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Autor: Alkazoon Thema: Das freundliche Dorf  (Gelesen 908 mal)

Offline Alkazoon

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Das freundliche Dorf
« am: Mittwoch, 17.Feb 2016 - 08:09 Uhr »
Es war ein schöner sonniger Tag an dem ich wieder aufwachte. Ich befand mich in einem Krankenhaus, scheinbar war ich erschöpft zusammengebrochen auf der Suche nach Medizin. Der Körper schmerzte, kraftlos und ausgelaugt, jedoch musste das vergessen werden. Wie sonst sollte ich überleben? Auf eine Krankenschwester konnte ich vergeblich warten, eine Seuche war ausgebrochen die nahezu die ganze Menschheit dahinraffte, oder sie in tollwütige Bestien verwandelte. Zumindest hoffte ich das es "nur nahezu" die gesammte Menschheit war, und nicht so wie es schien,  ich als einziger überlebte...

Eine weile lag ich noch auf dem kalten und verlassen Boden des Krankenhauses. Mir fiel wieder der name der Stadt ein, als ich eine Woche zuvor nach einer langen Wanderung endlich wieder einstmals belebtes Gebiet fand. Der name war Chernogorsk. Eine schöne Stadt muss das gewesen sein. Damals... sie lag direkt an der Küste, man hatte eine schöne Sicht auf das Meer, ganz nah war auch ein Wald, hatte mir vorgenommen dort heute jagen zu gehen. Wann hatte ich das letzte mal gegessen? Vor 4 Tagen? Oder 5? Es war wahrscheinlich schon eine Woche her, seit ich meine letzte Dose baked Beans aufgerissen hatte, mit meinem Messer. Na gut, ein Messer war es nicht, hatte keines gefunden, aber mein Hunger drohte mich umzureissen. So nahm ich einen Stein und vearbeitete ihn so lange bis ich eine passable Schneide hinbekam. Dafür hatte ich den ganzen Tag gebraucht, aber es hate sich gelohnt. Ein wenig Inhalt hatte ich verschüttet, aber es hatte gereicht.

Langsam saß ich mich auf, bereitete mich darauf vor aufzustehen, meinen Hunger zu stillen. beziehungsweise auf die Jagt zu gehen. Wie ich dies bewerkstelligen würde wusste ich noch nicht. Meine Bewaffnung war eine Mosin, ein sehr schönes gewehr, doch leider hatte ich keine Munition dafür. Mit dem selbstgebauten "Messer" zu jagen war aussichtslos. Mir blieb nichts anderes übrig, als mit einem stück Draht und ein paar Stöcken eine Falle zu bauen. Wer wusste das schon? Vielleicht erwische ich einen Hasen oder einen Fuchs? Langsamen Schrittes ging ich aus dem Krankenhaus hinaus, ließ mich von der Sonne umarmen. Ein schönes Gefühl war das. Meinem Körper erging es auf einmal deutlich besser, aber der Hunger war nicht zu überhören. Das Magenknurren klang schon fast wie eines der "Zombies", wie ich die Infizierten nannte.
Den langsamen Schritt beibehaltend, schlenderte ich durch die Stadt, sah immer wieder in den Häusern nach, ob es vielleicht doch noch etwas in einem Schränkchen, in der Spüle oder unter einem Stuhl zu essen gab. Unzählige Male tat ich das schon, wieder und wieder, vielleicht hatte ich an einigen Stellen ja nicht gründlich nachgeschaut gehabt... oft war es, als ob die Sachen einfach erschienen, und an Orten die schon durchsucht waren lagen.
Aber natürlich nichts gefunden.

Mein Weg führte mich unweigerlich in Richtung  Waldrand, wo ich gedachte meine Fallen aufzustellen. Als ich an einer Bushaltestelle vorbeikam, sah ich einen zusammengefaltenen Zettel am Boden liegen. Wieder einer dieser Momente, bei denen mir bewusst wurde, dass ich nachlässig wurde. Vor zwei Tagen erst jagte ich hier einen dieser "Zombies". Zugegeben, es war nacht als mich dieses... Ding weckte und keine Ruhe gab, dabei war ich so müde und erschöpft und brauchte dringend meinen Schlaf. Vor Müdigkeit und Erschöpfung verfiel ich in blanke Raserei, sprintete hinaus, nichts hatte ich dabei, nur meine blanken Hände als waffe. Unaufhörlich bearbeitete ich den "zombie", schrie meine Wut hinaus, über die Schlafstörung, meinen Hunger, die Tatsache das ich der letzte mit Verstand auf diesem gottverdammten Planeten war...

Nun stand ich da, den gefalteten zettel in händen haltend, faltete ich eben diesen auf. Es war eine Karte dieses ortes, Chernarus. Nahezu jede Stadt wurde auf der karte per Hand benannt, so auch Chernogorsk. Ein leiser Freudenschrei entfuhr mir, denn nun hielt ich eine Karte in händen und wusste wo die nächsten Siedlungen zu suchen waren. Kein Rumgeirre mehr durch Wälder, ohne zu wissen wo ich rauskam.

Dann sah ich auf der Karte eine kleine Stadt, nein, eher eine Siedlung, der Größe nach zu urteilen. Oder ein dorf? Darüber stand der name "Tishina" und auch eine Bemrkung dahinter " Das freundliche Dorf. Komm und finde Ruhe"
Sonst hatte keine einzige Stadt eine Bemerkung, nur dieses eine Dorf... ein Lächeln umspielte meine Lippen, das war das was ich gebraucht hatte: Ruhe. Da war der Entschluss getroffen, der Weg würde mich nach Tishina führen. Ich hatte wieder ein Ziel...
Und auch hunger...

Die Tage vergingen, hin und wieder fand ich hier und da etwas zu Essen, jedoch nie genug um wieder dieses Gefühl spüren zu können, wie es war satt zu sein. Zudem hatte ich eine Axt gefunden über die ich mich sehr gefreut hatte, aber diese war in einem erbärmlichen Zustand, gerade gut genug ein paar mal Hölzer zu hacken, dann war die Klinge auch schon zerbrochen... Eine Eisenklinge! Wie alt musste diese gewesen sein? Wie lange streifte ich schon umher? Mein Erinnerungsvermögen reichte nicht soweit zurück, sodass ich sagen konnte wann die Seuche ausgebrochen war, nur das ich eine lange, lange Zeit sehr einsam war. Ich fing an, an mir zu zweifeln, an meinem Leben zu zweifeln. Was tat ich hier? Von Ort zu Ort wandern, gerade soviel Essen finden, dass man überleben konnte? Das war kein Leben... nein, wahrlich, kein Leben für mich! Jeder Triumph den ich erreicht hatte wurde mir entweder zum Verhängnis, oder diesen hatte ich wieder verloren. Aber mein Ziel bleibt das selbe: "Das friedliche Dorf. Komm und finde Ruhe" -"das werde ich" war mein Gedanke. "Das werde ich..."

Einige Male kam ich vom kurs ab, musste mich neu orientieren. Nichtsdestotrotz verfolgte ich mein Ziel, ich wollte meine Ruhe finden. Seit Tagen wieder nichts zu Essen gehabt, jedoch war das auch nicht wichtig gewesen, wichtig war mein Ziel... der ständig leere Magen hatte schon angefangen zu krampfen. Die Schmerzen waren fast unerträglich, aber ich wollte nicht mehr vom Ziel abkommen, ich war ganz nah, ich wusste es, markannte Stellen wie eine verwaiste Burg habe ich schon passiert, ich war ganz nah. "Ich bekomme bald meine Ruhe" sagte ich unaufhörlich um die Schmerzen zu überspielen. Einige male strauchelte ich schon, drohte umzufallen. "Ich bekomme bald meine Ruhe"
ich stolperte über meine eigenen Füße, fiel zu boden, die Karte glitt mir aus der Hand. Die Karte mit den Augen fixierend murmelte ich noch ängstlich "meine Ruhe..." bis sich die Sicht langsam trübte, ob durch die drohende Ohnmacht, oder meine Tränen die von der Trauer herrühren Tishina nicht erreicht zu haben. Es war nicht mehr weit, das wusste ich, aber ich war zu schwach. die Augen schlossen sich...

"Was tust du da" hörte ich mein Gewissen rufen.
"Steh doch auf" rief es nochmal. Hätte nicht gedacht das die Stimme meines Gewissens anders klingt als die meine...
"Jungs, helft mir mal, hier liegt einer" rief es...
Was sollte denn das jetzt bedeuten? Rief mein gewissen jetzt noch verstärkung vom Charma und Lebensfreude?
"Halt durch, Junge. Du bist in Sicherheit" sagte mir mein Gewissen
"Du bist gleich in Tishina, dann bekommst du erstmal Ruhe" sagte mein Gewissen... ja, Ruhe ist gut dachte ich mir und dankte im Stillen meinem Gewissen...

Oder war es nicht mein Gewissen?

Ich schlug die Augen auf, mein Magen krampfte, mein Kopf schmerzte, mein Körper streikte, und ich war glücklich!
Ich war kurz vor Tishina, keine 10 meter mehr zum Tor, jedoch war ich schon zu erschöpft gewesen um es vorher zu sehen.
Und ich war nicht allein!
Mein Gewissen entpuppte sich als einer der Bewohner tishinas. Dann kam auch gleich noch einer, in einer grünen Robe, dieser spritzte mir als erstes irgendein Mittel und sagte: "Alles ist gut, vertrau mir, ich bin Arzt"

Ich verfiel  in ein Land der bewustlosigleit, aber ich war glücklich
.
Glücklich, am Leben und nicht mehr allein...
Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht.