann nicht, wenn plötzlich das Militär vor der Türe steht.
Ein wenig Angst macht mir diese ganze Situation allerdings schon, ich sollte mich beeilen und meine Tasche ins Auto bringen. Ich greife mir die Schlüssel, gehe aus der Tür und schließe diese ab und lege meine Tasche ins Auto.
"Ach Mist, mein Handy!", grummle ich und will erneut in die Wohnung gehen, doch plötzlich werde ich bewusstlos.

Geblendet von dem Licht der untergehenden Sonne, die durch einen kleinen Spalt in meinem Holzunterstand scheint, öffne ich meine Augen. Was ist passiert? Warum liege ich hier? Ich spüre einen drückenden, starken Schmerz an meinem Hinterkopf und habe Kopfschmerzen. Wo sind die anderen alle? Ich stehe auf und schaue mich um. Mein Dorf ist menschenleer. Niemand ist mehr da, nur noch ich. Mit einem starken Schwindelgefühl und leicht wackeligem Gang gehe ich zur Haustür, och sie lässt sich nicht öffnen. Ich werfe einen Blick nach rechts auf den leeren Stellplatz meines Autos und plötzlich wird mir alles klar.
"Scheiße!", rufe ich und trete gegen meine Tür, doch ich habe zu wenig Kraft. Plötzlich höre ich etwas. Es klingt fast so, als würde jemand in meinen Mülltonnen rumwühlen. Von dem Gedanken begleitet wandere ich um mein Haus herum. Ich werfe einen Blick um die Ecke meiner Hauswand und tatsächlich steht dort ein junger Mann, der in meinen Mülltonnen rumkramt.
"Hey, ehm. Weißt du, ob es noch eine Möglichkeit gibt zum Nord-West Militärlandeplatz zu kommen?", frage ich und warte auf eine Antwort, doch alles was ich von ihm bekomme ist ein leerer Blick und ein knurren.
"Okay, wenn du nicht reden willst, dann musst du auch nicht. Dann suche ich mir was anderes", sage ich zu ihm und gehe langsam weg, doch er hält mich im Blick. Kurz darauf lässt er von der Mülltonne ab und geht mir hinterher. Ich bekomme Angst und beginne mich unwohl zu fühlen. Mein Herz schlägt schneller und wie ich bei einem Blick nach hinten bemerke ist es nicht nur mein Herz das auf einmal schneller ist, sondern auch der Gang des jungen Mannes. Er hat Dreck im Gesicht um Schaum vor dem Mund. Diese Anzeichen kommen mir bekannt vor. Ich beginne zu rennen und versuche ihn abzuschütteln. Ich werfe mich hinter einem Baum in eine kleine Hecke und beginne zu warten.

Ich sitze noch nicht lange hier, doch es ist bereits dunkel geworden. Hier bei uns dauert es in der Herbstzeit nicht lange, vielleicht eine halbe Stunde, bis es dunkel ist. Ich spüre meinen Herzschlag, habe Durst und Hunger überkommt mich ebenso. Bin ich allein? Ich mache mich auf den Weg zur stillgelegten Landebahn, die sich nicht sehr weit von meinem Dorf entfernt befindet. Der Weg ist nicht weit, aber schwerfällig, denn ich bin ständig von der Angst umgeben, mir begegnet erneut ein solch komischer Mensch.
Die Bäume rascheln und die Gräser wehen im Wind. Meine Kopfschmerzen werden langsam stärker, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich dehydriert bin. Ich gehe auf die große freie Fläche vor der Landebahn und schaue mich um. In dem kleinen Dorf, das sich an deren Fuße befindet laufen auch noch Menschen herum. Zumindest meine ich die Umrisse dreier Menschen zu sehen. Ich habe ein ungutes Gefühl bei der Sache.
Ich öffne die Tür des Luftraumkontrollturms und gehe die Treppen hoch. Das Schicksal meinte es wohl gut mit mir, als es mir eine Flasche Wasser vor die Füße legte. Eine Tablette wäre nicht schlecht, doch ich glaube die werde ich hier nicht finden. Es kommen noch täglich Menschen hier her, die den Luftraum überwachen. Eigentlich komisch, wenn man bedenkt, dass hier in der Gegend und vor allem hier unten in der Nähe des Landeplatzes schon sehr lange nichts mehr passiert ist. Ich durchkrame die Schubladen der Schreibtische und finde dort eine kleine Handfeuerwaffe und ein Messer. Viele Zettel, Büroartikel und vor allem ein Haufen Brotkrümel liegen auch darin herum.
"Aaaah…", stöhne ich und fasse mir an den Kopf. Der Schmerz wird immer schlimmer, fast schon erdrückend. Ich merke, wie mein Puls steigt und meine Hände anfangen zu zittern. Etwas Ruhe und vielleicht auch ein wenig Schlaf wären jetzt gut. Danach kann das alles schon wieder ganz anders aussehen. Ich nehme die kleine Decke, die über dem Stuhl hängt und lege mich neben dem Schreibtisch auf den Boden.
« Letzte Änderung: Donnerstag, 02.Jan 2014 - 00:53 Uhr von Bastet »

Offline Bastet

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Re: Verlassen...
« Antwort #1 am: Donnerstag, 18.Okt 2012 - 04:44 Uhr »


Unerwartete Begegnung

Erwacht aus einem sehr unruhigen Schlaf mache ich mich in der Morgendämmerung auf den Weg in die nächste große Stadt. Chernogorsk wird bestimmt mehr zu bieten haben, immerhin haben sie dort sogar einen Supermarkt und ein Büro und wenn ich Glück habe, werde ich in der Kirche für eine geraume Zeit Unterschlupf finden. Ich trete hinaus auf den Flugplatz. Weit und breit ist keine Menschenseele, die Wege sind geschmückt mit Blut, toten Tieren und Einsamkeit. Trauer macht sich in mir breit, während ich langsam den Flugplatz entlanggehe. Die blutrote Sonne streckt sich auch nur mühselig über den Horizont und seichte Winde mit Geruch der Leere und der Toten wehen durch mein Gesicht. Langsam schreite ich voran, bis plötzlich das Geräusch von Fliegen wahrzunehmen ist. Ich strecke meinen Kopf hinter einer Mauer hervor und was ich dort erblicke, verstimmt meinen Magen ungemein. Ich ziehe langsam zurück und merke, wie eine Träne meine Wange hinuntergleitet. Die Untoten bedienen sich des toten Körpers und fressen weiter, schmatzend, sabbernd und keifend ohne ihre Umgebung wahrzunehmen. Ich werde wohl durch den Wald gehen müssen, dort wird die Chance, dass mich das gleiche Schicksal erleidet wohl nicht so groß sein.

10 Minuten Fußmarsch liegen bereits hinter mir, als ich plötzlich Schritte höre. Ich verstecke mich hinter einem Baum und versuche zu erblicken, was sich um mich herum bewegt. Plötzlich sehe ich einen Menschen, vom Glauben verlassen, dass es überhaupt noch eine lebende Seele auf diesem Planeten gibt. Er trägt einen Tarnanzug und hebt sich nicht vom Waldboden ab. Ich bleibe liegen und verfolge seine Bewegungen. Er scheint mich noch nicht wahrgenommen zu haben, bis plötzlich vor meine Nase auch einer dieser Anzüge geschmissen wird. Ich blicke hinter mich und sehe einen 2. Menschen, welcher ebenfalls einen dieser Anzüge trägt.
"Nimm ihn, er wird dir helfen.", sagt er während er seine Waffe wieder in Anschlag nimmt und die Umgebung sichert. Ich ziehe den Anzug an. Kann man diesen Menschen vertrauen? Ich bin mir nicht sicher, ob das alles nicht einfach nur Schein ist.
"Wo musst du hin?", fragt mich der andere, welcher sich nun auch zu uns begeben hat.
"Nach Chernogorsk", entgegne ich. Sie gehen los und mein Blick verfolgt sie. Einer der beiden dreht sich um und winkt mich herüber.
"Hab keine Angst, bei uns bist du auf jeden Fall in guten Händen.", sagt er und geht weiter seines Weges. Ich glaube ich schließe mich ihnen wirklich an, denn in dieser Welt sollte man nicht alleine unterwegs sein.
« Letzte Änderung: Freitag, 05.Apr 2013 - 11:16 Uhr von Bastet »

Offline AndroidPron

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Re: Verlassen...
« Antwort #2 am: Donnerstag, 18.Okt 2012 - 14:42 Uhr »
Liest sich super, erinnert mich daran, dass ich dringend mein Tagebuch weiterschreiben muss  ^-^

Offline Bastet

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Re: Verlassen...
« Antwort #3 am: Sonntag, 10.Feb 2013 - 04:20 Uhr »

Erste Verluste

Auf unserem Weg nach Chernogorsk haben wir nicht viele Worte verloren. Ich wusste nicht, was ich sagen soll ohne den beiden netten Männern ein falsches Bild von mir zu geben. Mein Magen grummelt wieder.
"Hast du Hunger?" fragte mich einer von ihnen.
"Naja, eigentlich... ja schon.", sagte ich. Ohne ein weiteres Wort zu sagen begab sich der eine von ihnen hin zu einer Tanne und hackte sich einige der Äste vom Baum, während der andere eine kleine Feuerstelle herrichtete.
"Wie heißt du eigentlich?",fragte mich wieder einer.
"Julia, aber die meisten nennen mich Jules. Und..." ich machte eine kleine Pause: "Wie heißt ihr beiden?"
"Mein Name ist Marco und das dort drüben ist James. Hab keine Angst, wir tun dir wirklich nichts. Wir sind nicht von der Sorte Menschen, die andere ausbeuten und glaube mir, in dieser Welt allein' zu sein und das als FRAU, nun ja, ist nie eine gute Idee. Und glaube mir auch, wenn ich dir sage, dass ein Überfall alleine nicht das schlimmste ist, was dir hier passieren kann." Die zwei scheinen Ahnung zu haben, was hier vor sich geht, fast so, als hätten sie sich ihr Leben lang schon auf eine derartige Situation vorbereitet. Marco reicht mir ein Stück rohes Fleisch. Ich weiß im ersten Moment nicht genau, was ich nun tun soll, doch bevor ich etwas sagen kann, hält mir James eine Art Spieß, geschnitzt aus einem Ast vor mein Gesicht. Nur wenige Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch den dicht bewachsenen Wald und werfen ihr Licht auf unsere Feuerstelle. Ich muss immer wieder daran denken, was Marco zu mir sagte. Ein Überfall alleine sei nicht das schlimmste, was einem passieren kann. Ich möchte mir dieses Bild der Welt, die einst so wunderschön war, nicht durch meinen Kopf gehen lassen. Doch wie man immer wieder liest, sieht und hört, machen ungewöhnliche Situationen auch normale Menschen zu Barbaren.

Wir sitzen stillschweigend am Feuer. Die Stimmung ist gedrückt und jeder von uns scheint eine schwere Last mit sich zu tragen.
Nun, wie habt ihr diese ganze Situation überhaupt erfahren?“ frage ich, doch auf diese Frage folgt keine Antwort. Die Grillen zirpen und die wenig überbliebenen Vögel zwitschern, bis plötzlich ein knackendes Geräusch aus dem Wald hinter mir kommt. Marco löscht das Feuer und winkt mich zu sich herüber, während James langsam nach vorne schleicht. Die Waffe im Anschlag und kein Geräusch von sich gebend verschwindet er in einem Busch. Plötzlich fällt ein Schuss. Stille. Marco gibt mir ein Zeichen, dass ich mir die Sachen nehmen und mich verstecken soll und auch er verschwindet in dem selben Busch wie James zuvor. Ich warte einige Sekunden bis er zurück kommt.
Wir müssen weg!“ flüstert er mir zu und packt mich am Arm. Der erhaschte Blick auf sein Gesicht, in welchem sich Trauer und Frust breit machen, bringt mich den Tränen nahe. Zitternd und traurig werfe ich einen Blick nach hinten, denn ich weiß, dass James nie wieder zu uns zurück kommen wird.

-So Tag 4 folgt dann in den nächsten Tagen, wollte nur schonmal Lesestoff bieten-
« Letzte Änderung: Dienstag, 12.Mär 2013 - 12:11 Uhr von Bastet »

Offline Bastet

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Re: Verlassen...
« Antwort #4 am: Montag, 11.Feb 2013 - 03:44 Uhr »

Schwere Last

Wir sind bereits kurz vor Chernogorsk und selbst hier, ist nichts mehr so wie es war. Die Straßen sind leergefegt, zerstörte Autos stehen auf der Straße und die Spuren der Verwüstung machen sich selbst in jedem kleinsten Fleck dieser Stadt breit. Die Ratten durchkämmen den Müll nach Futter und beschließend letztlich sich von den toten Körpern die verstreut auf der Straße liegen zu ernähren, zu ihrem eigenen Pech. Wenn man bedenkt, dass Ratten organisch den Menschen sehr gleich sind, kann man sich vorstellen, was mit ihnen passiert. Die einen sterben an Vergiftungen, die anderen gehen aufeinander los und zerfleischen sich gegenseitig auf bestialische Art und Weise. So auch die Untoten, welche orientierungslos durch die Straßen kämmen. Wie lange mag ein solches Ungeheuer wohl überleben ohne zu essen? Diese Frage mag sich einfach beantworten, wahrscheinlich ewig. Wenn es normalerweise nicht einmal möglich ist ohne ein funktionierendes Gehirn zu leben, dann wird es für diese Figuren wohl auch nicht unmöglich sein ohne Nahrung, Wasser und andere nahrhafte Dinge über die Runden zu kommen. Mein Blick ist starr auf die Stadt gerichtet und ein Wind fegt an mir vorbei.
"Kommst du?", riss mich Marco aus meiner Tagträumerei.
"Ehm, ja... entschuldige... ich.."
"Ich weiß, wie du dich fühlst", unterbrach er mich und streckte mir seine Hand entgegen. Wir gehen langsam die weite Wiese herunter, bewachsen mit hohem Gras und einigen Blumen, vorbei an leerstehenden Häusern. Eigentlich ist diese Welt gar nicht so schlecht, die Natur breitet sich in vollen Zügen aus, so wie man sie nie zuvor gesehen hat. Sie scheint befreit und leicht zu leben, als hätte sie dies nie zuvor getan. Im Endeffekt sind diese Kreaturen besser als wir, wir Menschen. Die angeblich intelligentesten Lebewesen. Doch wir zerstören uns gegenseitig, nicht umsonst ist alles so gekommen, wie es jetzt ist. Wir haben versucht alles an uns zu reißen, die Welt -besser- zu machen, Dinge zu erfinden die das Leben erleichtern. Doch wenn man dieses ganze Szenario beobachtet merkt man etwas. Sie fressen sich nicht gegenseitig, lassen sich in Ruhe, geben allem irgendwie die Chance sich neu zu entfalten. Nie war der Wind in den Wäldern und auf den Wiesen so frisch und rein, nie war das Wasser so klar, nie waren die Städte so ruhig. Wir gehen weiter auf die Stadt zu und werden vorsichtiger, leiser.
"Dort unten können wir nach Essen suchen und vielleicht finden wir in den Appartements irgendwas brauchbares", sagte er zu mir, "Du wartest hier, ich gehe vor. Pass auf, dass dir nichts passiert. Ich will nicht noch Jemanden verlieren." Ich setze mich hinter einen Baum und beobachte jeden seiner Schritte. Wie er sich bewegt und die Umgebung absichert. Ich glaube, ich kann noch viel von ihm lernen, wenn ich nur möchte. Plötzlich legt er sich hin, als hätte er etwas gehört und ich sehe wie ein Zombie direkt vor ihm den Weg entlanggeht. Sein Bein hinterherziehend und mit dem Kopf wippend schlendert er an ihm vorbei ohne ihn zu bemerken, bis er plötzlich wie aus dem nichts umfällt und sein Kopf auf dem Asphalt zerschellt. Marco richtet sich auf und geht mit schnellerem Schritt in eines der Appartements.
Es sind bereits einige Minuten vergangen, wo bleibt er nur? Hat es ihn erwischt? Was ist, wenn er meine Hilfe braucht? Was mache ich nur? Gerade wollte ich mich aufrichten und zu ihm gehen, als er auf dem Balkon des 3. Stockwerkes erscheint. Er winkt mich zu sich. Ich laufe die Wiese herunter hin zu den Appartements und gehe hinein.
"Was ist mit ihm passiert?", ich deute auf den Zombie welcher regungslos auf dem Asphalt liegt.
"Ich hab ihm ne Kugel verpasst. Ein Schuss zwischen die Augen und selbst die Dinger fallen um." entgegnete er. So leise? Ich habe keinen Schuss gehört. Besser ich nehme es einfach hin, anstatt ihn weiter zu fragen, sonst geht uns wertvolle Zeit verloren. Wir durchsuchen die Wohnungen nach nützlichen Utensilien und finden mehrere Konservendosen und Wasser. Marco bittet mich zu sich um ihm zu helfen. Wir packen uns das Nötigste ein und bereiten uns auf die sich langsam anbahnende Nacht vor. Hier zu verweilen wäre zu gefährlich. Beladen machen wir uns auf den Weg die Stadt zu verlassen, als plötzlich eine Horde Untoter auf das Industriegebiet zu rennt. Wie besessen laufen sie von jedem Winkel der Stadt auf einen Punkt zu.
Ein lauter Schrei erhallt und Schüsse fallen. 1, 2, 3, 4, als würde es nicht mehr aufhören.
"STERBT IHR MISSGEBURTEN!", schreit eine dunkle raue Stimme aus dem Gebiet. Marco bittet mich zu warten und folgt der Horde in Richtung der fallenden Schüsse. Ich habe Angst, dass auch er nicht mehr zurückkommt und schleiche ihm hinterher. Soll dies schon unser Ende sein? Marco schleicht weiter bis ein Schuss in seine Richtung fällt. Er schmeißt sich hinter ein paar aufeinandergestapelte Betonplatten und wartet auf einen weiteren Schuss.
"Na?! Willst du auch so Enden wie die hier?!", der fremde schmeißt einen Kopf in Marcos Richtung und fängt laut an zu lachen. Weit und breit ist kein Untoter mehr zu sehen. Ich fange wieder an zu zittern. Was ist bloß aus den Menschen geworden? Wie kann man sein Leben so gleichgültig behandeln, sich einer solchen Gefahr auszusetzen. Selbst dieser Mensch muss doch einen Grund haben, für den er kämpft. Familie, Freunde, Bekannte, den Willen nicht einer von Vielen zu sein. Ich sehe Marco an, dass er es nicht über sein Herz bringen kann diesem Menschen etwas zu tun.
"Kommst du jetzt oder was?! Na loooooos!", brüllt er wieder, "Oder hast du etwa Angst? Haha. Du wirst sowieso nicht lebend hier heraus kommen!" Weitere Schüssen prallen auf dem Boden neben Marcos Position ein. Ihm ist anzusehen wie er mit sich selbst kämpft. Seine Hände umklammern verkrampft seine Waffe, Schweißperlen gleiten über seine Stirn und seine Augen sind zugekniffen, doch als die Schüsse pausieren setzt er zum Schuss an. Er befreit diese arme verlorene Seele und gewährt ihr Ruhe zu finden, bevor sie ein schlimmeres Schicksal erleidet. Er steht auf und geht langsam auf den Leichnam zu, faltet dessen Hände auf dem Brustkorb zusammen und wischt über das Gesicht um die Augen zu schließen. Dann hält er einen Moment inne und betet, bittet um Ruhe und Frieden und bedankt sich für sein Leben und die Waffe die ihm so zuteil wurde. Nach einer kurzen Weile kommt er auf mich zu, schaut mich kurz an und reibt seine Hände aneinander. Ihm ist anzumerken, wie schwer dieser Schritt für ihn war und wie sehr ihn das ganze mitgenommen hat. Er gibt mir die Waffe und etwas Munition. Verlangt er etwa von mir, dass ich das selbe tue? Nein, das könnte ich nicht, niemals.
"Nimm schon, bitte. Damit kannst du dich wenigstens verteidigen, wenn es mal hart auf hart kommen sollte." Ich nehme die Waffe an mich, mustere sie und lege sie mir um die Schulter. Wie es ihm wohl geht und was er denkt, wie er sich wohl fühlt. Ich möchte ihn nicht fragen, denn ich glaube einen Menschen zu erschießen ist Last genug, die man zu tragen hat. Wo uns unser Weg hinführt wissen wir noch nicht, doch sicher ist, dass wir diese Stadt für jetzt und vielleicht, so das Schicksal will, für immer verlassen werden.
« Letzte Änderung: Sonntag, 19.Mai 2013 - 21:44 Uhr von Bastet »

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Re: Verlassen...
« Antwort #5 am: Mittwoch, 13.Feb 2013 - 17:50 Uhr »

Anders denken, anders handeln

Es ist bereits dunkel geworden, während wir durch die weiter Wälder streifen. Auch die Kälte der Nacht setzt langsam ein und wenn man sich nur lange genug die Blätter der Bäume ansieht, meint man sehen zu können, wie langsam der Tau zu Eis wird. Durch das feuchte Laub stapfend kommen wir am Ende des Waldes an, an dem sich eine Straße langzieht. Ein gigantischer Turm ragt aus einem anderen Stück Wald vor uns.
"Dort oben könnten wir uns für die Nacht niederlassen", sagte Marco zu mir und setzte seinen Weg fort. Ich stimmte ihm mit einem Nicken zu und ging langsam hinter ihm her. Unsicher ob wir die Straße entlanggehen sollen oder uns durch den Wald diesem Turm nähern schlender wir vorran. Es ist still und die einzigen Geräusche, die zu vernehmen sind, sind die des Windes und das Rascheln der Blätter und Felder. Marco bleibt stehen, kniet sich vor mich und kramt in seinem Rucksack herum, bis er eine Taschenlampe hervorzieht, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Sie wirft rotes Licht und ist nicht so hell wie eine normale Taschenlampe, obwohl man dennoch alles um sich herum sehr gut erkennen kann. Er leuchtet mich an.
"Haha, in dem Licht sieht jeder Mensch direkt anders aus", sagte er, "Na gut, wir werden nun an der Straße entlanggehen, aber im Wald. So haben wir einen Punkt an dem wir uns weiter orientieren können. Wenn wir oben sind, versuchen wir in den Turm zu kommen, vorrausgesetzt, dass er nicht abgesperrt oder verschlossen ist. Okay?" Er schaute mich fragend an. Wieder nicke ich und wir gehen weiter.

Kurz bevor wir oben angekommen sind, vernehmen wir klappernde un klirrende Geräusche, so, als würde Glas zerbrechen und metallische Gegenstände aneinander schlagen. Marco hält sich geduckt und geht langsam zu der Mauer, welche sich oben um den Turm herum zieht und wirft einen Blick durch ein kleines Loch. Er winkt mich herüber und auch ich werfe einen Blick hindurch. Vom ersten Schrecken erholt wird mir die schlimmen Vorahnung, dass auch hier oben die Untoten sind, genommen. Ein Wildschwein wühlt mit seiner Nase in den Scherben und Schrotthaufen herum, wahrscheinlich auf der Suche nach Futter oder etwas zu trinken. Ich beobachte es für eine Weile und will gerade meinen Weg fortsetzen, als sich eine Bestie auf das Schwein wirft. Das Schwein wird zerfleischt, während es weinende, schmerzerfüllte Schreie von sich gibt. Ich will wegschauen, doch mein Blick ist starr und gebunden an diese Szene, die sich gerade vor meinen Augen abspielt. Es versucht sich zu wehren und schreit lauter, als wolle es nach Hilfe rufen. Plötzlich ein lautes Knacken und von einem auf den anderen Moment wird es ruhig. Nur noch das nachhallen der Schreie ist zu vernehmen. Ich gehe einen Schritt von der Mauer weg und drehe meinen Kopf zu Marco, welcher mich daraufhin in die Arme schließt und mir sanft über den Kopf streichelt.
"Sht. Sowas passiert nunmal und dagegen kannst du nichts tun. Beruhige dich. Wir gehen einfach weiter und suchen uns einen anderen Platz", flüstert er, doch das will ich nicht. Ich drücke ihn zurück und bitte ihn um seine Waffe, welche er mir auch ohne zu zögern gibt. Sie wird immerhin leiser sein, als die Schrotflinte, die der Verrückte in Chernogorsk dabei hatte. Leise an der Mauer vorbeischleichend komme ich an ein Tor und mit der Waffe im Anschlag blicke ich auf die Stelle, an der sich der Zombie sattfrist. Bevor ich den ersten Schuss abgebe suche ich das Gelände nach weiteren Ungeheuern ab, doch er scheint alleine zu sein. Wohlmöglich hat er sich verlaufen oder schlimmer, er war ein Mensch als er hier ankam und wurde erst danach von dem Virus zerfressen. Ich lege an und versuche auf seinen Kopf zu zielen, welcher jedoch nicht zu erfassen ist. Weiter mit der Waffe auf den Zombie gerichtet gehe ich ein Stück weiter am Tor entlang, bis ich auf einen Ast trete. Ich zucke zusammen und blicke auf den Zombie, welcher unverzüglich seinen Kopf nach hinten wirft. Ein blutverschmiertes Gesicht und scharfe abgewetzte Zähne in Begleitung von tiefroten Augen nehmen mich ins Visier. Er reißt seinen Kiefer auf und ein lauter Schrei ertönt, als er plötzlich aufsteht und auf mich zurennt. Ich weiß im ersten Moment nicht wie mir geschieht, doch schnell wieder gefangen, lege ich an, ziele und verpasse dem Monster einen Kopfschuss. Der Kopf zerfällt sofort zu Brei während der Körper noch einige Meter weiterläuft und letzten Endes auch zu Boden geht. Nun kommt auch Marco zu mir.
"Ist alles ok?", fragt er mich musternd.
"ja, alles bestens", entgegne ich ihm mit starrem Blick auf den toten Körper vor mir gerichtet. Was habe ich getan? Was ist bloß los mit mir? Am Morgen dieses Tages habe ich noch über die Grausamkeit der Menschen nachgedacht und nun bin ich auch so? Wenn ich wenigstens etwas empfinden würde in diesem Moment, wäre das alles gar nicht so schlimm, doch da ist nichts. Keine Trauer, kein schlechtes Gewissen, viel mehr Gleichgültigkeit geschmückt mit etwas Hass.
"Marco? Ist es normal, dass... Nun ja, beim Anblick dieses Wesens empfinde ich nichts. Ich meine, auch er war einmal ein Mensch, wieso ist mir das so egal?" Ich werfe einen Blick auf die Waffe, die in meinen Händen liegt und warte auf seine Antwort, während er zu mir kommt.
Er legt eine seiner Hände auf meine Schulter, die andere auf meine Hände, welche die Waffe umgreifen und schaut mich an: "Sie sind tot, nichts kann diesen Wesen mehr helfen. Entweder du tötest sie oder sie dich. Was ist dir wichtiger? Dein Leben oder deine Reinheit?" Er hat Recht mit dem was er sagt, entweder sie oder ich und ich bin definitiv noch nicht bereit zu sterben. Begleitet von diesen Gedanken gehen wir zu dem Turm und versuchen den Eingang zu öffnen.
"Geh beiseite", sagt Marco und schlägt mit dem Griff der Waffe gegen das bereits verrostende Schloss, welches nach vier Schlägen zerbricht und uns Zutritt zu dem Turm gewährt. Wir gehen hinein, klettern eine Leiter hoch und kommen auf der ersten Plattform an, in der sich einer Art Kontrollzentrum des Turms befindet. In einem kleinen Nebenraum machen wir es uns gemütlich und verbarrikadieren die Tür, denn wir wollen keinen unerwünschten Besuch. Mit dem letzten Licht, welches durch die kleinen runden Fenster hineinkommt, versuchen wir nach dem anstrengenden Tag etwas Schlaf zu bekommen, denn am nächsten Tag liegt wieder ein weiter Fußmarsch vor uns.
« Letzte Änderung: Freitag, 05.Apr 2013 - 11:18 Uhr von Bastet »

Offline Rob Friend

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Re: Verlassen...
« Antwort #6 am: Mittwoch, 27.Feb 2013 - 01:22 Uhr »
Mehr davon! :)
Road Runners Reise Unternehmen sucht dich für gemeinsame Survival Trips durch Chernarus.
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Offline Bastet

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Re: Verlassen...
« Antwort #7 am: Dienstag, 12.Mär 2013 - 12:18 Uhr »

Vergangenheit

Geblendet von den ersten Lichtstrahlen, die durch die Fenster genau auf mein Gesicht fallen, öffne ich meine Augen. Ich drehe mich um zu Marco, welcher immernoch tief und fest schläft und piekse ihm ins Gesicht. Erschrocken springt er auf und sieht mich an.
 
"Bist du verrückt?" fragt er mich und schüttelt seinen Kopf. Dann steht er auf, öffnet die verriegelte Tür und wagt einen Schritt nach draußen. "Es scheint alles so weit sicher zu sein, zumindest hier oben." Ich gehe ihm hinterher und stelle mich an das Geländer der ersten Plattform. Es ist ein wunderschöner Morgen, selten habe ich so beruhigt geschlafen und mich danach so gut gefühlt wie in diesem Augenblick. Ich schließe meine Augen, lehne meinen Kopf nach hinten und atme tief ein. Die Luft hier oben ist rein und riecht so, als hätte man sie gerade von allen Unreinheiten gewaschen.
 
"Wir müssen uns anziehen, hier", sagt Marco und drückt mir meinen Tarnanzug in die Hand.
"Können wir nicht erst etwas essen, bevor wir los gehen? Der Morgen hier ist so wunderschön und solange wir ungestört sind, sollten wir die Zeit auskosten oder nicht?" entgegne ich ihm. Er kramt im Rucksack herum und zieht anschließend einen Brotlaib hervor, ebenso suche ich in meiner Tasche und hole eine Dose Nudeln heraus.
"Nudeln mit Brot. Naja, ist zwar kein schönes Frühstück, aber besser als nichts oder?" Marco nickt, holt ein Jagdmesser hervor und schneidet ein paar Scheiben vom Brotlaib ab. Danach nimmt er sich die Dose, sticht mit dem Jagdmesser hinein und säbelt sie auf. Ich muss zugeben, der Geruch von Dosenfutter am Morgen ist mehr als widerlich, aber essen muss man schließlich auch irgendwas. Wir setzen uns oben auf die Plattform, welche sich um den Turm herumzieht und genießen, mehr oder weniger, unser Frühstück im Freien. Ich merke, wie das Vertrauen zwischen mir und Marco mit jedem Moment, den wir miteinander verbringen steigt und frage ihn schließlich, wie er die ganze Geschichte erfahren hat. Er beginnt zu erzählen:
 
"Ich saß mit meiner Frau zu Hause am Tisch und wir haben zu Abend gegessen. Unsere Kinder waren bereits im Bett. Mein Sohn ist 6 Jahre alt und meine Tochter gerade 3 geworden. Das Radio lief im Hintergrund mit ruhiger Musik und meine Frau und ich kamen uns nach langer Zeit erfüllt von Stress und Streitigkeiten wieder etwas näher. Sie forderte mich zum Tanzen auf, als unser Song im Radio gespielt wurde. Es war wunderschön. Ich habe sie im Arm gehalten, sie ihren Kopf an meiner Schulter angelehnt. Sie flüsterte mir zu <<Ich liebe dich.>> Es war schön, sowas mal wieder von ihr zu hören. Wir waren glücklich in diesem Moment, alles war perfekt. Dann kam die Eilmeldung im Radio, dass alle Bewohner der Insel Utes unverzüglich evakuiert werden müssen. Wir wohnten in Kamenyy, ein ruhiges Örtchen am Rande der Insel. Wir warfen einen Blick aus dem Fenster und sahen schon die ersten Leute bepackt aus ihren Häusern flüchten und mit dem Auto wegfahren. Wir holten die Kinder und fuhren, wie die Nachrichtensprecher es sagten, zu dem Flughafen. Dort sollten alle mit Helikoptern zum Festland gebracht werden. Als wir dort ankamen herrschte Chaos. Jeder wollte wissen was los ist, doch das Militär durfte keine Informationen rausgeben. Dann musste sich jeder einer kurzen Untersuchung unterziehen und durfte erst danach in den Helikopter einsteigen. Wir hatten alle das Glück und durften mit einem der ersten Helikopter von der Insel herunter. Sie setzten uns am Nord-ost Flughafen ab und kehrten um, um die anderen Leute zu holen. Auch dort wurden wir kontrolliert, doch durch das Getummel und die Menschen habe ich meine Frau mit den Kindern verloren. Ich dachte sie wären bei meinen Eltern, doch da waren sie nicht. Also beschloss ich, mich nach Balota aufzumachen. Meine Mutter wohnt hier und ich dachte sie wäre vielleicht zu ihr gefahren. Aber auch hier war schon alles tot, als ich ankam und auch auf dem Weg hierhin hat man kaum mehr Menschen gesehen, obwohl hier auf dem Festland die Eilmeldung erst 2 Tage später kam. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, als nächstes mache ich mich auf zum Nord-west Flughafen, weil ich weiß, dass dort wohl weitere Maßnamen eingeleitet werden sollten."
Ich habe so gespannt zugehört, dass ich ganz vergessen habe zu essen. Wie schlimm muss es für einen Mann wohl sein, seine Familie zu verlieren? Vorallem dann, wenn man weiß, dass alles passiert sein kann. Bewundernswert, was ein Mensch alles auf sich nimmt nur um seine Liebe wiederzufinden.
 
"Ich bin mir bewusst, dass meine Frau und meine Kinder das gleiche Schicksal erleidet haben können wie die, die unten in den Städten umherirren. Aber daran will ich gar nicht denken. Ich werde nach ihnen suchen, bis ich sie finde, ob mit oder ohne Herzschlag. In den letzten 4 Tagen habe ich eines gelernt: Vertraue niemandem, Kämpfe für dich und für die, die du liebst und vor allem, lass ich durch nichts von deinem Weg und deinem Willen abbringen. James habe ich nervös am Flughafen nach einer 'Lilly' rufen hören und ich war seitdem mit ihm unterwegs. Alle Menschen, die wir unterwegs getroffen haben, wollten uns nichts Gutes. Wir wurden mehrere Male hintergangen, beraubt und wir standen kurz vor unserem Tod, doch jetzt sind wir hier..." Er schaut mich an, fasst sich an die Brust und fügt hinzu: "Naja... du und ich. James ruhe in Frieden." Man merkt ihm an, dass es ihn schwer mitnimmt, diesen Menschen verloren zu haben, nachdem er nicht nur ihn, sondern auch seine Familie verloren zu haben scheint. Er beißt in sein Brot, isst seine Nudeln und steht ohne ein weiteres Wort auf und zieht sich an. Dann zieht er aus seiner Tasche einen Kompass hervor, wirft einen Blick nach links und steckt ihn wieder ein.
 
"Los, zieh dich an. Wir haben einen weiten Weg vor uns" sagt er. Ich packe meine Sachen zusammen, schlinge den letzten Rest meines Frühstücks herunter und mache mich abreisefertig. Marco ist in der selben Zeit schon nach unten gegangen und sicherte das Gebiet um den Turm herum ab. Weit und breit ist nichts zu sehen, keine Menschen, keine Tiere, keine Zombies kein Nichts. Lediglich die Vögel sind nach wie vor zu hören und der Wind pfeift leise durch die Bäume. Wir gehen den schmalen Trampelpfad entlang, bis wir am Ende des kleinen Waldgebietes ankommen und blicken über die weiten Felder, die vor uns liegen.
 
"Nun denn. Wollen wir?" fragt Marco und lächelt mich an und geht auf das weite Feld. Ich nicke zustimmend, muss auch anfangen zu lächeln und laufe ihm hinterher. Manchmal tut es gut, wenn man weiß, dass da Jemand ist, auf den man sich voll und ganz verlassen kann. Auch dann, wenn man diesen Jemand gerade erst getroffen hat.
« Letzte Änderung: Freitag, 05.Apr 2013 - 11:18 Uhr von Bastet »

Offline Bastet

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Re: Verlassen...
« Antwort #8 am: Dienstag, 12.Mär 2013 - 12:23 Uhr »

Todesurteil

Marco und ich laufen nun schon etwas länger. Wir sind dem Weg gefolgt, welcher von dem Radioturm aus abging, kamen an einem Kleinen Bauernhof vorbei und kamen letzten Endes hier an. Kurz vor einer kleinen Stadt, auf deren Straßenschildern man <<Pustoshka>> lesen kann. Ich bin schon öfter durch dieses Örtchen gefahren, wenn ich meine Eltern besuchen wollte und weiß, dass es hier einen Supermarkt gibt. Marco und ich schlendern langsam am Straßenrand entlang und reden darüber, wie wir uns verhalten, wenn wir auf weitere Überlebende treffen. Weichen wir ihnen aus oder reden wir mit ihnen? Was ist, wenn wir nochmal auf einen Menschen wie in Chernogorsk treffen? Letztlich kommen wir zu dem Entschluss, dass wir versuchen Kontakt aufzunehmen, solange sie sich normal verhalten.
 
"Ich denke, hier können wir nochmal nach nützlichen Sachen suchen", sagt Marco zu mir als wir vor dem Supermarkt stehen. Dann geht er rein und durchkramt den Inhalt der Theken, während ich die Abstellräume durchkämme und schnell einer neuen Waffe fündig werde. Als ich sie Marco vorzeige staunt dieser nicht schlecht.
"Wow, die muss wahnsinnig alt sein! So eine habe ich schon ewig nicht mehr gesehen." Marco nimmt sich die Waffe in Anschlag und zielt auf einen Zombie, der draußen auf den Straßen umherschleicht.
"Es wäre besser, wenn du dir kurz die Ohren zuhältst." Gesagt getan, ich schaue ihn an. Wie ruhig er die Waffen halten kann ohne auch nur ein klein wenig zu zittern oder zu wackeln. Ich frage mich, was er anders macht, wenn ich mir vorstelle, wie sehr ich gezittert habe, als ich auf den Untoten an dem Radioturm geschossen habe. Ein lauter Knall ertönt, die Scheiben des Supermarktes zerbersten und der Zombie wird nach hinten weggerissen bis er schließlich auf dem Boden aufprallt. Eine solche Schlagkraft habe ich noch nie gesehen. Marco lächelt mich an, gibt mir die Waffe zurück und bittet mich darum sie zu behalten und gegen die andere Waffe auszutauschen. Ich bin gerade wieder hinten in der Abstellkammer, als ich plötzlich laute Schreie vernehme, aber nicht die Schreie eines Menschen, nein, die Schreie der Kreaturen die normalerweise zu Hunderten in kleinen Städten wie dieser sind. Ich werfe einen Blick aus dem Fenster und sehe, wie Untote auf den Supermarkt zurennen und nicht nur ich scheine das vernommen zu haben.

"Jules? Ich glaube wir sollten verschwinden. Pack dein Zeug und lauf!", ruft Marco mir zu und stürmt aus dem Vordereingang des Supermarktes, während ich durch die Hintertür flüchte. Ich laufe auf der Hauptstraße Richtung Stadtende und suche verzweifelt nach Marco, welcher sich aber nicht in meinem Blick finden will. Wo ist er? weiter als ich kann er nicht sein! Plötzlich ein weiterer Schuss, aber einer, den ich zuvor noch nicht gehört habe. Marcos Waffe gibt so gut wie kein Geräusch ab, wenn sie schießt und meine, naja, ich bin hier und ich habe nicht geschossen. In diesem Moment wird mir klar, dass wir hier nicht alleine sind. Hätten wir doch bloß gesammelt und wären einfach wieder aus der Stadt rausgegangen, dann wäre das alles nicht passiert. Wir hätten nicht diese Kreaturen am Hals, ich hätte Marco nicht verloren und der andere, der sich hier aufhält hätte uns vielleicht gar nicht bemerkt. Aber, was ist, wenn dieser auf Marco geschossen hat? Ich muss ihm helfen, immerhin hat er mir in meiner Lage auch geholfen und sein Leben für mich riskiert, warum also nicht ich für ihn? Mit spürbar pulsierendem Herzschlag und schwer atmend laufe ich in die Richtung, aus der der Schuss kam, als Marco wie aus dem nichts um die Ecke gelaufen kommt.
"Lauf weiter, bleib nicht stehen!", ruft er wieder und hält sich dabei seinen Arm. Er wurde angeschossen, ich wusste es. Warum schießt er auch mittn in der Stadt mit einer so lauten Waffe? Wir laufen die Straße entlang auf eine Brücke zu, unter der sich Marco verstecken möchte. Die Zombies sind mittlerweile weit hinter uns und viele haben uns schon aus den Augen verloren als auf einmal wieder ein Schuss neben uns einschlägt. Marco und ich verschwinden unter der Brücke und bleiben dort für eine Weile sitzen.
 
"Was ist passiert?", frage ich ihn und deute auf seinen Arm "Brauchst du Verbandzeug? Ich habe welches von zu Hause mitgenommen."
"Ach was, geht schon."
"Soll ich nicht wenigstens einen Verband umbinden?"
"Nein, ist ok. So schlimm ist es nicht."
Ich sehe, wie das Blut über seine Finger läuft, die stark auf die Wunde pressen. Nicht so schlimm stelle ich mir anders vor und in einer solchen Lage muss er auch nicht versuchen den Helden zu spielen. Ich suche den Varband in meiner Tasche und lege ihn an seinem Oberarm an, woraufhin er langsam seine Hand wegnimmt und mich anschaut. Als ich die Wunde sehe wird mir schlecht und zugleich wird mir klar, dass dies Marcos Todesurteil ist.
 
"Hör zu, es dauert noch etwas, bis es ausbricht. Ich werde noch ein paar Tage haben und ich verspreche dir, bis dahin bist du hier weg. Bitte vertrau mir." Ich nicke und verbinde seinen Arm. Wir warten noch einige Zeit, bis wir uns unter der Brücke hervortrauen und uns zu der Scheune auf machen, die zu sehen ist. Marco sieht blass aus, hat einen leeren, starren Blick und schweigt. Er wollte seine Familie retten und nun ist er kurz davor, selber zu sterben oder besser gesagt zu mutieren. Der Virus wird nur durch direkten Kontakt von Körperflüssigkeiten übertragen und arbeitet sich langsam zum Gehirn vor. Dort setzt er sich an und beginnt seine Arbeit zu verrichten, langsam und schleichend frisst er sich hindurch bis man langsam nicht mehr man selbst ist. Zuerst wird man krank, dann verliert man das Gedächtnis und am Ende ist man nur noch eine Hülle. Ähnlich wie Menschen, die im Wachkoma liegen ist dieser Zwischenzustand. Sobald das Herz aufhört zu schlagen, ist man einer von ihnen. Wir setzen uns in die Ecke der Scheune und warten auf Anbruch der Nacht. Marco ist ruhig und man merkt ihm an, dass er mit seinem Schicksal zu kämpfen hat. Er steht auf, verlässt die Scheune und kommt nach wenigen Minuten mit einem Stapel Holz zurück.
"Wir bleiben noch etwas hier und gehen weiter, wenn es dunkel ist", sagt er, schließt die Türen der Scheune und zündet das Feuer an. Dann entledigt er sich seines Anzugs, gibt ihn mir und bittet mich darum ihn behalten.
 
Nun sitzen wir hier, hier am Feuer und Marco stochert mit einem Ast in der Glut herum. Ich weiß nicht was ich sagen soll, alles könnte falsch sein und ich will ihn nicht weiter belasten. Es muss schrecklich sein, wenn man realisiert, dass der ganze Weg mehr oder weniger umsonst war, wenn man sein Bestes gegeben hat um seine Familie zu retten und nun das erleidet, was im schlimmsten Fall auch der Familie zugestoßen sein kann. Ich werde nach seiner Familie suchen und wenn ich sie finde, werde ich ihnen sagen, was für einen großartigen Mann und Vater sie hatten. Welch einzigartiger Mensch er war und was er für mich, eine völlig Fremde, getan hat.
 
« Letzte Änderung: Freitag, 05.Apr 2013 - 11:19 Uhr von Bastet »

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Re: Verlassen...
« Antwort #9 am: Freitag, 05.Apr 2013 - 11:15 Uhr »

Realitätsverlust

Marco wirft einen Blick auf die Uhr und löscht das Feuer, welches wir zuvor entzündet hatten. Anschließend nimmt er seinen Rucksack, steht langsam und wackelig auf und wirft mir seine Waffe zu.
"Hier nimm, du kannst sie jetzt besser brauchen als ich. Gib mir dafür deine, dann kann ich dir Deckung geben", sagt er zu mir mit leicht keuchender und rauer Stimme und streckt seine Hand aus. Ich reiche ihm zögerlich die Waffe hinüber und nehme ihn einen Moment lang in Augenschein. Es ist seltsam, normalerweise dauert es etwas länger als 2 Tage bis der Virus sich soweit vorgearbeitet hat wie es aktuell bei Marco der Fall ist. Er muss schon vorher krank gewesen sein oder zumindest ein abgeschwächtes Immunsystem gehabt haben. Seine Haut wirkt blass und fängt langsam an kleine rote und blaue Flecken zu bilden. Sie ist rissig und seine Lippen sind sehr spröde und als wäre das nicht genug zittert er am ganzen Körper. Wenn man nicht weiß, dass er gebissen wurde, könnte man meinen, dass er ein zu starkes Medikament oder eine Droge zu sich genommen hat. Es macht mir Angst ihn in diesem Zustand der Hoffnungslosigkeit zu sehen, denn er könnte jede Sekunde schwächer werden und ich will nicht wissen, wie viel Zeit er noch hat, bevor er in den Trance ähnlichen Zustand verfällt der zwischen lebend und untot steht.
"Meinst du, du schaffst das noch bis nach oben?", frage ich ihn erfüllt von Sorge.
"Klar, mach dir um mich keine Sorgen, so einfach lasse ich mich nicht aus dem Leben reißen", erwidert er mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Doch seinem Gesichtsausdruck ist anzusehen, dass er selber bereits weiß, dass er nicht mehr lange Zeit hat um seinen Weg zu beschreiten. Das Lächeln ist ihm schwer gefallen und aufrecht zu stehen, ohne zu schwanken, fällt ihm ebenso nicht leicht.
 
"Versprich mir bitte nur eines…", er stockt eine Sekunde lang, atmet tief ein und langsam wieder aus, bis er schließlich meine Hand nimmt und sie auf seine Brust legt. Dann fügt er hinzu: "Wenn du das bei mir nicht mehr wahrnehmen kannst, dann bring es sofort zu Ende. Sonst werde ich nur eine Gefahr für dich. Befreie mich von den Schmerzen bevor sie mich zerfressen und ich einer von ihnen werde. Das ist keine Bitte, sondern ein Befehl. Hast du das verstanden?" Sein Herz schlägt schwach und schnell, man könnte meinen einen Kolibri unter den Händen zu halten. Ich raufe sein Hemd zusammen, lege meinen Kopf gegen seine Brust und versuche nicht zu weinen. Ich habe lange nicht mehr so viel Verbundenheit gespürt wie bei diesem Menschen, so viel Wärme, so viel Vertrauen, so viel Geborgenheit. Manchmal scheint es so, als würde alles das, was man sich gerade erarbeitet hat wie eine Seifenblase zerplatzen. Als würde alles nur geschützt durch eine ganz dünne Wand in der Luft schweben und bei dem nächsten Kontakt kaputt gehen und letzten Endes nur noch eines zurück lassen, die Leere.
 
"Marco, das kannst du nicht verlangen! Nicht von mir!", entgegne ich ihm in etwas lauterem Tonfall, während sich meine Finger immer mehr in dem Hemd vergreifen. "Du weißt, dass ich das nicht kann. Ich… es ist… hoffnungslos." Dann lehnt er meinen Kopf zurück, legt seinen Finger unter mein Kinn und drückt es nach oben. Er schaut mich lange an, schließt mich in den Arm und fügt ein ganz leises "Ich vertraue dir.", hinzu, woraufhin er mich in seinem Arm mit auf den Weg aus der Scheune nimmt. Ich werfe noch einen kontrollierenden Blick zurück, ob wir auch wirklich nichts vergessen haben und versuche mich währenddessen wieder zu fangen.
 
Angekommen am Flugplatz keucht Marco schwer, fasst sich an die Brust und stützt sich mit der anderen Hand auf seinem Knie ab. Ich bin unbeholfen und weiß nicht, was ich machen soll. Ich will ihn nicht so leiden sehen, ihm helfen, doch ich weiß, dass ich nichts tun kann. Er möchte diesen Schritt noch hinter sich bringen. Nach einer kurzen Pause richtet sich Marco wieder auf, immer noch schwer keuchend und schweißgebadet deutet er auf die Baracke, welche am Rande der Landebahn steht.
 
"Da… da werden wir… bestimmt Informationen finden. Geh rein, ich… ich gebe dir Deckung", stottert er vor sich hin und holt immer wieder schwer Luft zwischen einzelnen Wörtern. Warum geht das alles bei Marco so schnell? Das ist nicht normal. Irgendwas anderes muss mit ihm noch passiert sein oder was ist, wenn es gar kein normaler Zombie war, sondern eine Art erneut mutierte Rasse? Irgendwas ist komisch. Es ist deutlich wahrzunehmen, dass Marco mich nicht weiter in seiner Nähe haben möchte. Er drängt mich weg, bittet mich mehrfach ihn alleine zu lassen und die Baracke zu durchsuchen. Ich drehe mich immer wieder herum doch er ruft mir jedes Mal hinterher, ich soll nicht zurückblicken sondern einfach weitergehen. Ich beobachte kurz den kleinen Platz, welcher sich vor der Baracke befindet und gehe schließlich hinein, durchsuche die Schubladen Betten und Schränke nach brauchbaren Informationen oder Gegenständen. Doch hier ist nichts sonderlich Brauchbares, bis ich im letzten Raum immerhin ein GPS finde. Ich werfe einen Blick aus dem Fenster und suche nach Marco, was mich in dieser deutlich hellen Nacht nicht viel Zeit kostet. Er schleppt sich geplagt von Schmerzen in Richtung der Landebahn. Die Waffe schleift über den Boden und er umklammert das Hemd auf seiner Brust. Als er an der Tür der Baracke vorbeigeht, wirft er mir einen Blick zu. Seine Augen sind rot verfärbt und aus seiner Nase und seinen Mundwinkeln läuft bereits das erste Blut. Er starrt mich einen Moment an, lässt die Waffe fallen und bleibt wie angewurzelt stehen. Seine Blicke untersuchen meinen Körper, doch er scheint sich nicht mehr an mich zu erinnern.
 
Es ist soweit. Ich lege an und ziele auf seinen Kopf. Schmerzen verspürt er keine mehr, er ist befreit von seinem Leid und befindet sich in dem Zustand den ich erhoffte niemals vor mir in Person sehen zu müssen. Er löst seinen festen Griff vom Hemd und lässt seine Hand langsam nach unten fallen. Mein Finger befindet sich am Abzug, zitternd und blockiert. Irgendwas hindert mich daran diesen Menschen zu erschießen. Es ist immer noch dieses Gefühl da. Auch wenn der Mensch, dem einst dieses Gefühl gebührte, nicht mehr vor mir steht, so scheint dennoch ein Teil von ihm in diesem orientierungslosen Wesen vorhanden zu sein. Ich hole tief Luft, schließe kurz meine Augen und öffne sie wieder. Ich versuche einen Moment Ruhe zu finden, doch egal wie sehr ich es versuche, ich kann mich nicht dazu durchringen. Letztlich senke ich die Waffe ab und gehe ein paar Schritte auf Marco zu.
 
Doch plötzlich ist da dieses unbehagliche Gefühl, ein Gefühl, als wolle Marco mich immer noch fern von sich halten. Er hebt langsam seine rechte Hand, doch bevor er seine Bewegung zu Ende führen kann, prallt eine Kugel auf seine Stirn und frisst sich auf geradem Weg durch seinen Kopf. Es kommt mir fast vor wie eine Ewigkeit diese Szene betrachten zu müssen, eine Szene die sich Mal für Mal und immer wieder vor meinen Augen abspielt. Zuerst fällt er auf seine Knie, anschließend kippt er nach vorne weg. Wieder und wieder sehe ich es vor mir. Ich realisiere nicht mehr, was um mich herum passiert. Tränen steigen in meine Augen und ein lauter Schrei, gefüllt mit wimmernden Geräuschen kommt mir als letztes über meine Lippen: "NEEEEEEIN!"
Ich lasse meine Waffe fallen und stürze aus der Tür heraus zu Marco und packe seine Jacke. Ich rüttle ihn durch, rufe ihm zu, doch kein Anzeichen von Leben steckt mehr in ihm. Ich breche über ihm zusammen und lege weinend und ständig das Wort "Nein" wiederholend meinen Kopf auf seinen Leblosen Körper.
 
"Nein, verlass mich nicht! Du darfst nicht gehen!" rufe ich immer wieder vor mich hin. Dann werde ich weggezogen und nach oben gehievt, doch ich wehre mich. Ich will um alles auf der Welt bei ihm bleiben. Ich will nicht weg, nicht jetzt, nicht nachdem er dies alles für mich getan hat. Dennoch werde ich wieder an beiden Armen gepackt und von Marcos Leichnam weggezogen.
"Lasst mich in Ruhe!", schreie ich ihnen zu, "Ich will doch nur bei ihm sein…" Meine Gefühle lassen nichts anderes mehr zu als zu weinen, mein Körper ist zu schwach und mein Versuch mich nochmal zu wehren, entzieht ihm die letzte Kraft. Der Abstand zu Marco wird immer größer und ich merke, wie mein Körper ausgelaugt von Trauer, Hass, Schmerz und Erschöpfung in sich zusammensackt.
"Es war zu spät. Komm schon, bald ist es vorbei", vernehme ich noch schwummrig, bevor ich völlig mein Bewusstsein verliere.
« Letzte Änderung: Freitag, 05.Apr 2013 - 11:22 Uhr von Bastet »

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Re: Verlassen...
« Antwort #10 am: Freitag, 05.Apr 2013 - 11:22 Uhr »

Grobian

Ich spüre etwas warmes, weiches, was sich an meine Schulter anlehnt, als ich wieder zu Bewusstsein komme. Noch ganz benommen strecke ich meinen Arm danach aus und berühre es sanft, als es plötzlich ein leises fiepsendes Geräusch von sich gibt. Ich zucke zusammen, lege meinen Kopf zur Seite und sehe das Fellknäul an, das neben mir liegt. Kurz darauf hebt es seinen Kopf, kommt näher und leckt mir freudig durch mein Gesicht. Ein Hund? Wie lange habe ich keinen Hund mehr gesehen? Es muss Ewigkeiten her sein als mir das letzte Mal einer unter die Augen gekommen ist. Ich richte mich langsam und beschwerlich auf und werfe einen Blick in den spärlich eingerichteten Raum, in dem ich mich befinde. Meine Hand gleitet sanft über das Bettlaken, welches sich sehr weich und warm anfühlt. Der Raum ist geflutet von seichtem Licht, welches von einer an der Decke hängenden, dick mit Staub bedeckten Lampe kommt. Überall liegt Müll herum und leere Dosen und Flaschen. Ein kleiner dreckiger Tisch steht neben der Tür und ein alter, von Holzwürmern zerfressener Schrank steht daneben und auch die Fenster, durch die kaum Licht in die kleine Wohnung eindringt, sind dreckig und verschmiert. Wie bin ich an diesen Ort gekommen? Das letzte, an das ich mich erinnere, ist Marco. An den Moment, in dem er vor mir stand und mich ansah, mit seinem leeren, emotionslosen Blick. Ich versuche mich zu erinnern, was letzte Nacht passiert ist, doch werde schnell dabei gestört.
Der Hund, der sich zuvor an meiner Schulter anlehnte, springt wie vom Blitz getroffen auf und rennt zu Tür. Winselnd und mit dem Schwanz wedelnd springt er immer wieder auf und kratzt auf dem Fußboden vor der Türe herum, welche sich daraufhin langsam öffnet. Ich lehne mich zurück und rutsche an das Ende des Bettes, bis ich eine Wand hinter mir spüre. Ich merke wie die Angst in mir hochsteigt. Bei dem Versuch zu erkennen, was dort durch die Türe hineinkommt, sehe ich nur vage Umrisse der Gestalt, welche sich langsam nach vorne bewegt, bis sie ins Licht tritt. Es ist ein Mann, groß und stark, trägt eine Waffe über seiner Schulter und einen großen Knochen in seiner Hand. Bekleidet mit einer blauen, kaputten Jeans, einem braun-karierten Hemd und einer grünen Weste, spaziert er in die Wohnung und schließt die Türe hinter sich. Er legt seine Waffe auf den kleinen Tisch neben der Tür, kniet sich hin und begrüßt seinen treuen Gefährten. Schließlich gibt er ihm den Knochen und steht ohne ein Wort zu sagen wieder auf. Er kommt auf mich zu und durchbohrt mich mit tief unter die Haut gehenden Blicken. Wer ist dieser Mann? Hat er mich hierher gebracht? Was hat er mit mir vor? Ist er einer von den Menschen, die Marco und James meinten? Ich kneife meine Augen zusammen und drehe meinen Kopf zur Seite. Langsame Schritte auf einem laut knarzenden Boden kommen immer näher an mich heran, bis ich eine kalte, raue Hand an meinem Arm spüre, welche mich von dem Bett herunterzieht.

"Nein! Ich will nicht!" rufe ich ihm zu, doch er lässt nicht von mir ab: "Lass das! Was hast du vor? Was hast du getan? Was ist mit Marco?!"

"Keine Zeit für Emotionen, komm mit oder willst du verhungern?" entgegnet er mir und wird etwas sanfter als zuvor. Die Stimme passt nicht zu seinem Äußeren. Sie ist dunkel und trägt eine Wärme in sich, die einen denken lässt, dass dieser Mensch gar nicht böse sein kann. Ich öffne meine Augen und blicke ihn an. Sein Gesicht ist vernarbt und mit etwas Blut geschmückt, seine Augen dunkelbraun, ebenso wie sein Haar und trägt einen leichten Bart, der sehr ungenau geschnitten ist. Er bringt mich zu einem kleinen Tisch in der Küche und bittet mich darum, mich hinzusetzen.

"Darf ich fragen wer du bist? Und..."
"Sssssht", unterbricht er mich und legt seinen Finger auf seinen Mund. Dann geht er langsam zu der Hintertür, welche sich neben dem Kühlschrank befindet und nimmt sich eine Schrotflinte aus einem der  Regale über dem Kühlschrank. Er wirft mir einen kurzen Blick, ein verschmitztes Lachen zu und schießt daraufhin ohne zu zögern ein großes Loch in die Tür, durch das unmittelbar danach ein Untoter fällt.
"Ach Scheiße, jetzt muss ich die wieder reparieren. Dreck!" grummelt er und spuckt durch das Loch auf den Rücken des Untoten: "Nun zu deiner Frage. Ich bin Jurij, der kleine da ist Sharik und du bist?"
"Julia."
"Okay Julia, da ich nicht weiß, wie viel du von gestern noch in deinem kleinen Köpfchen hast, sag ich dir mal was passiert ist. Dein Freund, dem du scheinbar in die Arme laufen wolltest, hätte dich zerfleischt, sobald du zu nahe gekommen wärst. Wir haben ihn erschossen, schnell und schmerzlos und dich mitgenommen. Können ja so 'ne kleine, junge Lady nicht allein da draußen lassen."
Die Tatsache, dass Marco weg ist, habe ich zwar schon vorher festgestellt, aber wie genau er von uns gehen musste will einfach nicht in meinen Kopf rein. Ich hatte niemanden, bis Marco kam und alles was ich die letzten Tage hatte wurde mir nun auch genommen? Ich will in dieser Welt nicht mehr leben, aber mich auffressen lassen, das will ich auch nicht. Jurij scheint nicht gerade einer der Menschen zu sein, die man als mitfühlend bezeichnet, auch wenn seine Stimme genau das Gegenteil davon zu vermitteln versucht. Plötzlich stellt er einen Teller mit Erbsensuppe vor mich und reicht mir einen Löffel: "Hier iss was. Das stärkt dich, wir müssen später wieder hier weg."

Ich schöpfe mit dem Löffel in der Erbsensuppe herum, doch Hunger habe ich keinen. Viel mehr kämpfe ich mit meinen Gedanken, die sich immer wieder darum drehen, was ich in dieser Welt eigentlich noch suche. Alles was man hier findet, verliert man wieder, nichts bleibt einem erhalten. Außerdem, wenn ich recht überlege, hatte ich nie eine richtige Familie. Nie war jemand stolz auf mich und hat mir gesagt, wie gut oder toll ich bin. Meine Eltern haben mir nur wenig Liebe entgegengebracht und ohne Geschwister aufzuwachsen hat auch nicht immer Vorteile. Meine Besuche bei ihnen bestanden auch, mehr oder weniger, nur aus dem alltäglichen Plausch, den man halten muss. Wie geht es dir? Wie läuft es auf der Arbeit? Hast du endlich mal einen Mann gefunden? Willst du nicht lieber was anderes machen? Bist du überhaupt zu irgendwas nütze außer putzen? Ständig musste ich mir so etwas anhören. Meine Mutter löchert mich mit Fragen und mein Vater sitzt daneben, pafft an seiner Pfeife und schweigt. Vielleicht verkraftet sie, als Karrierefrau, einfach nicht, dass es auch Menschen gibt, die sich mit kleinen Dingen zufriedengeben. Die nicht immer das Beste vom Besten brauchen. Die, die einen Job haben, der glücklich macht. Von diesen Gedanken geplagt, lege ich den Löffel auf den Teller und schiebe ihn von mir weg. Jurij schaut mich fragend an: "Keinen Hunger?"
Ich schüttele meinen Kopf und zupfe mir nervös an meinem Oberteil herum.

"Willst du was trinken?"
Erneut schüttele ich meinen Kopf.

"Kann ich irgendwas anderes für dich tun?"
Wieder und wieder verneine ich.

"Verdammt kannst du vielleicht mal reden?!"

"Schrei mich nicht an!" entgegne ich ihm in dem gleichen Tonfall, den er mir vorher zugeworfen hat: "Rede normal mit mir, lass mir Zeit das alles zu realisieren okay?"
Jurij schaut mich lange an, steht auf und geht aus der Küche. Habe ich jetzt was Falsches gesagt? Ich meine, ich lasse mich doch nicht einfach so von jemandem anschreien, den ich nicht kenne. Obwohl er es bestimmt nicht böse meinte. Was mache ich denn jetzt? Ich bleibe noch eine Weile sitzen, bis ich mich dazu entschließe, ihm nachzugehen. Ich werfe einen Blick durch den Türbogen und sehen Jurij mit geschlossenen Augen auf dem Bett liegen, neben ihm Sharik, der sanft gestreichelt wird. Hunde sind eben die besten Freunde des Menschen und sie lassen dich nicht im Stich, egal was passiert. Ganz anders als Menschen, wenn die kalte Füße kriegen, sind sie weg. Am Ende hat man eh nur sich selbst, nein, nicht nur am Ende. Man hat immer nur sich Selbst. Entschlossen gehe ich in Richtung des Bettes, reiche Jurij meine Hand und will mich verabschieden, doch dieser bemerkt gar nicht, dass ich neben ihm stehe. Kurzerhand beschließe ich also, mir einfach seine Waffe zu nehmen und ihn zu verlassen, doch gerade als ich durch die Tür gehen will sagt er: "Ich würde nicht alleine gehen, an deiner Stelle." Ich drehe mich um und mustere ihn.
 
"Es ist gefährlich und so blauäugig, wie du durch die Gegend läufst, braucht es nicht lange, bis die Plage dich auch erwischt hat."

"So? Woher willst du wissen, dass ich das nicht alleine überlebe?"
Gerade in diesem Moment, in dem ich den Satz zu Ende führe, rast eine Kugel einer Handfeuerwaffe an meinem Kopf vorbei, die einen Zombie hinter mir genau zwischen die Augen trifft.

"Woher? Na... Daher!" sagt Jurij, mit einer leicht rauchenden Handfeuerwaffe auf seinem Schoß und einem Lächeln im Gesicht. "Komm wieder rein, schließ die Tür, mach es dir bequem und bleibe hier. Bei uns passiert dir noch am wenigsten."

Erst kann ich mich vor lauter Schreck gar nicht bewegen. Der Schuss hätte nur einige Millimeter weiter rechts sein müssen und er hätte nicht den Zombie, sondern mich getötet. Ich stapfe langsam zurück in die Wohnung, schließe die Tür hinter mir und setze mich auf den Boden. Ich weiß nicht, wie lange ich das alles noch durchhalte, aber eins weiß ich sicher: Dieser Mensch, der hier vor mir in seinem Bett liegt will mir nichts Böses, sondern mir helfen und ich denke, dass dies der einzige Weg ist, in dieser Welt nicht zu verzweifeln.
« Letzte Änderung: Freitag, 05.Apr 2013 - 14:01 Uhr von Bastet »

Adebar

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Re: Verlassen...
« Antwort #11 am: Samstag, 13.Apr 2013 - 11:07 Uhr »
Bis jetzt,muss ich sagen liest es sich echt spannend Bastet mache bitte weiter. :)

Offline Bastet

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Re: Verlassen...
« Antwort #12 am: Dienstag, 23.Apr 2013 - 21:31 Uhr »
btw, kapitel 1 und 2 sind als "hörbuch" drauen :P

szenario 1

Szenario 2

Adebar

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Re: Verlassen...
« Antwort #13 am: Dienstag, 23.Apr 2013 - 22:45 Uhr »
Das Hörbuch ist echt gut geworden,nur leider ist die Stimme der Vorleserin ein wenig zu leise wie ich finde,aber sonst echt top Bastet gefällt mir.

Offline Bastet

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Re: Verlassen...
« Antwort #14 am: Mittwoch, 24.Apr 2013 - 04:22 Uhr »
ja ich weiß, daran arbeite ich ja auch noch  ;) kapitel 3 wird besser :3